Wer sich länger ernsthaft mit dem Thema Wein auseinander setzt, sollte dies nicht nur mit den einschlägigen Weinführern im stillen Kämmerlein tun. Eine viel geselligere Art, guten
Rotwein und Weißwein kennen zu lernen, sind
Weinproben. Meist werden diese von Weinhändlern vor Ort angeboten. Viele haben inzwischen eine Internetpräsenz, auf denen die einschlägigen Daten vorgemerkt sind. Es kommt allerdings nicht selten vor, dass die Plätze limitiert sind, und man sich relativ früh anmelden muss. Für solche Fälle ist es immer eine gute Idee, sich auf der Mailingliste des Händlers einzutragen, um früh genug von solchen Events zu erfahren.
Oft sind diese Weinproben umsonst, gerade wenn neue Weine ins Sortiment genommen worden sind, die der Weinhändler seinen Kunden vorstellen möchte. Meist kann man diese vorab erfragen, und sich schon mal kundig machen hinsichtlich Anbaugebiet und Winzern. Ein informierter Gaumen genießt den Wein ja oft umso mehr, und man hat dann auch schon einen guten Eindruck hinsichtlich der Preiskalkulation. Sollte die Weinprobe allerdings nur gegen einen kleinen oder größeren Unkostenbeitrag stattfinden, ist das überhaupt kein Grund, Abstand zu nehmen – ganz im Gegenteil! Es bedeutet nämlich meist, dass Tropfen auf den Tisch kommen, die man sich im Restaurant aufgrund des Flaschenpreises vielleicht nicht bestellen würde, oder die so relativ rar sind, dass man sie so schnell nicht wieder wird verköstigen können. In jedem Falls ist die Wahrscheinlichkeit, bei solchen Gelegenheiten auf eine preiswerte Weise zu einem exquisiten Weingenuss zu kommen, recht hoch – vor allem, wenn es sich um Rotweinverkostungen älterer Jahrgänge handelt.
Eine ausgefallene Art der Weinprobe, und eine ausgezeichnete Gelegenheit, auch andere Familienmitglieder von der Faszination des Weintrinkens zu überzeugen, sind Kurzreisen in Weinanbaugebiete. Viele Winzergenossenschaften bieten inzwischen in Kooperation mit Hotels oder dem hauseigenen Pensionsbetrieb Wochenendtrips oder ganze Urlaube an. Für kürzere Reisen empfehlen sich die malerischen deutschen und österreichischen Weingegenden. Vor allem an deutschem Rotwein ist in den letzten fünfzehn Jahren Erstaunliches auf den Markt gekommen. Im Sommer sind natürlich auch die spritzigen Weißweine bei Frauen sehr beliebt. Besonders spannend: Auf einer Fahrt mehrere Winzer besuchen, und die verschiedenen Anbau- und Keltertraditionen vergleichen. Das ist nochmal so interessant, wenn junge, experimentierfreudige Önologen genauso dabei sind wie langjährig erfahrene Weinbauern. Ein besonderes Schmankerl für alle, die sich auch für Nachhaltigkeit und alternativen Anbau interessieren: biologischer Weinbau. Hier gibt es noch viele überraschende Rotweine und Weißweine zu entdecken, die man erst recht mit bestem Gewissen genießen kann.
Natürlich kommt man von so einer Weinreise – ob sie nun in heimischen Gefilden stattgefunden oder bis nach Frankreich oder Spanien geführt hat – mit vielen Eindrücken und einigen guten Tropfen zurück. Was also läge näher, als gute Freunde und Weingourmets zu einer privaten Weinprobe in die eigenen vier Wände einzuladen? Eingebunden in einen kleinen Reisebericht, unterstützt von Fotomaterial, und abgerundet von frischem Baguette und einer schönen Käseplatte erlebt man so die Reise selbst noch ein zweites Mal.
Michael Bilger