Paarberaterin Dagmar Toschka
Wie erfolgreich darf mein Partner sein?
Eigentlich dürfen wir uns das gar nicht fragen. Mögen wir nicht alle den Erfolg unserer Partner? Die einzige Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist folgende: Wie viel Zeit und Energie darf dieser Erfolg verschlingen? Empfindet sich einer der Partner bald nur noch als Anlaufstelle zum Essen, Schlafen und Kleiderwechsel, als Boxenstopp sozusagen. Wenn das so ist, fällt der Preis für den Erfolg bereits sehr hoch aus und er wird vom Partner mit bezahlt.
Nur wenn der genauso viel Zeit und Energie in seine Arbeit steckt, entsteht kein Ungleichgewicht, allerdings die Gefahr, sich als Paar allein aus Zeitgründen aus den Augen zu verlieren. Steckt aber einer zurück und wartet abends enttäuscht auf den anderen, wird er den bald nicht mehr so herzlich empfangen, wie noch zu Beginn der Beziehung. Es kommt zu einer Disbalance, vielleicht sogar zu Vorwürfen, zumindest aber zu schlechter Stimmung. Dies bewirkt nicht selten, dass der sowieso schon hart arbeitende abends noch länger im Büro bleibt, weil er dort für seine Bemühungen Anerkennung und keine Vorwürfe erntet.
Mit Fairness oder Logik hat dies alles nichts zu tun. Und dennoch beißt sich die Katze an dieser Stelle in den Schwanz. Je öfter der eine enttäuscht zu Hause wartet, desto schlechter wird die Beziehungsstimmung, und umso lustloser kommt man wiederum heim. Das verschlechtert schleichend bald alle abendlichen Zusammentreffen. Der wartende Partner zieht unter Umständen Schlüsse, die sich aufdrängen. Nicht selten resultiert daraus der Gedanke, man spiele keine wichtige Rolle mehr im Leben des Partners, weil der alles, was mit seiner Arbeit zu tun hat, wichtiger nimmt, als die Beziehung. All dies vollzieht sich oft schleichend, geradezu unauffällig.
Sprechen Sie rechtzeitig und offen darüber, wie viel Zeit Sie von Ihrem Partner brauchen, um sich in der Beziehung wohl zu fühlen. Suchen Sie Abende aus, an denen Sie sich zeitig treffen und behandeln Sie diese Verabredungen mit der gleichen Gewichtung und Verlässlichkeit wie Termine im Büro. Zeigen Sie sich aber auch flexibel, wenn es einmal nicht klappt, denn der Beruf nimmt nicht immer Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse. Halten Sie aber ein wachsames Auge auf die Überstundenlage, denn sie eskaliert schneller, als man denkt. Auch Enttäuschung stellt sich schneller ein, als man annimmt. Irgendwann wartet dann der Partner nicht mehr geduldig oder auch ungeduldig zu Hause.
Erst wenn die Beziehung zerbricht bemerken viele, wie viel sie ihnen wert gewesen wäre und dass weder Anerkennung noch Erfolg einen Ersatz für die Liebe bieten.
Dagmar Toschka