Das Gemälde von Hans Holbein dem Älteren (um 1465 Augsburg -1524 Basel oder Isenheim) mit dem Titel die „Darbringung Christi im Tempel" (1500) hat einen Wechsel in seiner Aufstellung von einem Altarbild in der Frankfurter Dominikanerkirche hin zu einem Kunstwerk in der Hamburger Kunsthalle erlebt. Es wurde 1500 von Hans Holbein d. Ä. für den Hochaltar der Dominikanerkirche in Frankfurt am Main angefertigt als ein Werk in Tempera und Öl auf Buchenholz in dem Format 167 x 151,2 cm.
Das gesamte Altarwerk umfasste 16 Tafeln ohne die vier der Predella, d.h. 20 Tafeln und ein ursprüngliches Altarbild oder Schrein (s.Anm.5) als Mittelteil von 3,34 x 3,04 m. 16 Bildtafeln hatten das Format der Tempeldarstellung (mit mm Abweichungen). Sie wurden von Hans Holbein d.Ä. und seiner Werkstatt innerhalb eines Jahres angefertigt. Der Flügelaltar im geöffneten Zustand hatte ein Ausmaß von über sieben Metern Breite und vier Metern Höhe. Wie bei der Kulisse eines Schauspiels war in dem 53,60 m langen Kirchenraum die Sichtbarkeit gewährleistet. Nach über 500 Jahren befinden sich die vier Außentafeln (aus Fichte), sieben der Passion Christi (Grablegung verschollen) und die der Predella im Städel, die Darbringung im Tempel in der Hamburger Kunsthalle, der Tod Mariae und das Fragment der Verkündigung im Kunstmuseum Basel, der Marienkopf der Verkündigung ist seit 1951 im Toledo Museum of Art in Toledo und das Fragment Kopf Mariens der Geburt Christi in Londoner Privatbesitz. Die Grablegung Christi und das zugehörige Fragment mit der Darstellung Johannes und zweier Marien sind verschollen. [1]
Bei diesem Altarretabel handelte es sich um einen zweifachen Wandelaltar, ein Pentaptychon. Er hatte zwei Außenflügel und zwei Innenflügel. Dies erforderte aufwendige Scharnier Vorrichtungen des Flügelaltars: "Bei der vierflügeligen Version sind die beiden Außenflügel mit Scharnieren an den Innenflügeln befestigt oder Innen- und Außenflügel am Altar." Die Flügel von Holbeins Altartafeln waren "ursprünglich meist doppelseitig bemalt und später gespalten". [2] Die geschlossene Alltagsseite verschloss den Innenteil völlig. Auf den vier Außentafeln war in Anlehnung an die Tradition der Stammbaum Ikonographie der Theogonie, der Götterabstammung und dem daraus abgeleiteten christlichen Bildthema der Wurzel Jesse auf den beiden Tafeln des linken Flügels: Der Stammbaum Christi, auf denen des rechten Flügels: Der Stammbaum des Dominikanerordens dargestellt. Diese vier Tafeln befinden sich heute im Städel in Frankfurt.
1, 2: Stammbaum Christi
3, 4: Stammbaum Dominikanerorden
Zu den Darstellungen der Predella mit der Passions Vorgeschichte:
Einzug in Jerusalm, Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel, Abendmahl,
Fußwaschung, Gebet am Ölberg/Gethsemane [3]
wurde beim Öffnen der Außenflügel, der ersten Wandlung thematisch passend die Passion Christi mitgeteilt:
5: Gefangennahme Christi
6: Christus vor Pontius Pilatus
7: Geißelung Christi
8: Dornenkrönung Christi
9: Ecce Homo
10: Kreuztragung
11: Auferstehung
12: Grablegung Christi
Altmann weist daraufhin, dass er mit den blau-weißen Farben des Schergen der Passionstafeln die Feindschaft zwischen Augsburg und München anspielt. Eine künstlerische Raffinesse in Richtung Karikatur. Holbein lässt seinen Pinsel die Kritik ausüben. Holbeins Darstellungen sind die bildlichen Umsetzungen der zeittypischen Mysterienspiele mit den Tafeln der Predella als Präludium.
