Es geht nur um eine Frage:
Mehr beim Bauen & Renovieren investieren als vorgeschrieben - oder nicht? Klar: Mehr Dämmung, bessere Technik kosten mehr. Aber man spart auch sofort mehr, braucht sich keine Sorgen mehr zu machen.
Kyrill hatte es eilig. Er stürmte mit 225 Stundenkilometern durch Europa, schlug am 18. und 19. Januar eine Schneise der Verwüstung. Die Wetterfrösche hatten so düster geunkt, dass sturmfrei ausgerufen wurde in Schulen, Betrieben, Büros, Läden und Bahnhöfen: Jeder sollte die Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen. Tatsächlich starben im Sturm 46 Menschen - 12 in Deutschland.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stellt sich auf Schäden in Höhe von zwei Milliarden Euro ein. Kyrill blies Politikern, Skeptikern und Zauderern die raue Wahrheit ins Gesicht: höchste Zeit, Energie zu sparen, den Ausstoß von Schadstoffen zu mindern, Ressourcen zu schonen. Es wird immer öfter Orkane geben, heiße Sommer, verregnete Winter. Denn Kohlendioxid in der Atmosphäre heizt den Treibhauseffekt an - Grund des Klimawandels. Ursache sind wir: Jeder Einwohner Deutschlands verschuldet jährlich zehn Tonnen Kohlendioxid - ein Viertel davon entstehen durch Heizen und Wasser-Erwärmen. Klimaexperten fordern einen weltweiten Durchschnitt von höchstens drei Tonnen, damit die Klima-Katastrophe abgewendet werden kann.
Was kann ich dafür tun?
Energiesparen, wo immer es geht - das ist der Schlüssel zum Klimaschutz. ,Jede noch so kleine Sparaktion trägt dazu bei: Glühbirne rausdrehen, Energiesparlampe einschrauben. Geräte richtig abschalten. Sparsamere Geräte kaufen. Sprit sparen. Der dickste Brocken, den man leisten kann: besonders energiebewusst renovieren und bauen. Denn diese Tat wirkt über Jahrzehnte.
Wie mache ich das?
Je konsequenter die folgenden zehn Bau-Gebote beachtet werden, desto sparsamer das Haus:
Wie groß ist mein Sparpotential?
Wenn man umrechnet, wie viel Heizwärme (kWh) pro Quadratmeter (m2) und Jahr (a) nötig ist, kann man vergleichen. Die Maßeinheit: kWh/m2a. Schauen Sie sich das Schaubild an: Altbauten verpulvern 270 kWh/m=a. Das sagt Ihnen nicht viel? 10 kWh entsprechen 1 Liter Heizöl oder 1 Kubikmeter Gas oder 2 Kilogramm Holzpellets. Also sind unsanierte Altbauten in der Regel 27-LiterSchluckspechte. Die Wärmeschutzverordnung 1982 senkte das auf 220 kWh/m'a, die WSVO 1994 auf 120, die Energie-Einsparverordnung EnEV auf 95. Niedrigenergiehäuser liegen rund ein Drittel darunter bei 70; Passivhäuser bei 15 kWh/m2a.AuchAltbauten kann man auf Passivhaus-Niveau herunter dämmen.
Kann ich auf Heizung verzichten?
Spar-Pioniere haben schon Null-Energie-Häuser gebaut. Sogar Plus-Energiehäuser - eine Siedlung steht in Freiburg (Fotos unten).
... und das Haus wächst im Wert
Hochleistungshäuser wie diese und Passivhäuser sind extrem gut gedämmt. Die Knackpunkte: Wärmeverluste durchs Lüften, Energiebedarf fürs Wasserwärmen.
Wie viel soll ich lüften?
Alle zwei Stunden sollte die Luft komplett erneuert werden. In genau richtiger Menge machen das Lüftungsanlagen. Sie nehmen der verbrauchten Raumluft 80 % der Wärmefracht ab und temperieren damit die Frischluft.
Wie viel Warmwasser?
Die Warmwassermenge richtet sich nach der Anzahl der Bewohner, ihren Bade- und Duschgewohnheiten, nicht nach dem Gebäudestandard. Braucht das Gebäude weniger Heizenergie, fällt der Energiebedarf fürs Warmwasseranteil immer stärker ins Gewicht (Grafik rechts). Da hilft nur eins: Sonne mit Kollektoren anzapfen, die Wärme verlustarm horten.
Wie wird mein Haus super?
Null-Energiehäuser benötigen keine zusätzliche Heizenergie, sie decken den Restwärmebedarf durch im Haus erzeugte Wärme - von Menschen, Geräten, Sonneneinstrahlung. Lüftungsanlage mit Wärmerecycling und Kollektoren obligatorisch. Bei Plus-Energiehäusern wird die Energiebilanz am Ende positiv durch regenerative Energie, meist Solarstrom.
Beispiel: ein Passivhaus mit 120 m2 Wohnfache hat einen Heizenergiebedarf von 1800 kWh/m'a (120 x 15). Ein Quadratmeter monokristalline Solarzellen erzeugt jährlich 100 kWh. 18 m` Solarzellen kompensieren also den Heizwärmebedarf. Fürs Wasserwärmen nach EnEV kommen weitere 15 m' Solarzellen dazu, um im Plus zu landen. Auch Kollektor-Wärme kann ausgleichen.
Was kostet das?
Dr. Wolfgang Feist baute 1991 das erste Passivhaus in Darmstadt-Kranichstein. Es kostete 20 % mehr als ein Normalhaus, funktioniert prima. Ein Freiburger Plusenergiehaus (137 m2) kommt 15% teurer, gewinnt aber jährlich 3159 kWh; satte 17253 kWh verbraucht der konventionelle Vergleichsbau. Die Differenz entspricht über zweitausend Liter Heizöl jährlich.