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Wer ist der Mensch neben mir?

Autor: MrNovus | Erstellt am: 08.08.2011 | Gelesen: 446
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: rateArateArateArateArateA
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(Online-Artikel.de) - Wie weit reicht unsere Menschenkenntnis? Gibt sie uns auch Einblick in das Seelenleben des Menschen, mit dem wir zu tun haben?

Besseres Erkennen durch einen Persönlichkeitstest.
Besseres Erkennen durch einen Persönlichkeitstest.
Es genügt uns Menschen in der Regel nicht, wenn unser Wissensstand über die uns umgebenden Dinge an deren Außenhülle endet. Schließlich sind wir vernunftbegabte Wesen, was zur Folge hat, dass uns auch die Hintergründe interessieren. Und auch, wie das Innere der Dinge beschaffen ist.

Und das nicht zu unrecht. Es bewahrt uns davor, übervorteilt zu werden. Wenn wir Lebensmittel kaufen, so möchten wir über die Inhaltsstoffe Bescheid wissen. Bei einem Computer über die CPU, den Arbeitsspeicher, die Grafikkarte. Bei einem neuen Auto über die Technik, das Zubehör. Und so weiter.

Nicht anders verhält es sich, wenn wir es mit Mitmenschen zu tun haben. Egal, ob man als Single auf Partnersuche ist, oder als Unternehmer einen neuen Mitarbeiter benötigt. Auch da möchten wir über das Innenleben des Menschen Bescheid wissen, zu dem wir eine nähere Beziehung oder ein kollegiales Verhältnis aufbauen wollen. Es widerstrebt uns, jemanden zu akzeptieren, und es erfüllt uns auch mit Misstrauen, wenn sich derjenige verschließt und damit sein Inneres verbarrikadiert.

Manche Personen bezeichnen sich als Menschenkenner und trauen sich zu, den Charakter und das daraus resultierende Verhalten einer Persönlichkeit aus seinem Äußeren und seinem Gebaren ablesen zu können. Und einigen dieser selbsternannten Menschenkenner kann man diese Fähigkeit auch wirklich nicht absprechen. Meist handelt es sich dabei um Angehörige der Berufsgruppen: Kriminalpolizei, Zoll, Finanzprüfer, etc. Also Arbeitsgebiete, wo die praktische Psychologie durch Erfahrung zur zweiten Natur wird.

Aber nachdem diese Fähigkeit nicht jedem zu eigen ist, auch Fehleinschätzungen nicht auszuschließen sind, benötigt man zum Erkennen eines Menschen Methoden mit denen auch jene zum Ziel kommen, die nicht zur Gruppe der Menschenkennern zählen.

Die Astrologie ist wahrscheinlich der älteste uns bekannte Versuch, Mitmenschen einer Gruppe zuzuordnen. Ein noch heute erhaltener Beleg dieser Theorie stammt aus dem vierten Jahrhundert vor der Geburt Jesus Christus, (Naos der Dekaden) was uns das Alter dieser Lehre verdeutlicht.

Die Astrologie; aus dem Griechischen und übersetzt: Die Sternenlehre oder die Sterndeuterkunst, hat in der heutigen Zeit nichts an Popularität verloren. Zumal sich manche Mitmenschen erhoffen, dadurch ihre eigene Zukunft mittels Horoskop einschätzen zu können.

Als etwas nüchterner kann man das Enneagramm bezeichnen. Es stammt ebenfalls aus weit zurückliegender Zeit. Über den Ort und den Zeitpunkt der Entstehung kann nur spekuliert werden. Vermutungen ziehen den jüdischen, christlichen, griechischen, islamischen, altbabylonischen, altägyptischen Kulturkreis in Betracht. Was ein ausreichend großes Feld für wissenschaftliche Kontroversen ergibt.

Der Name stammt auch aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie ennea = neun und gramma = der Buchstabe, oder das Geschriebene. Das esoterisch anmutende Symbol des Enneagramms besteht aus einem Neunstern, der von einem Kreis umschlossenen ist. Jedem Punkt, wo eine Sternzacke den Kreis berührt, ist eine Nummer zugeordnet, welche für eine der neun Grundeigenschaften steht. Diese wurden folgendermaßen bestimmt:
  1. Der Perfektionist: Gerne recht haben. Zuverlässig sein.
  2. Der Geber: Helfend, mitfühlend. Eventuell emotional instabil.
  3. Der Macher: Dynamisch, erfolgsorientiert.
  4. Der Individualist: Kreativ, sensibel, stimmungsabhängig.
  5. Der Forscher: Beobachtend, sorgfältig nachdenkend, den Durchblick suchend.
  6. Der Loyale: Pflichtbewusst, kritisch, ehrlich, ängstlich.
  7. Der Enthusiast: Optimistisch, humorvoll, unbesorgt.
  8. Der Herausfordernde: Selbstbewusst, stark, nach Macht strebend.
  9. Der Friedliebende: Zufrieden, gelassen, vermittelnd.

