Artikel-Recherche: Titel Beschreibung   Erweiterte Suche

Wenn Elfen Kreise ziehen

Autor: g-textpr | Erstellt am: 27.10.2009 | Gelesen: 1240
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: Unbewertet
PDF Erstellen PDF Erstellen | Drucken Drucken | An Freund Senden Versenden

(Online-Artikel.de) - In Rögnitz in Meckenburg Vorpommern trotzt man der Krise mit Kunst, Käse und dem Schutz aussterbender Haustierarten

Elfen
Elfen
In den Tagen der großen Wirtschaftskrise sind große Worte wohlfeil. Von einer Weltwirtschaftskatastrophe, die keinen historischen Vergleich zu scheuen braucht, und vom Ende eines ganzen Wirtschaftssystems ist da die Rede. Dann aber wieder hört man, dass die Krise auch eine Chance sei, und unsere Wirtschaft gestärkt aus ihr hervorgehen  werde. Wie es bisher ging, so kann es nicht weitergehen. Irgendwie muss es aber weiter gehen? Aber wie soll es weitergehen? In dieser ziemlich orientierungslosen Situation kann es  beruhigend, wenn nicht heilsam sein, sich alternative Formen des Lebens und Wirtschaftens genauer anzuschauen. Denn es gibt sie, diese anderen Formen. Und zwar nur etwa eine Autostunde von Hamburg entfernt, mitten im Biosphärenreservat Schaalsee. Die Geschichte von Ute Rohrbeck, Ines Bargholz und den Künstlern, die Anfang der neunziger Jahre den Aufbruch nicht nur in die Neuen Bundesländer, sondern auch in eine neues Leben gewagt haben, ist einerseits die Geschichte eines Ausstiegs aus herkömmlichen Formen des Lebens und Wirtschaftens. Aber es ist genau so die Geschichte darüber, wie Mut, Geduld und ein tiefempfundenes Vertrauen in das Leben selbst, zu einer echten Erfolgsstory geworden sind.

Die Geschichte von Kunst und Käse

Der Anfang dieser Geschichte ist schnell erzählt. Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung lassen sich die Theatermalerin Ute und ihr Mann Martin Rohrbeck, seines Zeichens Filmproduzent, von der allgemeinen Euphorie des Aufbruchs anstecken und fangen ein neues Leben als Ziegenkäseproduzenten an. Man will ganz etwas Neues ausprobieren und sich frei machen von Zwängen des hamburger Großstadtlebens. Einerseits. Andererseits, müssen aber auch die märchenhaft verwunschenen Landstriche um den Schaalsee ihre Wirkung gehabt haben. Während man anderenorts erst blühende Lanfschaften erschaffen wollte, fand man sie hier schon vor, wenn auch in einem etwas anderen Sinne. Von 1952 bis 1990 lagen weite Teile der Schaalseelandschaft im Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze. Nur durch diese Isolation konnte sich hier ein Stück unberührter Natur erhalten. Und in dieser Natur Haustierarten, die sonst kaum noch anzutreffen sind. Mit einigen dieser Tierarten leben die Rohrbecks heute in enger Symbiose. Dazu aber später mehr. Im alten Gutshaus Rögnitz finden die beiden Lebenskünstler 1994 ein neues Zuhause und machen sich an die Arbeit. Auch wenn der Publikumsstrom zu nächst ausbleibt, Ute Rohrbeck rührt die Milch ihrer hauseigenen Ziegen und kreeiert immer neue Käsesorten. Heute liegen in der Vitrine im Hofladen von Rögnitz Käsesorten, denen man ihre Küsntlerische Herkunft schon beim Namen anmerkt: Die „Dicke Liese", der „Blaue Künstler" - und der „Meckprom". Dieser prominentester aller Käse wurde auf eben diesen Namen getauft, weil er bereits internationale Prominenz erwarb, nämlich im Feinschmeckerland Italien, wo er einen offizellen Käsepreis erwarb. Seit 1994 arbeitet Ute Rohrbeck nach strengen Qualitätsprinzipien. Verwendung von Rohmilch aus der unmittelbaren Umgebung und eine traditionell handwerkliche Herstellung des Käses sind selbst gestellte Bedingung. Ebenso die artgerechte Tierhaltung. Und damit sind wir bei den vom Aussterben bedrohten Tierarten, mit denen man auf Gut Rögnitz eine regelrechte Symbiose eingegangen ist. Inzwischen ist auf dem Hof eine Ziegenzucht entstanden, die sich um den Erhalt von Ziegenarten kümmert, welche durch die industrielle Produktion, zunächst vom Markt verschwunden sind, und dann beinahe gänzlich aus ihrer Existenz gedrängt worden wären. Weil Ute Rohrbeck eben alles, was sie macht auf ihre ganz eigene Art und Weise macht, macht sie auch ihren Käse ausschließlich aus der Milch von den den seltenen Thüringer Waldziegen, den Walliser Schwarzhalsziegen, der Bunten Deutschen Edelziege und der Gemsfarbigen Schweizer Gebirgsziege. Nach nunmehr über 10 Jahren ist aus dem Aussteigerprojekt ein tragfähiger Öko-Betrieb entstanden. Heute beschäftigt Ute Rohrbeck zwei Mitarbeiterinnen und kann sich der Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Ideen widmen. Aber nicht nur diesen. „Letztendlich ist es Regionalentwicklung, was ich hier mache." Sagt Ute Rohrbeck.

