kreatives Einkaufsmarketing
Ein wichtiger Baustein des Einkaufsmarketing ist die Beschaffungsmarktforschung. Erst ein aktives und systematisches Erforschen der Beschaffungsmärkte ermöglicht es, die Erfolgspotenziale des Einkaufs voll auszuschöpfen. Die gesammelten Informationen und Daten geben Hinweise, ob die Leistung der Lieferanten (Produkte, Service, Lieferzeit, Preise, Nebenleistungen ....) marktgerecht sind und die eigene Einkaufsarbeit Erfolg hat.
Soll die Beschaffungsmarktforschung als wirksames Einkaufsmarketing-Instrument eingesetzt werden, müssen folgende fünf Schwerpunkte firmenspezifisch und individuell festgelegt werden: Produktauswahl, Methodeneinsatz, Informationsbedarf, Informationsquellen, Verwendung der Ergebnisse. Produktauswahl: Für welche Produkte, Materialgruppen oder Materialfelder muß eine Einkaufsmarktforschung erfolgen? Das Vorhaben, für alle zu beschaffenden Materialien die jeweiligen Haupt- und Vormärkte zu untersuchen, ist weder praktikabel noch wirtschaftlich zu vertreten. Vgl. unter dem Gesichtspunkt von Wissensmanagement beispielsweise Becker, Jörg: Wissensbilanz und Geschäftsplanung, ISBN 9783837075649.
Methodeneinsatz: Ist die Produktauswahl abgeschlossen, sind Überlegungen zum Einsatz der zweckmäßigsten Methode anzustellen. Soll eine Einkaufsmarktanalyse oder -beobachtung eingesetzt werden oder eine Kombination der beiden Verfahren? Eine pauschale Antwort ist hierbei nicht möglich. Die Marktanalyse wird fallweise zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt. Sie stellt praktisch eine „Inventur der Märkte" dar. Ihr Einsatz bietet sich an, wenn erst wenig Informationen vorliegen, beispielsweise bei Beginn der Marktforschungs-aktivitäten oder bei besonderen Vorhaben, wie Einkaufen in einem neuen Land, Make-or-buy-Entscheidungen usw. Die Marktbeobachtung soll die Entwicklungen, Tendenzen und Verflechtungen der Märkte aufzeigen. In der Praxis hat sich die Nutzung beider Methoden bewährt, da die Beobachtung auf den Ergebnissen der Analyse aufbaut und somit ein besseres Gesamtbild entsteht. Das Erstellen einer Einkaufsmarktprognose über die voraussichtliche Entwicklung der Märkte bildet die Grundlage für ein internes Berichtswesen und die Beschaffungsplanung.
Informationsbedarf: In dieser Phase wird definiert, welche Daten und Informationen für die Aufgaben benötigt werden. Grundsätzlich benötigt ein Großhändler, der einen Einkauf in Fernost plant, andere Informationen als ein Industriebetrieb, der seine Fertigungstiefe verringern will. Sinnvoll ist eine Gliederung nach produktbetreffenden, lieferantenbetreffenden, branchenbetreffenden und länderbetreffenden Informationen. Qualitäten, Herstellungsverfahren, mögliche Substitutionsgüter, ... sind zum Beispiel produkttypische Daten. Als Lieferantenmerkmale seien genannt: betriebliche Merkmale (Größe, Umsatz, Gewinn, Unternehmenspolitik, ...), technologische Position (Forschung und Entwicklung, Investitionen, Rationalisierungen, ...), produktbezogene Leistungsfähigkeit (Kapazitäten, Lagerhaltung, Auslastung, Qualität, Service, Preis, Nebenleistungen, ...) sowie spezielle Risiken beim Lieferanten. Vgl. zu umfassender Behandlung von Standortaspekten aus der Standortreihe von Becker, Jörg: Strategischer Potential-Check des Standortes, ISBN 9783837049787.
Jörg Becker
www.beckinfo.de