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Wie Hunde den Menschen domestizierten

Autor: karlowski | Erstellt am: 23.11.2008 | Gelesen: 2649
Kategorie: Natur - Tiere & Pflanzen | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Die Vorstellung, der Hund habe auf dem langen gemeinsamen Weg durch die Zeit auch den Menschen domestiziert, scheint abwegig. Oder vielleicht doch nicht?

Hunde: Menschen bester Freund
Hunde: Menschen bester Freund
Hunde sind des Menschen bester Freund, sagt man. Wir haben sie domestiziert und zum Haustier gemacht. Abwegig scheint die Vorstellung, der Hund habe auf dem langen gemeinsamen Weg durch die Zeit auch den Menschen domestiziert. Colin Groves, Dozent im Fachbereich für Archäologie und Anthropologie der Australian National University Canberra, vertritt jedoch genau diese Ansicht.

Laut Groves sind die Menschen der Frühzeit von den Hör-, Riech- und Sehfähigkeiten des Hundes abhängig geworden, mit der Folge, dass sich einige Teile des menschlichen Gehirns verglichen mit anderen Gehirnteilen zurückentwickelten. Groves argumentiert dabei nicht im luftleeren Raum, er stützt seine These auf genetische Untersuchungen, nach denen Mensch und Hund bereits seit weit mehr als 100 000 Jahren beste Freunde sind.

Funde aus der Fossilienwelt zeigen, dass sich das Schädelvolumen beim Homo sapiens in Europa und Afrika seit Beginn des Holozän-Zeitalters, also vor zirka 10 000 Jahren, um mindestens zehn Prozent verringert hat. Laut Groves könnte diese Rückentwicklung mit der Intensivierung der Mensch-Hund-Beziehung begonnen haben, welche zu einer Reduzierung von bestimmten menschlichen Gehirnfunktionen, wie Geruchs- und Hörfunktionen, geführt habe. Den Beginn der Domestikation vor mehr 100 000 Jahren legte eine internationale Gruppe von Genetikern unter der Leitung von Robert Wayne von der Universität von Kalifornien, Los Angeles, aus einer Analyse der mitochondrialen DNA von 162 Wölfen aus allen Teilen der Welt und 140 ausgewählten Hunden 67 verschiedener Rassen fest. "Die Untersuchung ergab, dass sich Hunde von Wölfen schon genauso lange unterscheiden wie die unterschiedlichen Wolfarten untereinander – und das ist in der Tat schon seit langer Zeit", meint Colin Groves.

Er nimmt damit eine im Jahre 1914 aufgestellte Theorie wieder auf, wonach Menschen einige derselben körperlichen Merkmale wie domestizierte Tiere aufweisen, das auffälligste darunter: das kleiner gewordene Gehirn. Beim Pferd schrumpfte es nach der Domestizierung um 16 Prozent, bei Schweinen sogar um 34 Prozent. Bei Hunden schwanken die Zahlen zwischen 10 und 30 Prozent. Nicht alle Teile des Gehirns reduzierten sich im gleichen Maße. Am stärksten betroffen waren Vorderhirn und Corpus callosum (der sog. Balken, die wichtigste Verbindung zwischen den Gehirnhälften), am wenigsten Mittelhirn und Nachhirn. Beim Menschen jedoch habe sich das Mittelhirn (Umschaltstelle der Hör- und Sehbahn) und das Riechzentrum (Bulbus olfactorius) stark verkleinert, sagt Groves.

Hunde sind die am längsten domestizierten Tiere. "Sie dienten den Menschen als Warnsystem, sie halfen ihnen beim Spurensuchen und Jagen, waren Resteverwerter, Wärmflasche, Babysitter und Spielkamerad der Kinder. Die Menschen versorgten die Hunde mit Nahrung und gaben ihnen Sicherheit. Diese über 100 000 Jahre andauernde symbiotische Beziehung intensivierte sich während des Holozän-Zeitalters bis hin zur gegenseitigen Domestizierung", erklärt Groves. Damit räumt er gründlich mit der Vorstellung auf, dass sich unsere verlorenen Gehirnfunktionen, auch ohne auf Hund gekommen zu sein, von ganz alleine auf dem langen Weg vom Ur-Menschen zum Kulturmenschen zurückgebildet haben.

Ulrich Karlowski
www.naturenews.de
 
 
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