Whole-Body-Vibration
Aufgrund der Veränderung der demographischen Altersstruktur wird es in Kürze immer mehr Menschen geben, die an altersbedingtem Muskelschwund und den damit einhergehenden Folgen wie Leistungsabfall, Gelenkinstabilitäten und Mobilitätseinschränkungen leiden werden. Hier sind Medizin und Sportwissenschaft gemeinsam gefordert, effektive und funktionelle Trainings- und Therapieoptionen anzubieten, die dem altersbedingten Verlust von Muskelgewebe und -funktion wirkungsvoll entgegentreten können und auch therapeutisch einsetzbar sind. Hier bietet sich die Whole-Body-Vibration als eine innovative Trainings- oder Therapieoption an.
Dr. Frank Frebel von
medicalsportconsulting hat auf Einladung von Herrn Prof. Dr. Schieker am 28.9. 2010 im Osteologischen Schwerpunktzentrum (OSZ) der Ludwig-Maximilian-Universität in München einen Vortrag zum Thema "Whole-Body-Vibration als innovative Therapie-Option bei Sarkopenie" gehalten.
Unter den aufmerksamen Zuhörern waren u.a. der Klinikdirektor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik Prof. Dr. Mutschler, die leitenden Chefärzte des OSZ`s Prof. Dr. Schieker und Prof. Dr. Gärtner sowie der Oberarzt der Physikalischen Therapie Dr. Winkelmann.
In seinem Vortrag hat Herr Dr. Frebel zunächst die biomechanischen und physiologischen Grundlagen der Wirkungsweise mechanischer Schwingungsreize auf multiple Körpergewebe und Organe erläutert. Die positiven Wirkungen eines kontrollierten und wohldosierten Vibrationstrainings auf das Muskelgewebe sowie die neuromuskulären Parameter bzgl. Kraft, Koordination und Beweglichkeit sind mittlerweile anhand von zahlreichen Studien hinreichend evidenzbasiert nachgewiesen und eröffnen ein hohes Trainings- und Therapiepotenzial bei Muskelmassenverlust, Gelenkinstabilitäten und Kraftdefiziten.
Die Ursachen des altersbedingten Muskelmassenverlustes - der Sarkopenie - sind bisher unklar. Jedoch kann von einer Reduktion anaboler Stimuli bzw. einer geringeren Wirksamkeit dieser Stimuli ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang sind typische altersspezifische Effekte wie die Reduktion der nervalen Muskelansteuerung und der Typ-IIa/x-Faserpopulationen, die verminderte Proteinzufuhr sowie endokrine Prozesse wie z.B. ein Absinken der Testosteronkonzentration und HGH zu nennen.
In den letzten 10 Jahren hat das wissenschaftliche Interesse an den Wirkungen der Whole-Body-Vibration auf neuromuskuläre Parameter sprunghaft zugenommen, wobei ein Großteil dieser Studien an Senioren der Generation 60plus durchgeführt worden ist. Werden Vibrationsreize kontrolliert und in der richtigen Dosis appliziert, können deutliche Verbesserungen in der Muskelkraft, der Muskelmasse sowie der Gelenkstabilität erwartet werden. Durch das Auslösen von reflektorisch bedingten Muskelkontraktionen sowie der damit einhergehenden Durchblutungserhöhung können hochintensive Trainingsreize ausgelöst werden, die sonst nur mit deutlich größerem Aufwand erreicht werden können. Die Verletzungsgefahr ist aufgrund des Fehlens von Zusatzgewichten sowie der Tatsache, dass beim WBV-Training v. a. in der geschlossenen kinematischen Kette trainiert wird, äußerst gering, sodass auch eine hohe Compliance - insbesondere beim älteren Personenkreis - beobachtet werden kann.
Durch die enge funktionelle Verbindung zwischen Muskel- und Knochengewebe kann das Vibrationstraining als ein insgesamt sanftes, aber doch gleichzeitig effektives muskel- und osteoanaboles Training angesehen werden, was bei richtiger Anwendung nahezu nebenwirkungsfrei ist und insbesondere für ältere Personen eine sinnvolle Trainings- bzw. Therapiemaßnahme sein kann.
Die anwesenden Mediziner der Chirurgischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München waren in diesem Zusammenhang äußerst interessiert und werden über mögliche diesbezügliche Forschungsvorhaben in der nahen Zukunft diskutieren.
(Literaturliste beim Verfasser)
medicalsportconsulting, Dr. Frank Frebel