blühende Brennnnessel
Welche Pflanzen man als „
Unkraut" bezeichnet, das ist für viele Menschen ganz eindeutig und klar:
Brennnessel, Schafgarbe oder
Löwenzahn sind in ihren Augen solche Unkräuter und diese hässlichen Pflanzen haben in einem stilvollen Garten eigentlich gar nichts zu suchen. Ihre einzige Aufgabe ist es – so die Verfechter der klassischen Unkrauttheorie – unsere schönen Wiesen, Parks und Gärten in ein hässliches Dickicht zu verwandeln und die um vieles ästhetischeren Zierpflanzen aus diesen Bereichen zu vertreiben.
Wer allerdings über das Thema Unkraut – Wildkraut etwas genauer nachdenkt, der wird schnell feststellen, dass diese ungeliebten Pflanzen sehr wohl ihre Daseinsberechtigung haben. Viele von ihnen haben heilende Wirkung. Was würden wohl unsere Naturärzte und Heilpraktiker ohne der blutreinigenden Brennnessel, der verdauungsfördernden Schafgarbe oder dem blutstillenden Johanniskraut machen? Und selbst das unscheinbare Gänseblümchen, das so manchem Rasenbesitzer regelmäßig mit seinen winzigen Blüten ärgert, hat heilende (den Appetit anregende) Eigenschaften!
Wer die so genannten Unkräuter also genauer unter die Lupe nimmt und ihren positiven und wohltuenden Eigenschaften nachspürt, der wird sehr schnell merken, dass die Bezeichnung Unkraut für die meisten dieser Pflanzen vollkommen falsch und irreführend ist.
Viel richtiger wäre es die Pflanzen – je nach Art ihrer Anwendung einzuteilen: Klar: am Rasen von Wimbledon oder im gepflegten Barockgarten haben weder Gänseblümchen noch Brennnessel etwas zu suchen. Im Klostergarten ist die Situation dagegen eine vollkommen andere: Hier werden – aufgrund ihrer heilenden Wirkungen - oftmals genau diejenigen Pflanzen angebaut, die viele Menschen als „Unkräuter" bezeichen. Glücklicher Weise setzt heute – im Zuge der ökologischen Bewegung – ein Umdenken ein und die ehemals so unbeliebten Unkräuter feiern als
Wildkräuter ihr Comeback!
Raphael Bolius