"Das Ganze war ein in bildliche Darstellung übersetztes Passionsspiel zu welchem die Sockelbilder gleichsam als Prolog dienten, denn die Altarwerke schlossen sich, wie Springer in seinen Ikonographischen Schriften (Anm.: Mittheilungen der K.K. Centralcommission, Wien, 1860) bewiesen hat, in Stoff und Anordnung ganz an die geistlichen Dramen und Mysterien an. Und so sind denn die einzelnen Darstellungen oft nicht sowohl wirkliche Handlungen als vielmehr Schauspielscenen, in der ehrlich gemeinten burlesk-übertriebenen Weise, wie sie Herkommen und Volksgeschmack verlangen. Dies ist ein Gebrauch der Zeit, dem sich der Künstler nicht entziehen kann, aber in manchem einzelnen verräth sich schon eine selbständige Beobachtung des Lebens, und in den heiligen Personen ein feines, edles Gefühl. Holbein's Christusgestalt kommt Schongauer's Bildern des Heilandes Sanftmuth und hoher Milde nahe. Aber während diese Gestalt ihr ideales Gepräge bewahrt, geht bei den übrigen der derbe Realismus oft über alles Mass. Die wilden Schergen und Kriegsknechte sind grösstentheils in die bairischen Farben, blau und weiss, gekleidet, ein Scherz, den sich der Maler, in seiner Abneigung gegen die bösen Nachbarn Augsburg's, öfters erlaubt. Auf der Gefangennehmung ist die ruhige Duldermiene Christi, seine leidenschaftslose Klarheit in dem Momente, da der Verräther ihn küsst, schön und ergreifend. Nebst diesem Bilde befanden sich auf den Aussenseite: Christus vor Kaiphas, Geisselung und Dornenkrönung. Die Innenseiten enthielten links Eccehomo und Kreuztragung; auf letzterer steht an Stelle des Simon von Cyrene ein Dominikanermönch dem Heiland bei. Rechts folgte eine nicht mehr vorhandene Darstellung der Grablegung; den Schluss bildet die Auferstehung. Das Schnitzwerk des Mittelschreines zeigte offenbar den Erlöser am Kreuze. Originalzeichnungen zu all diesen Passionsscenen mit Ausnahme der Dornenkrönung, dagegen auch zu der verlorenen Grablegung befinden sich im Baseler Museum." [4]
Nach der zweiten Wandlung wurde der Blick auf den Mittelteil und Szenen des Marienlebens frei gegeben:
Die verschollene Mitteltafel stammte aus dem Jahr 1496. Holbein erweiterte das Altarbild vier Jahre später zu einem Retabel. [5]
13?: Von der Verkündigung an Maria (167 x 151,2 cm) ist nur das Fragment (36,5 x 26,5 cm, Tannenholz mit Tannenholz aufgedoppelt) des Engelkopfes in Basel erhalten. [6]
14: Darbringung im Tempel (Hamburger Kunsthalle)
15: Geburt Christi [7]
16: Tod Mariae (seit 1903 Kunstmuseum Basel) [8]
Die Bildthemen fertigte Holbein vermutlich nach einem vorgegebenen Konzept an. Mitunter hatte der Künstler ein Mitspracherecht.
Zu Holbeins Gehilfen zählten sein jüngerer Bruder Sigmund Holbein(um 1470 Augsburg– 1540 Bern; Maler) und Leonhard Beck (um 1480 Augsburg - 1542 Augsburg; Maler, Holzbildhauer). Es handelte sich um eine Auftragsarbeit, die Holbein von Augsburg in das 350 km entfernte Frankfurt am Main führte."Auf der Rückseite des Schreins in der lateinischen Inschrift (nannte er sich) ausdrücklich Hans Holbein von Augsburg." [8 ] Ab 1683 wurde es in dem dazugehörigen Kloster aufbewahrt, vermutlich da ein neuer barocker Hochaltar aufgestellt wurde. 1752 erfolgte die Spaltung der Vorder- und Rückseiten der Flügel durch einen Laienbruder Fr. Dominicus Seitz. [10] 1803 wurde die Dominikanerkirche säkularisiert. Um 1880 gelangte die Darbringung im Tempel in den Kunsthandel Bourgeois in Köln. Eine Zeit lang befand sich dieses Gemälde in Pariser Privatbesitz. Zeitweise zählte es zu der Sammlung Eduard F. Weber in Hamburg. Von Samstag, den 17. Februar bis Montag, den 19. Februar 1912 gehörte es zu dem Exponaten der Galerie-Weber Ausstellung und konnte von 10 bis 14 Uhr besichtigt werden. Die Versteigerung dieser Sammlung fand in dem Berliner Kunst-Auktionshaus Rudolph Lepke vom Dienstag, den 20. bis 22. Februar 1912 ab morgens 10 Uhr statt. Die Sammlung umfasste internationale Gemälde des 14. bis 18. Jahrhunderts von ca. 389 Künstlern, darunter Peter Paul Rubens und Lucas Cranach. [11] Als Nr. 3 wurde das Werk von der Hamburger Kunsthalle erworben. [12] Zu dem heutigen Ausstellungskonzept der Kunsthalle gehört der Hinweis, dass diese Tafelein Fragment eines größeren Kunstwerks ist.
