Es ist nicht von ungefähr, dass die Welt voller wunderbarer Geschichten ist. An jeder Ecke lauern sie und fliegen von Mund zu Ohr und hin und her. Aus solchen Geschichten werden richtige Menschen geboren und lernen zu hören und sprechen. Ohne diesen Geist der Sprache würde der Mensch verkümmern und nichts verstehen - keine Zusammenhänge, keine Zeiten, keine Verbindungen. Verstehen aber macht den Menschen erst menschlich und freundlich. Das alte Reptilienstammhirn kennt nur fressen und jagen und herrschen und fortpflanzen. Das moderne Menschenhirn kann aber verstehen und über sich hinauswachsen.
Einst kam ein Mann ins Hotel Tirol und legte einen 100 Euroschein auf den Tresen. Er würde gern einmal die Zimmer sehen wollen, um in Bilde zu sein, und der Schein sollte sein Lohn sein. Der Direktor vom
Tirol Hotel war zwar überrascht, willigte aber ein und schickte einen Pagen mit dem Mann zur Besichtigung der Zimmer.
Kaum waren sie verschwunden, nahm der Direktor die 100 Euro und ging zum Fleischer, um eine Rechnung zu zahlen. Der Fleischer nahm das Geld und ging zum Bäcker, um seine Schulden zu begleichen vom Vormittag. Der Bäcker nahm den Schein und lief zum Juwelier, er hatte für sein Patenkind eine Silberkette erstanden und noch nicht bezahlt.
Der Juwelier schaffte die 100 Euro zu einer zwielichtigen Dame, die ihm einen gewissen Dienst verschaffte. Und die Dame rannte mit dem Geld ins Hotel Tirol, um den Rest der letzten Nacht zu begleichen. In diesem Moment kam der Gast herbei von seinem Rundgang, und vor dem Direktor lag noch der 100 Euroschein. Dieser bedankte sich und wird wohl nie erfahren, was ein Geldschein so alles anrichten kann, damit alle möglichen Schulden beglichen würden. Es sei denn, er hat von der Geschichte gehört, dass Geld ein gutes Tauschmittel sei und mehr nicht...