(pk-k) Witten/Herdecke, 01.10.2010 - Ergänzende Zahlungsmittel, die neben dem Euro verwendet werden, gibt es weltweit immer mehr. Bonusmeilen und -punkte, Rabattschecks und Coupons sind vermutlich jedem inzwischen hinlänglich bekannt. Es gibt wenige Verbraucher, die so etwas noch nicht beim eigenen Einkauf verwendet haben. Aber es gibt neben den von Firmen kommerziell emittierten Alternativwährungen auch solche, die von Bürgern für Bürger kreiert wurden und werden. In Witten fand am vergangenen Samstag eine Konferenz statt, zu der der Coinstatt-Kooperationsring eingeladen hatte.
Die durch die an der Konferenz Teilnehmenden repräsentierte Vielfalt war beachtlich: Regiogeld, leistungsgedeckte Verrechnungseinheiten oder ein Tauschring wurden ebenso vorgestellt, wie eine wissenschaftliche Ausarbeitung zur Typisierung komplementärer Währungen oder die Systementwicklung für ein „Dorf in der Stadt". Coinstatt hatte nicht öffentlich, sondern persönlich solche Menschen eingeladen, die aus eigener Expertise das Thema „Neue Formen im Umgang mit Geld" bearbeiten. Entsprechend lebhaft und qualifiziert waren die Diskussionen der dargestellten Arbeitsergebnisse. Beeindruckend darin waren Berührungspunkte und Schnittstellen zwischen den verschiedenen Ansätzen. Man arbeitet vielerorts in eigenen Projekten an Einzelthemen, die zusammen genommen die eigentliche Relevanz verdeutlichen: Bürgerschaftliches Engagement, zur Verbesserung der lokalen, regionalen oder auch der ganz persönlichen Ökonomie einerseits, aber auch die Demokratisierung des Geldes andererseits, die bis zur Emission eigener „Währungseinheiten" geht, bildeten den durchgängigen Themenhintergrund der Konferenz.
Der Coinstatt-Kooperationsring stellte durch einen seiner Vertreter die Idee vor, einen Verbund für verschiedenste Komplementärwährungen aufzubauen, in dem Regionen und Themen übergreifend eine Vernetzung der Einzelinitiativen stattfinden kann (und soll). Neben der Teilung von erarbeitetem Wissen, bietet so ein Verbund auch die Möglichkeit, unterschiedliche Währungen konvertierbar zu machen. Die Alternativwährung aus dem Ruhrgebiet wäre dann problemlos auch in Süddeutschland zu verwenden.
Die im Anschluss an die Darstellung des Coinstatt-Kooperationsrings aufgeworfene Frage nach einer möglichen Integration von Peer-to-Peer-Krediten auf Eurobasis soll in den derzeitigen Planungen für den Kooperationsring berücksichtigt werden. Verbraucher könnten einander dann direkt Darlehen gewähren, deren Konditionen unter den Beteiligten frei verhandelbar wären. Plattformen für solche Initiativen gibt es zwar bereits, aber noch nicht selbstverwaltet und verbunden mit einer eigenen Komplementärwährung. Die Selbstverwaltung ist ein zentrales Anliegen der Coinstätter, die dafür als Rechtsform eine eingetragene Genossenschaft gründen wollen.
In der Vielfalt der dargestellten Möglichkeiten wurde bei der Konferenz auch deutlich, welche Relevanz die Ideen von Rudolf Steiner und Silvio Gesell im Kontext der diesbezüglichen gesellschaftlichen Entwicklungen bekommen. Beide, Rudolf Steiner und Silvio Gesell, vertraten bereits vor gut 100 Jahren schon die Ideen, die gegenwärtig für die Initiatoren komplementärer Währungen das wissenschaftliche Fundament für die eigenen Entwicklungen abgeben. So ist es unter den nicht staatlichen Währungen Konsens, dass z.B. keine Zinsen erhoben werden und die Verwaltung der Verrechnungseinheiten kooperativen, bzw. assoziativen Grundsätzen folgen soll.
Die „Wittener-September-Konferenz" soll im kommenden Jahr wiederholt werden, der Coinstatt-Kooperationsring hat damit begonnen, die Genossenschaft aufzubauen, die den Rahmen für den neu entstehenden Verbund abgeben soll. Interessierte sind stets willkommen und können sich gern bei Coinstatt melden, um in die weiteren Entwicklungen direkt mit einbezogen zu werden.
Peter Krause-Keusemann