X-Men - Erste Entscheidung
Während die den X-Men Filmen zugrunde liegenden Comics bereits seit Jahrzehnten zum Gemeingut der US-Amerikanischen Pop-Kultur, tun sich die Kino-Counterpart bisher noch erstaunlich schwer diesen Status zu erreichen. Aber immerhin eines haben diese Verfilmungen geschafft; seit 1999 der erste moderne X-Men-Film in den Kinos flackerte, wurden Comics als ein wichtiges Material für Sommerblockbuster entdeckt.
So zieht auch der neue X-Men-Film aus, um das Genre der Comic-Verfilmungen würdig zu repräsentieren und fügt sich dabei den eindrucksvollen Untertitel „Die Entscheidung" zu. Die Handlung dabei ist schwer nachzuerzählen, ohne dass sie allzu albern wirkt; Mutanten mit übernatürlichen Fähigkeiten formen eine Spezialeinheit der US-Regierung um für Recht und Frieden in der Welt zu sorgen, indem sie gegen die Sowjets kämpfen. Dazu kommt eine zweite Gruppe Mutanten, die böswilligere Ziele haben und die Welt in den Krieg stürzen wollen. So cheesy das auch klingen mag, scheint sich doch eine solche Storyline schnell durch die Ansiedlung in einem Comic-Universum zu legitimieren. Und wenn man die Fans der Comics fragt, geht es da auch nicht immer nur um die Handlung, sondern auch um die Geschichte jedes einzelnen Mutanten – den namensgebenden X-Men.
Daran versucht sich offensichtlich auch der Film und probiert eine Brücke zwischen typischen Actionkino und sozialkritischer Parabel zu schlagen. So werden die Figuren tatsächlich in den besten Momenten des Films in ihrer schmerzhaften Individualität gegenüber dem gesellschaftlichen Druck der Gleichartigkeit gezeigt. Leider gelingt dieses Anliegen nicht ganz und wirkt unter dem typisch aufgebauten Aktion-Anteil beinahe oberflächlich.
Dennoch bekommt man eine gehörige Portion X-Men Geschichte spendiert und erfährt in diesem Prequel, wie es zu vielen der Konstellationen kam, die man aus den älteren Filmen kennt.
Hinzu kommen einige überzeugende Darsteller wie James McAvoy, Michael Fassbender und Kevin Bacon. Auch Hugh Jackman hat einen Gastauftritt und der seit „Casino Royale" erstaunlich beliebte Uns-Ludger Pistor spielt ebenfalls großartig. Solange man also keine zu hohen Ansprüche an eine Comic-Verfilmung legt, kann man auch für den neuen X-Men Film wieder mit einer Portion Popcorn im Kinosessel Platz nehmen.
Franziska Steiner