Ortswechsel und Folgen
Der Wandel in Bezug auf die Funktion eines solchen Bildes besteht darin, dass die musealen Werke keine religiöse Funktion mehr erfüllen müssen, sondern als Zeugen der künstlerischen Vergangenheit und als Mosaiksteine eines kunstgeschichtlichen Überblicks fungieren. Sie vermitteln die Geschichte der Kunst, dienen als Zeitzeugnisse, überliefern Stilepochen, Kunst- und Bildgattungen, Maltechniken und Eigenheiten des betreffenden Künstlers.
Somit bewirkt die Aufstellung von Kunstwerken in Museen, dass ihr kunstgeschichtlicher Wert an erster Stelle steht und ihre religiöse Funktion entfällt. Der Künstler, sein Werk und seine Fähigkeiten werden gewürdigt. Ihre kunstgeschichtliche Einordnung, der Vergleich im Zusammenhang mit anderen musealen Werken und eine objektive Betrachtung sind möglich.
Ihr Ortswechsel hat den Wandel von einer religiösen zu einer kunstgeschichtlichen Belehrung zur Folge. Gleich geblieben ist ihre Funktion als anschauliche Bebilderung.
Im Mittelalter z.B. hatten die Künstler kaum andere Möglichkeiten sich künstlerisch zu betätigen als mit religiösen Themen ihre Kunst zum Ausdruck zu bringen. Im Museum erfährt diese Kunst ihre Würdigung. Die museale Aufstellung erreicht, dass die Funktion des Bildes nicht mehr der doktrinären Anbetung der religiösen Thematik unterliegt.
Die museale Funktion dieser Darstellung eines Historienbildes mythologischen Inhalts ist die zeittypische Kunstfertigkeit des Malers abzulesen. Das Kunstwerk wird zum Spiegel der Gesellschaft zur Zeit von Hans Holbein d.Ä. und vermittelt dem Betrachter die Wahl der Themen und zum Teil die spätmittelalterliche Kleidung um 1500 mit Kastorhut, dem Vorläufer des Zylinders, Hennin und hoher Wulstfrisur der burgundischen Mode.Es teilt mit auf welche Weise und mit welchen Mitteln den Menschen eine 1500 Jahre zurück liegende Erzählung vermittelt wird.
An dem Bild lässt sich die Einstellung der Zeit ablesen. Überwiegend sehen wir reine Gewandfiguren. Die Körperlichkeit wird unter den Gewandfüllen versteckt. Nur vage tritt sie an den beiden weiblich modisch gekleideten Assistenzfiguren, die Tiere zum Schlachten tragen, zu Tage.
Die Hände von Joseph in der Kleidung seiner Lebzeit mit langer Tunika und Mantel sind zu klein. Ebenso die Darstellungen der Vögel, es sei denn es handelt sich um Zwergtauben. Die anatomische Korrektheit der Renaissance hat noch nicht Einzug gehalten. Sie sind der spätmittelalterlichen Auffassung der Form noch verhaftet. Dass Holbeins Körperlichkeit auch um 1516 zu wünschen übrig lässt, veranschaulicht sein Martyrium des hl. Sebastian. Hans Holbein ist ein Künstler der Spätgotik, der den Fortschritt der Renaissance vereinzelt in seinen Werken aufgreift.
Ehemalige Funktion
Die Bilder führten den Menschen vor Augen wie sie sich zu verhalten hatten. Der belehrende Charakter von diesem Bild wurde in der thematischen Zentralfigur des mit einem Kreuznimbus und segnenden Jesusknaben deutlich. Jesus soll als der Messias angesehen werden. Die Gläubigen, Nicht-Wissenden, sollen es Simeon, dem jüdischen Hohen Priester [13] gleich tun. Das auch Hanna dies erkennt, lässt Holbein außer Acht. Auch hierin ist ein zeittypischer Aspekt abzulesen.
