Wein - Irrtümer und Mythen
Ob Vino, Vin, Viini, Wine, Wayn oder Vinum - der Name des edlen Rebensaftes klingt fast auf der ganzen Welt gleich.
Wein, die Gabe der Götter, ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Unzählige Mythen, Irrtümer und Legenden ranken um den Wein.
Die Geschichte um die Kunst der Herstellung dieser edlen Tropfen reicht bis 6000 v. Chr. zurück. Im antiken Persien nahm der Weinanbau seinen Anfang. Wein wird seit jeher gleichgesetzt mit Kultur, Sinnesfreude und Lebensgenuss. Seit alters her dient Wein als Arznei und willkommenes Getränk für besinnliche Stunden und fröhliche Feste. Lieder werden auf ihn gesungen, und er wird seit Jahrtausenden religiös verehrt.
Der Saft der Reben ist heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Nicht nur Spanien, Frankreich und Italien verstehen sich im Weinanbau. Wer hätte gedacht, dass China und die USA zwei der vordersten Plätze beim Weinanbau belegen. Die neuen Weine werden immer etwas argwöhnisch betrachtet.
Irrtum Nr. 1: Um Wein richtig genießen zu können, brauchen Sie Fachwissen!
Nein, diese Befürchtung wird zu Unrecht gehegt. Sie müssen kein Weinkenner oder Fachmann sein, um einen leckeren Tropfen genießen zu können. Erfreuen Sie sich an der Vielfalt der Weine, und bald werden Sie auch Ihre Lieblingssorten finden. Dazu gehört kein Fachwissen, dazu müssen Sie einfach ganz viel probieren.
Irrtum Nr. 2: Auf den Jahrgang kommt es an!
Ein Jahrgang besagt leider überhaupt nichts über die Qualität eines Weines. In einem Jahrgang werden Tausende von Weinen erzeugt; jeder Wein schmeckt anders.
Irrtum Nr. 3: Je älter ein Wein ist, umso besser schmeckt er!
Alle angebotenen Weine können sofort genossen werden. Eine zusätzliche Lagerung ist nicht erforderlich und auch gar nicht sinnvoll. Nur die wenigsten Weine schmecken durch eine lange Lagerzeit besser; es sind gerade mal 3 bis 10 % aller Weine. Spätestens nach ein bis zwei Jahren sollte ein „herkömmlicher" Wein getrunken werden. Eine längere Lagerzeit würde seinen Geschmack sogar negativ beeinträchtigen. Weine höherer Qualität haben immer die Angabe der Lagerfähigkeit – gute Weinhändler weisen dies aus.
Irrtum Nr. 4: Ein junger Weißwein ist besser und bekömmlicher als ein älterer Weißwein!
Auch das ist ein Irrtum: Das Alter des Weines ist auch hier kein Qualitätsmerkmal. Von allen Weinen ist der etwas ältere Weißwein der bekömmlichste.
Irrtum Nr. 5: Die besten Weine stammen aus den französischen, spanischen und italienischen Anbaugebieten!
Das stimmt so nicht; auch Weine aus anderen Gegenden und Kontinenten können erstklassig sein und hervorragend schmecken.
Irrtum Nr. 6: Die alten Rotweine schmecken am besten!
So pauschal kann man das wirklich nicht sagen. Die älteren Rotweine sind nur etwas teurer. Ein jüngerer Rotwein kann dennoch besser schmecken als ein älterer.
Irrtum Nr. 7: Je teurer ein Wein, umso besser!
Nein, Blindverkostungen haben bewiesen, dass die günstigeren Weine als die besseren eingestuft wurden. Der Preis eines Weines besagt nichts über seine Qualität.
Irrtum Nr. 8: Ein Korken ist ein sicheres Zeichen für die gute Qualität des Weines!
Dieser Irrtum hat sich leider recht lange gehalten. Der Korken besagt nichts über die Qualität des Weines. Er kann den Geschmack des Weins sogar negativ beeinträchtigen. Beim Schraubverschluss kann der volle Geschmack des Weines gewährleistet werden. Außerdem lässt sich eine Weinflasche viel leichter öffnen.
Irrtum Nr. 9: Männer sind die untrüglichen Weinkenner!
Ganz gewiss nicht. Längst ist bekannt, dass die Frauen die besseren Weinkenner sind, weil sie ein viel feineres Geschmacksempfinden haben und die Unterschiede der jeweiligen Weine viel besser wahrnehmen können.
Irrtum Nr. 10: Die Männer sind die richtigen Weintrinker
Das ist leider auch nicht richtig. Eine repräsentative Umfrage der „Apotheken Umschau" ergab, dass sich Frauen gegenüber den Männern viel öfter ein Gläschen Wein gönnen. In dieser Umfrage gaben 9,3 % der Frauen an, regelmäßig Wein zu trinken; bei den Männern waren es nur 7,6 %.
Irrtum Nr. 11: „Bier auf Wein, lass' das sein!"
Dieser Spruch hält sich seit Jahrhunderten hartnäckig. Er geht zurück ins Mittelalter, als dem armen Volk bestenfalls das Biertrinken vorbehalten war und der Wein als ein Privileg der gehobenen Bevölkerungsschichten galt. Wer sich damals einen Schoppen Wein leisten konnte, vermied es natürlich, zusätzlich billiges Bier zu trinken.
„Wein auf Bier, so rat' ich Dir!", heißt es weiter. Die meisten verstehen heute damit, dass es durchaus verträglicher ist, zuerst Bier und dann Wein zu konsumieren. Ein tüchtiger Kater am anderen Morgen ist die Quittung für diese irrtümliche Sinnesfreude.
Und jetzt genug der Theorie - holen Sie sich ein gutes Glas Wein und genießen Sie den Rebensaft.
Katja Nasser