Eine Tafel reicht heute nicht mehr
Das Bild der Hauptschule in der Öffentlichkeit ist schlecht und das aus gutem Grunde. Doch das das war nicht immer so. Vielmehr hat sich dieses negative Image vor allem in den vergangenen 30 Jahren entwickelt.Es gibt nicht wenige Entscheider in Politik und Verwaltung, die teils offen bis in die jüngere Vergangenheit behaupteten, dass an den Hauptschulen ein Stück Kreide und eine Tafel zum Unterrichten genüge. Doch gerade diese "Stück Kreide Mentalität" hat auch zum Niedergang und damit zum heutigen Rand- oder um es härter zu formulieren, Restdasein der Hauptschule beigetragen.
Der Schock der ersten Pisa Studie war denn auch nur ein Schock für nicht Eingeweihte. Die Leistung stimmt nicht mehr. Doch Leistung ist eben kein isolierter Wert an sich, Leistung hängt von vielen Faktoren ab, die zusammengenommen ein günstiges oder auch ungünstiges Lernumfeld schaffen. Hierzu zählt als wichtigster Faktor die Klassengröße, aber auch Familienumfeld, Integration in außerschulische Prozesse, Materialausstattung, Motivation der Lehrer, usw.
Betrachtet man das Umfeld städtischer Hauptschulen, so sind vor allem negative Faktoren zu nennen:
- Schüler der Hauptschulen stammen zum großen Teil aus problematischen Familienverhältnissen oder auch aus Familien mit Emigrationshintergrund mit bekannten Integrationsproblemen,
- da Hauptschülern ein negatives Image anlastet, fällt es schwer, sie während der Schulzeit in geeigneten Praktikumsplätzen unterzubringen,
- die Materialausstattung ist nur mangelhaft. Im Sportunterricht fehlen neue Bälle, Matten, es gibt keine Poolboys oder Schwimmbretter für den Schwimmunterricht, im Erdkundeunterricht fehlen digitale Kartensätze, im Musikunterricht Instrumente. Die Liste ließe sich beliebig erweitern.
Natürlich bleibt auch den Hauptschülern selbst ihr "Restdasein" nicht verborgen. Das fördert nicht unbedingt ihre Motivation.
Zu guter Letzt fällt besonders schwer ins Gewicht, dass die Klassen, zusammengesetzt aus abgeschobenen Schulversagern anderer Schulen, Kindern ohne Basisverhaltenscodexe, aber auch Lernschwache, schlichtweg viel zu groß sind. Anstatt zu unterrichten, sind Lehrer einen Großteil der Zeit mit Reglementieren beschäftigt. Das kostet nicht nur Kraft und Nerven, es senkt verständlicherweise auch die Motivation der Lehrkräfte.
Schüler, wie auch Lehrer, fühlen sich von der Gesellschaft im Stich gelassen. Das wirkt sich verstärkt negativ auf die Motivation aus.
Hauptschullehrer haben allen Grund unzufrieden zu sein, hat sich seit Pisa I trotz großer öffentlicher Worte seitens der Politik, am negativen Umfeld nichts geändert. Ganz im Gegenteil hat man das Umfeld weiter verschlechtert, indem man bei sonst gleichen Bedingungen und gleichem Gehalt, die Unterrichtsstundenzahl erhöhte. Zusätzlich müssen beamtete Lehrkräfte bis zu drei Unterrichtsstunden unbezahlt Überstunden pro Monat arbeiten, was reichlich ausgenutzt wird.
Eine deutsche Weisheit lautet: "So wie man in den Wald reinbrüllt, so schallt es heraus" oder anders ausgedrückt: Wer nicht bereit ist ausreichend zu investieren, der darf auch keine Höchstleistung erwarten.
Es stellt sich nicht nur für Hauptschulen die Frage, wann Deutschland endlich anfängt, wieder in Bildung zu investieren. Momentan ist Deutschland was Bildungsinvestitionen bis zum 15.Lebensjahr angeht, in Westeuropa Schlusslicht. Da ist es schon erstaunlich, dass wir bei den Pisastudien noch im Mittelfeld rangieren. Eigentlich ein Argument für die relativ gute deutsche Schulbildung. Doch für ein Land, das nicht viel mehr als "know-how" anbieten kann, also auf erstklassige Schulbildung angewiesen ist, reicht ein Mittelfeldplatz auf Dauer nicht!
Arne Frentzel
www.arnefrentzel.de.tl