Die finanziellen Mittel, die ein Unternehmen für den normalen Betrieb benötigt, können entweder von außen zugeführt werden oder es können Quellen innerhalb des Unternehmens genutzt werden. Diese Unterscheidung des Kapitals nach Herkunft gilt sowohl für Eigen- wie auch für Fremdkapital. Eine Finanzierung aus Abschreibungen ist als eine Eigenkapitalfinanzierung von innen zu sehen.
Unternehmen schreiben ihre Betriebsmittel, die sie über einen längeren Zeitraum zur Produktion benötigen. über die entsprechende Nutzungsdauer ab. Das Unternehmen berücksichtigt den Wertverlust, der während der Nutzungsdauer entsteht und verrechnet diesen als Kosten mit in die Produktkalkulation. Die Umsatzerlöse, die am Markt erzielt werden, sollen somit die Kosten decken, die durch den Wertverlust der Betriebsmittel entstehen. Betrachtet man beispielsweise eine Maschine, die linear über vier Jahre abgeschrieben wird, so werden jedes Jahr 25% der ursprünglichen Ausgaben für die Maschine in den Produktpreis verrechnet. Nach vier Jahren ist das für die Maschine ausgegebene Kapital wieder ins Unternehmen zurückgeflossen, selbst wenn der Unternehmensgewinn während dieser Zeit bei null lag (unter der Vorraussetzung, das auch alle Produkte abgesetzt werden konnten).
Da die Abschreibung in den Verkaufspreis des Produkts einkalkuliert wurde, fließt dem Unternehmen durch den Umsatzprozess auch Kapital für die Abschreibungen zu. Im Beispiel der vierjährigen Abschreibung sind dem Unternehmen im ersten Jahr flüssige Mittel in Höhe von 25% des Anschaffungspreises zugeflossen. Dieser Betrag wird jedoch erst drei Jahre später benötigt, wenn die Maschine komplett abgeschrieben ist und erneuert werden muss. Über diesen 25-prozentigen Anteil kann das Unternehmen nun drei Jahre lang frei verfügen. Das freie Kapital kann beispielsweise genutzt werden, um damit Teile des Umlaufvermögens zu finanzieren. Es können auch längerfristige Investitionen damit finanziert werden, solange sicher gestellt ist, dass der Investitionszeitraum nicht länger als die Abschreibungsdauer ist.
Bei Unternehmen mit einem größeren Maschinenpark kann dieser Finanzierungseffekt auch zur Kapazitätserweiterung genutzt werden. Die Abschreibungssummen mehrerer gleicher Maschinen können genutzt werden, um eine weitere Maschine für diesen Maschinenpark anzuschaffen. Dadurch wird die aktuelle Kapazität erhöht, ohne dafür neue Mittel bereitstellen zu müssen. Dieser Effekt ist bekannt unter dem Namen „Lohmann-Ruchti-Effekt".
Das Kapital, das durch Abschreibungen für eine Neuanschaffung angesammelt wird, kann auf diese Art effizienter genutzt werden, als nur auf dem Girokonto auf die entsprechende Verwendung zu warten.
Autor: Florian Bliefert