Die Ikonographie dieses Werkes besagt ferner, dass die Mutter Maria infolge der Geburt unrein ist und zu ihrer Reinigung Tiere getötet werden. Infolge dessen erscheint sie in einem weißen Mantel. Diese Einstellung und Aussage führt der Künstler den Menschen vor Augen. Vermarktet in Form von festlichen Feierlichkeiten, erhabener Architektur und Gewändern.
Da es sich bei der Ansicht nach der zweiten Wandlung um eine Darstellung des Lebens Mariens handelt, hat der Künstler sie auffallend weiß gekleidet und in der Bildmitte platziert. Anstelle der mittelalterlichen Bedeutungsgröße setzt er die Farbperspektive. Die kräftige weiße Farbe als Bedeutungsträger der Mariendarstellung. Auf diese Weise klingt die mittelalterliche Bedeutungsgröße in der „Weißhöhung" Mariens an.
Die Synagoge als romanischer Kirchenbau mit hebräischer Schrifttafel [14] soll eventuell aussagen, dass es sich um eine vergangene Architekturform handelt entsprechend der überholten Weltanschauung. Holbein befindet sich im Wechsel von der Spätgotik zur Renaissance. Sein Werk stellt den Übergang dar. Im Gegensatz zu seinem Bild Tempelgang Mariae des Weingarteneraltars 1493 setzt Holbein 8 Jahre später die Luftperspektive ein. Das Aufkommen der Renaissance ist bei der Darstellung Christi im Tempel an einzelnen Physiognomien mit Porträtzügen zu erkennen, einem genrellen Charakteristikum von Holbein: Die Darstellung zeitgenössischer Gesichtszüge. Das Bild gehört zu seiner zweiten Schaffensperiode mit präziser Form- und Farbgebung, feingliedrigen zuweilen "gezierten" Darstellungen im Vergleich zu seiner ersten mehr "derberen" und seiner dritten realen bis idealisierenden Form.
Perspektivische Mittel
Zur Suggestion von Räumlichkeit, der Darstellung von Dreidimensionalität auf einer zweidimensionalen Fläche setzt Holbein perspektivische Mittel ein. Holbein hat die Luft- und Farbperspektive angewandt. Der eher blasse Braunton der Architektur unterstützt ihre Darstellung als Hintergrund. Bei dem Blick aus dem Raum setzt er einen Vergräulichungseffekt à la Leonardos Sfumato für die Luftperspektive ein und eine schwächere Farbintensität für die Farbperspektive. Mit kräftigeren Farben gestaltet er den Vordergrund. Das räumliche Sehen unterstützt die Farbperspektive. Kräftige Farbtöne suggerieren Nähe, blasse Ferne.
Zudem wendet er die Zentralperspektive an. Alle im Bild parallelen Linien schneiden sich jeweils in einem Fluchtpunkt auf der Horizontlinie. Die in den Außenraum führende Tür gibt er in starker Verkürzung wieder.Der Arkadenfries verjüngt sich und suggeriert auf diese Weise einen Tiefenraum. Diese Staffelung von gleichen Objekten, deren Größe sich stetig verringert, ist ein beliebtes Motiv um Raumtiefe zu erzeugen. Der Fries ist wie eine Fortsetzung der dreier Reihung von Joseph und den beiden Assistenzfiguren. Sein Sehpunkt befindet sich in dem Blick der dritten Figur von rechts mit auffallender Hutkrempe. Es ist derjenige, der als einziger Blickkontakt zum Betrachter aufnimmt und ihn ins Bild einführt. Auf diese Weise zeigt sich Holbeins Ausgewogenheit der Komposition. Der Blockaltar wird dreidimensional erfasst. Durch Überschneidung der dargestellten Personen und Objektemit Verringerung der Farbintensität bewirkt er Räumlichkeit.