Viele der hier bezeichneten Menschentypen begegnen uns beim täglichen Umgang mit Kollegen, Freunden oder Verwandten. Die Klassifizierung hat bis heute nichts an Wert verloren, deshalb wird sie auch noch als Grundlage für Fragebögen angewendet.

Wesentlich moderner ist dagegen der Big-Five-Persönlichkeitstest. Auf deutsch: Fünf-Faktoren-Modell (FFM). Dieses Modell der Persönlichkeitspsychologie wurde in den 1930er Jahren von Louis Leon Thurstone, Gorden W. Allport und Henry Sebastian Odbert erdacht.

Paul T. Costa und Robert R. McCrae entwickelten dann das Modell weiter zu dem NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI), einen bis heute im Gebrauch stehenden internationalen Persönlichkeitstest. 1993 übersetzten schließlich Peter Borkenau und Fritz Ostendorf das NEO-FFI in die deutsche Sprache.

Dieser Test teilt die menschlichen Persönlichkeiten in fünf Gruppen, was schon aus seiner Benennung hervorgeht. Man unterscheidet:
  1. Emotionale Stabilität (Neurotizismus): Selbstsicher – unsicher.
  2. Extraversion: Zurückhaltend – leutselig.
  3. Offenheit für Erfahrungen: Kreativ – pragmatisch.
  4. Verträglichkeit: Nachgiebig – durchsetzend.
  5. Gewissenhaftigkeit: Sorgfältig – lässig.

Der NEO-FFI hat sich gegenüber den anderen, heute weniger bekannten Persönlichkeitstests am stärksten durchgesetzt. Er findet Anwendung als Aufnahmetest sowohl in Betrieben oder Ämtern, als auch in Singlebörsen, um dem Partnersuchenden geeignete Lebensgefährten oder Gefährtinnen vorzuschlagen. Wie beispielsweise bei www.ziel-partner.net ein kurzer, praxisorientierter Test ermöglicht, aus der Anzahl der angemeldeten Singles, passende Männer oder Frauen für Partner-Suchende zu selektieren. Grundsätzlich erweist sich der NEO-FFI überall dort als nützlich, wo eine Person mit einer bestimmten Eignung gesucht wird.

Eine gewisse Unsicherheit birgt natürlich jeder Test. Zum Teil spielt die Tagesverfassung der Probanden eine Rolle. Weiters das Bestreben, die Erwartungen des Testers zu erfüllen. Soweit die Fragen durchschaubar sind, wird beispielsweise ein Kandidat, der sich um eine Buchhalterstelle bewirbt, alle Fragen, welche die Gewissenhaftigkeit betreffen, sinngemäß so beantworten, dass der Eindruck von Sorgfalt und Genauigkeit entsteht. Und ein Personalchef, der einen Assistenten sucht, wird möglicherweise einen Kandidaten ablehnen, dessen Persönlichkeit bei der Auswertung als selbstsicher und durchsetzend erkannt wird. Ablehnen deswegen, weil er sich nicht einen Konkurrenten heranzüchten möchte.

Wird ein Persönlichkeitstest auch noch mit einem persönlichen Interview fortgesetzt, so kann mit gezielten Fragen und Beobachtung der Reaktion des Bewerbers festgestellt werden, ob der Test auch korrekt beantwortet wurde.

Die Körpersprache gibt während des persönlichen Gesprächs schon einige Details über die Charaktereigenschaften preis. Anzeichen, die auch für einen Laien erkennbar sind. Und auch die Mimik lässt sich nicht immer hundertprozentig kontrollieren. Das unbewusste Zucken eines Gesichtsmuskels nach einer Frage kann verraten, dass eine im Test abgegebene Antwort gemogelt war.

Wenn man also alle verfügbaren Werkzeuge zur Erkennung eines Menschen einsetzt, so kommt man am Ende doch zu einem ziemlich genauen Persönlichkeitsbild.

Dem Personalchef, oder dem Tester dem die Aufgabe obliegt, einen Bewerber möglichst exakt zu analysieren, kommt jede verbesserte Technik gerade recht, die ihm bei seiner Aufgabe hilft.

Auf der anderen Seite wecken diese Praktiken - verständlicherweise - ein gewisses Unbehagen. Wer lässt schon gerne sein Ego von einem Fremden scannen? Einen kleinen Rest von Geheimnissen behält jeder Mensch lieber für sich.

Karl Kotzina
 
 
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