Lasse? Korbian? Lulius? Qual der Wahl: Alle infos, wie Sie Ihren Wunschnamen finden
Eines der anstrengendsten Dinge an einer Schwangerschaft ist die Namensuche. Nicht, das es mir an Auswahl gemangelt hätte. Das Lexikon, das der Kindsvater anschleppte, bot mehr als 8000 Möglichkeiten. Ich kapituliere auf Seite 106 bei Crispinus, „der Kraushaarige". Hinzu kam, dass sich mein Mann überhaupt keine Gedanken zu machen schien. Dafür war er gut im Ablehnen: Emanuele? „Klingt wie eine ostdeutsche Stripperin." Julius? „ Erinnert an den Lateinunterricht." Astrid? „Dann wird es für deine schwäbischen Verwanden nur ‚Aschtritt' heißen." Da sollte er mir eine Liste mit seinen Favoriten präsentieren, und bis dahin wollte auch ich auf die Suche gehen.
Wo findet man Namen?
Ganz einfach: überall. Im Kino, wenn der Abspann läuft, in Zeitschriften, auf Buchrücken. Hatte ich einen Favoriten, testete ich ihn bei Ikea. Als dort innerhalb von zwei Stunden der dritte Noel aus dem Smaland abgeholt werden wollte, war klar: Ein Noel wird unser Kind nicht.
Schön fand ich die Idee, einen Namen aus der Familie zu nehmen. Eine Freundin hatte aus den Namen ihrer Mutter, Groß- und Urgroßmütter einen Namen für ihre Tochter gebildet: aus den Anfangsbuchstaben von Renate, Anna, Josefine und Armgard wurde Raja.
Wer darf mitreden?
Vorsicht mit der voreiligen Preisgabe des Favoriten – er wird schnell zerredet. Ich konnte es irgendwann nicht länger aushalten und verriet meiner Mutter, was ich für ein Mädchen ausgesucht hatte. Schwerer Fehler. Die Kettenreaktion war nicht mehr aufzuhalten. Sie sagte: „Serena? So heißen früher mal Damenbinden." Der Name war mir verdorben.
Junge oder Mädchen?
Luca gefiel mir von Anfang an. Dass sowohl Jungen als auch Mädchen so heißen konnten, fand ich nicht weiter schlimm. Dann telefonierte ich mit meiner Schwester. Sie erzählte verliebt, dass sie eine neue Beziehung hatte, mit Mary aus ihrem Semester. Mary? Mary hieß in Wirklichkeit Marian. Als ich erfuhr, dass sein Name auch in Bewerbungen öfter zu Irritationen führt, weil er als Abkürzung von Marianne verstanden wird, strich ich Luca von meiner Liste.
| Die Namen-Top-Ten heute und Gestern |
| 2007 |
1954 |
1904 |
| Anna/Lukas |
Angelika/Micheal |
Gertrud/Wilhelm |
| Leonie/Leon |
Karin/Peter |
Martha/Walter |
| Lea(h)/Luca |
Gabriele/Wolfgang |
Erna/Karl |
| Lena/Tim(m) |
Renate/Dieter |
Anna/Hans |
| Hanna(h)/Paul |
Brigitte/Klaus |
Frida/Otto |
| Laura/Jonas |
Birgit/Jürgen |
Elisabeth/Hermann |
| Lara/Finn (Fynn |
Sabine/Thomas |
Else/Paul |
| Emily/Max |
Cornelia/Manfred |
Herta/Heinrich |
| Sara(h)/Niclas |
Ursula/Uwe |
Helene/Ernst |
| Lilli,Lilly/Luis/Louis |
Petra/Bernd |
Margarete/Friedlich |
Passt's zum Nachnamen?
Dass man sein Kind nicht James nennt, wenn man Bond heißt, wissen wir. Klara Fall geht auch nicht, ebenso wie Axel Haar. :) Doch es gibt auch Blüten, die aus Unbedachtheit entstehen. So wie bei meinem Klassenkameraden, Nachname: Schmeier. Seine Eltern nannten ihn Knut. Wir fanden das witzig. Na ja Knut weniger *g*.
Wichtig beim Nachnamen außerdem: Je länger der Familienname, desto kürzer sollte der Vorname sein und umgekehrt. Betonte und unbetonte Silben sollten sich abwechseln: Dirk Ammon ist besser als Rudolfo Ammon.
Übrigens: Eltern, die unterschiedliche Nachnamen haben, sollten den Vornamen mit beiden Namens-Varianten testen. Entscheiden sie sich später für einen gemeinsamen Familiennamen, gilt der automatisch auch für die Kinder.
Wie selten ist der Name wirklich?
Im 15. Jahrhundert hießen fast alle gleich. Da war beispielsweise in Köln jeder dritte Junge ein Hans, jedes dritte Mädchen, „na raten Sie mal?"… eine Elisabeth. Im Berlin von 1903 zählten Forscher rund 800 Vornamen. Hundert Jahre später sind es in Großstädten mittlerweile bis zu 3000. Heute wollen Eltern einen seltenen Namen für ihr Kind. Schließlich soll es in der Schule nicht jahrelang Chrissi oder Bine heißen müssen, weil es schon drei weitere Christines und vier andere Sabines gibt.
Meine beste Quelle war eine Kindergärtnerin. Lisa? „Bloß nicht", meinte sie, „meine Gruppe quillt über von Lisas und Lauras. „Wem es an Erzieherinnen im Bekanntenkreis mangelt, schaut in Lokalteil der Tageszeitung, Abteilung Geburtsanzeigen.
Kennen Sie die Bedeutung?
Ein Blick ins Lexikon lohnt sich. Eine Freundin nannte ihre Tochter Lilith – ohne zu wissen, dass Lilith nicht nur die erste Frau Adams war, sondern auch als Mutter der Dämonen gilt, die den Plötzlichen Kindstod verursachen. Jetzt überleg sie, den zweiten Vornamen der Kleinen zum Rufnamen zu machen.
Welche Namen sind verboten?
Lenin wurde auf deutschen Standesämtern nicht genehmigt, ebenso wenig wie Omo, Schnucki, Verleihnix oder Grammophon. Auch zwei Vorschläge meines Mannes hätten keine Chancen gehabt. „Che" – oder „Garda", für ein Mädchen. Weil unser Baby wahrscheinlich im Urlaub am Gardasee entstanden war. Ortsbezeichnungen als Namen sind in Deutschland nicht erlaubt.
Wo und wie wird der Name vergeben?
Offiziell bei der Geburtsanzeige, die binnen einer Woche nach der Entbindung beim Standesamt erklärt werden muss. Das übernimmt normalerweise der „junge" Vater. Der für diesen Gang bei klarem Verstand sein sollte. :) Unsere Geschichte ging nämlich weiter: Nachdem wir die Listen in Schwangerschaftswoche 30 geschlossen hatten, dann Namen strichen, blieben am Ende vier übrig. Schließlich entschieden wir uns für Laurin.
Doch Laurins Vater war beim Gang zum Standesbeamten von der Geburt am Vortag und dem Kasten Bier, mit dem er seine Vaterschaft begossen hatte, so berauscht, dass er dem Kind einfach noch ein paar Namen mehr gab. „Da war noch so viel Platz in der Zeile", murmelte er kleinlaut, als er mir die Geburtsurkunde überreichte und etwas von Fußballkarriere faselte. Unser Sohn heißt jetzt Laurin Diego Gary Pele.
Ende der Geschichte ;)