Um auf einer zweidimensionalen Fläche einen dreidimensionalen Raum zu suggerieren, werden Personen und Objekte, die weiter entfernt sind entsprechend dem realen Sehen kleiner dargestellt. Diese perspektivische Verkürzung ist eine Grundmethode der Zentralperspektive. Mit Hilfe einer mathematischen Konstruktion erzeugt die Zentralperspektive einen dreidimensionalen Raum. Es entsteht ein Illusionsraum. Dem Betrachter wird ein Ereignis wie real vor Augen geführt. Um eine einheitliche Sehweise beziehungsweise Darstellungsform zu erhalten, dient der natürliche Sehpunkt, der Fluchtpunkt, in dem sich alle parallel in den Raum führenden Linien schneiden. Dieser Augenpunkt bestimmt den Blickpunkt des Betrachters.
Farbsystem
Ein solcher Detailreichtum und eine derartige Stofflichkeit sind mit dem Farbsystem der Ölfarbe möglich. Da sie langsamer trocknet, ist eine mühevolle Feinarbeit durchführbar. Bei ihrer Trocknung vollzieht sich eine Oxidation. Dabei verbinden sich die ungesättigten Fettsäuren der Öle mit Sauerstoff. Als Öl wird üblicherweise Leinsamenöl, das Leinöl, aber auch Öl aus Wallnuss-Samen und Öl aus Mohnsamen eingesetzt. Ein wesentlicher Vorteil der Ölfarbe ist ihre Unveränderbarkeit des Farbtons. Die Ölmalerei ist eine der beliebtesten Malweisen für die Ausführung einer Tafelmalerei. Bei dem öligen Farbsystem werden terpentinhaltige Verdünner, Malmittel und Lösemittel verwendet. Heut zu Tage ist ein synthetischer Ersatz möglich. Terpentinöl bewirkt eine flüssige Führung des Pinsels. Es dient der Verdünnung. Öl als Bindemittel unterscheidet das Farbsystem der Ölmalerei von den Farbsystemen mit Wasser als Bindemittel, das bei Aquarell-, Tempera-, Acryl und Gouache-Malerei eingesetzt wird.
Die Pigmentdichte bestimmt die Deckkraft. Für Ölfarbe werden die Pigmente (lat. Farben) mit Öl als Bindemittel vermischt. Pigmente sind Farbmittel. Sie bestehen aus pflanzlichem, mineralischem oder synthetischem farbigem Pulver. Das Cholorit bestimmt den Farbton des Malmaterials Farbe. Um das Pigment, den Farbstoff in der Malerei anzuwenden, bedarf es eines Bindemittels. Jedes Farbsystem setzt sich aus zwei Elementen zusammen. Die Pigmente, die den Farbton bestimmen und das Bindemittel, das den Farbauftrag und Halt ermöglicht, den das pulverförmige Pigment benötigt. Das Farbpulver ursprünglich mineralisch oder organisch kann heute synthetisch sein. Die Herstellung der Pigmente aus mitunter giftigen Naturstoffen war sehr schwierig. Die künstliche Gewinnung ist einfacher und erzeugt eine konstante Beschaffenheit. Da es sich bei diesem Bild um ein Auftragswerk handelt, besteht die Möglichkeit, dass die Auftraggeber bestimmte Pigmente wünschten. Das Resedagrün[15] ist ein Gelbgrün. Die Reseda luteola auch Färberwau genannt, war die Färberpflanze für Gelb.
Hans Holbeins Werk ist in Mischtechnik ausgeführt. Vermutlich in Ei-Tempera und Ölfarbe. Dies war im Übergang zur reinen Anwendung von Ölfarbe üblich. Seine Farbskala weist gedeckte, erdige Töne auf.
Wie bei jedem Kunstwerk gilt die Devise von Johann Heinrich Pestalozzi:
"Anschauung ist das Fundament der Erkenntnis!"
©RMS-Scriptorin
[1] Frdl.Ausk.v.Dr. Ulrich Luckhardt, Klassische Moderne, Hamburger Kunsthalle; Bodo Brinkmann, Stephan Kemperdick: "Deutsche Gemälde im Städel 1500-1550." Zabern, Mainz am Rhein 2005, S.388, 405, 407. (Städel 1500)
Der Verkündigungskopf Mariens war von 1914 bis 1951 in der Slg. Prinz Franz Joseph v. Liechtenstein, Seebenstein. Sein Format beträgt: 43,8 x 36,5 cm. Öl auf Holz. Donor: Edward Drumond Libbey. Frdl.Ausk.v. Michael Ryan, Toledo Museum.