Eine Geschichte zieht Kreise

Bis hierher ist es die Geschichte eines glücklichen und erfolgreichen Ausstiegs, bzw. Umstieg aufs Landleben. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte. Und diese Geschichte ist nicht vollständig, wenn man nicht wenigstens ein paar der Kreise, die Ute Rohrbecks Wirken in der ganzen Region gezogen hat, beschreibt. Zunächst ist der Käse lange nicht alles, was es auf Gut Rögnitz zu entdecken gibt. Der Hofladen auf Gut Rögnitz ähnelt fast einer Schatzkiste. Und das liegt daran, dass hier eine ganze Reihe von weiteren künstlerischen Individualisten, die auf und um Gut Rögnitz tätig sind, hier Ihre Werke anbieten. Das ist Dodo von Klodt, die bei einem Bauern aus der Region einen uralten Webstuhl aufstöbert hat und sich seit dem der Faszination der Webkunst nicht mehr entziehen kann. Mittlererweile hat sie diese Tradition zur Perfektion weiterentwickelt und stellt wunderschöne und hochwertige Schals und Decken aus Naturmaterialien her.

Auch ganz großes Kino ist durch die Rohrbecks nach Rögnitz gekommen. Im Jahre 2006 drehte Detlef Buck hier „Hände weg vom Missisipi", dem wahrschenlich ersten und einzigen Film der jemals von einer namhaften Berliner Zeitung mit der „Goldenen Ähre", dem Preis für den Film mit der besten Ökobilanz ausgezecihnet wurde.

Und dann ist da Matthias Bargholz, der seit kleinauf mit seinen inneren Visionen lebt und einen spirituellen Zugang zu "Zwischenwelten" hat, die er ab einem bestimmten Zeitpunkt nach außen sichtbar machen konnte. Seine Bilder zeigen Elfen, Nymphen, Kobolde und Propheten. Und Elfen, oder wenigstens Wesen mit Zaubekräften, scheinen in dieser Umgebung ja tatsächlich heimisch zu sein.

Die Elfenschule

Das weiß niemand besser als Ines Bargholz, eine alte Weggefäftin der Rohrbecks in Rögnitz und Gründerin der sogenannten Elfenschule. Eigentlich ist Ines Bargholz Porzelandesignerin. Aber die Gegend um den Schaalsee scheint die Menschen, die herkommen, zu verändern. Oder vielleicht kommen die Menschen auch her um sich zu verändern. Eigentlich hatte Ines Bargholz in der Meissener Porzellanmanufaktur Porzellanmalerei gelernt. Dann jahrelang als Gebrauchsgraphikerin sehr viele kreative Kompromisse machen müssen - bis es ihr reichte und sie kurzerhand in einem alten Reedgedeckten Pfarrhaus mit ihrem Mann, dem Künstler Matthias zusammen eine Galerie eröffnete. Durch die Intensität der Landschaft, in der sie nun lebte, fand Ines Bargholz zu einer neuen, zu ihrer ganz eigenen Kunstsprache - und zu ihrem ihr Material: Blütenblätter. Mandalas, Kollagen und Bilder von Elfen aus bunten, fragilen Blütenblättern. Aber es reichte ihr irgendwann nicht mehr, dass was sie sah und empfand nur bildnerisch auszudrücken, sie wollte, dass auch andere Menschen die Wunder, die sie selbst wahrnahm, zu sehen. Heute führt sie angemeldete Gruppen durch die Märchenlandschaft des Biosphärenreservates am Schaalsee und lehrt die Teilnehmer der Elfenkurse, was es bedeutet, mit offenen Augen durch eine verzauberte Lanschaft zu gehen. Man muß übrigens nicht unbedingt ein ausgeflippter esotherischer Spinner sein, um an einem Elfenwochenende teilzunehmen. Ines Bargholz erzählt nicht ohne Stolz, dass sie regelmäßig auch Ärtze und Justizbeamte durch die märchenhafte Landschaft geführt hat - und auf den ein oder anderen Elf aufmerksam machen konnte.

Nur wer es nicht gesehen hat...

Aus der Perspektive eines Menschen, der wirtschaftskrisenbedingt – oder auch sonst – täglich um seinen Job, sein Fortkommen, ja um sein täglich Brot bangen muß, kann allen, was diese komischen Aussteigertypen da in Rögnitz geschaffen haben, nur klingen wie ein Märchen. Diese komische Entscheidung einer Theatermalein und ihres Mannes damals, hat Kreise gezogen, die man in ihrer Unübersichtlichkeit und Lebendigkeit wohl als einmalig bezeichnen muß. Und obwohl Rögnitz und seine Ungebung perfekt sind für einen Wochenendausflug von Hamburg aus, zwei Tage reichen nicht! Gott – oder den Elfen – sei Dank: In den Zimmer auf Gut Rögnitz kann man es auch viel länger aushalten!

Kontakt:
Ute Rohrbeck
Hauptstrasse 18
19205 Rögnitz

Tel.: 038853 - 33533
www.schaalsee-ferienwohnungen.de
 
 
Geno Sponsoring
Social Bookmark

Artikel Bewerten:  Schlecht Artikel ist Schlecht 1 2 3 4 5 Artikel ist Sehr Gut Sehr Gut  
Zuletzt gelesene Artikel in der Kategorie Kunst - Kultur & Religion:
Das Office of Special Affairs (OSA) der Scientology-Kirche
Auftragspilger auf dem Jakobsweg in Spanien
Dao, Stoa, Zen(-Buddhismus) und Sufismus (Islam). (94)
Casa Asia in Barcelona
'... so hoch - so weit!'*
Dalí bei Nacht mit der Familie entdecken
L. Ron Hubbard Serie: Eine vollständige biografische Enzyklopädie
Zuerst nachdenken und dann...

comment Kommentare von Besucher !

Noch kein Kommentar zu Artikel “Wenn Elfen Kreise ziehen”







Top | rss   
Designed by A2D Webdesign Agentur | Media-Netzwerk: MyPress World | MyPress DE | MyPress CH | MyPress AT | Online Article
OA-Services: Online PR-Blog | Webreporter | Know-How | Jobs & Stellenanzeigen | Presseportal | News | Branchenbuch

Copyright 2008 © Art2Digital InterMedia Solutions | ICRAchecked | Creative Commons License.