[2] Bruno Bushart: „Holbein d.Ä." hrsg. vom Augsburger Holbein Kuratorium, Hofmann, Augsburg, 1987², S.25. (Bushart)
[3]Städel Museum in Frankfurt am Main. Staedelmuseum.de (Städel)
Aufstellungsorte der Werke im 19.Jh.:
„Christi Eintritt in Jerusalem", „Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel", „Fußwaschung", „Gethsemane") in der städtischen Gemäldesammlung im Saalhof daselbst, das „Abendmahl" dagegen in der Leonhardskirche befindet. Dazu gehörten wol auch die sieben Passionsbilder im dortigen Städel'schen Institut, welche, gleich einer anderen, der nämlichen Periode angehörenden, Passionsfolge in der fürstlichen Gallerie zu Donaueschingen, der damaligen Gewohnheit huldigen, den Gegensatz zwischen der milden Hoheit Christi und der Gemeinheit seiner Widersacher möglichst grell darzustellen." Woltmann, Holbein und seine Zeit; Jahrbücher für Kunstwissensch., IV. Alfred Woltmann (1841-1880) Holbein d.Ä, Experte. Wikisource.org
Die Predella war ursprünglich aus einem Stück. Sie wurde "nachträglich zersägt, 1964 wieder zusammengefügt." Städel 1500, S.388.
[4] Woltmann, S.53.
[5] Wikipedia: Dominikanerkloster (Frankfurt). Da 1508 Albrecht Dürer (1471 Nürnberg-1528 ebd.) und Martin Schongauer (um 1445/50 Colmar-1491 Breisach am Rhein) einen Flügelaltar mit dem Mittelbild der Krönung Mariens anfertigen, ist es fraglich welche Darstellung sich auf diesem Altarbild 1496 befand. Ann.: Anbetung der drei Könige? Dagegen lauten folgende Ansichten: Der verschollene Schrein erhielt vermutlich Skulpturen.Städel. Altmann geht 1873 von einem Schnitzwerk aus mit Darstellung der Kreuzigung Christi. Altmann, S.53.
[6] "Kunstmuseum Basel, Schenkung Martha und Robert von Hirsch, Basel 1977. Inv. G 1977.40." Kunstmuseum Basel.
[7]Geburt Christi Wekstatt Zeichnung in Berlin. Städel 1500, S.410, Abb.362, S.418.
[8] "Kunstmuseum Basel, mit Beiträgen der Jakob Burckhardt-Stiftung, des Freiwilligen Museumsvereins, des Birmann-Fonds und der Felix Sarasin-Stiftung erworben 1903. Inv. 301." Kunstmuseum Basel.
[9] Alfred Altman: "Holbein und seine Zeit." Des Künstlers Familie, Leben und Schaffen. Mit Illustrationen. Leipzig, Seemann, 1874², I. S.53.
[10] Städel 1500, S.406.
[11] "Galerie Weber, Hamburg." (Katalog). Ausstellung, Versteigerung. 1634. Hrsg. Kunst-Auctionshaus Rudolph Lepke. Für 17000 Reichsmark laut Randnotiz.
[12] Frdl.Ausk.v.Dr. Ulrich Luckhardt, Klassische Moderne, Hamburger Kunsthalle.
[13] "Auf dem Brustschild des orientalisch aufgeputzten Hohenpriesters steht die Jahreszahl 1500. Eine der Außenseiten der Flügel ist 1501 datiert und mit Holbeins vollem Namen und Heimatort signiert." Bushart, S.82.
[14] Leider lässt sich der Text nicht eindeutig entziffern.
1. Zeile: משיחMessias בואkomm!
2. Zeile: וקל und leicht oder גדולgross הושיע- er rettete
3. Zeile: עבדו dein Diener, dein Knecht evtl. eine Anspielung auf Simeons Worte Lk 2,
Frdl.Ausk.v. Ingrid Kaufman. Mit der Übersetzung des hebräischen Textes gab sich Frau Kaufmann www.milon.li dankenswerter Weise sehr viel Mühe.
Bei Holbeins Werk "Opfer des Joachim" vom Weingartneraltar 1493 weist die hebr. Tafel einen anderen Schriftzug auf. Diese unterschiedlichen Schriftbilder können von Restaurationen oder von vornherein einer anderen Malerhand stammen.
[15] Bushart, S.82.