Hans Hermann Weyer
Ein akademischer Grad ist hierzulande noch keine Garantie für eine lukrative Karriere. Während in Frankreich beispielsweise ein Diplom der Ecole National d’Administration einer Eintrittskarte für die Managementebene gleichkommt, wird in Deutschland und in der Schweiz sorgfältig darauf geachtet, dass sich Theorie und Praxis die Waage halten. Wie wichtig sind nun Titel und Diplome?
Schutzpatron der HochstaplerDass Titel aller Art seit alters her immer wieder missbräuchlich verwendet werden; spricht für deren enorm hohen Beliebtheitsgrad. Das Phänomen hat einen Namen: Hans Hermann Weyer alias «der schöne Consul». So verkaufte er anfangs der 1990er öffentlich im Fernsehen «Titel, Orden, Consulate». Gegen reichlich Bares, versteht sich, und in einer eigenen Sendung mit acht Folgen bei RTLplus. Adelstitel, Ritterschläge, Doktorhüte, Diplomatenpässe - Steuerflüchtling Weyer hatte für jede Profilneurose des nach Anerkennung lechzenden Nachkriegsvolkes etwas zu bieten. Wen störte es da, wenn die Titel oder Ortsbezeichnungen der lebhaften Phantasie des «Schutzpatrons der Hochstapler» entsprungen waren? Damals im Sonderangebot: das Mutterkreuz des Vatikans für 20 000 US Dollar... Quelle: Archivtext Hamburger Abendblatt 11.09.91
StatussymboleGrundsätzlich ist der Stellenwert akademischer Grade von Land zu Land unterschiedlich. Während man beispielsweise in der Schweiz noch bescheiden von einem Berufsschullehrer spricht, macht man in Deutschland bereits einen Oberstudienrat daraus. Sind nun Titel und Diplome - trotz eindeutigem Statussymbol-Charakter - weniger Wert?
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Gegener und Befürworter: Auf der einen Seite gibt es Entscheidungsträger in Unternehmen, die Akademiker tendentiell ablehnend beurteilen und finden zum Beispiel, dass HSG'ler (für Leser aus Deutschland: Absolventen der Elite-Uni St. Gallen HSG), reine Theoretiker seien. Was perse nicht zutreffend ist; das Gegenteil ist der Fall (pers. Anm. des Autors). Auf der anderen Seite tummeln sich Firmen - allen voran elitäre Unternehmensberatungen - die praktisch ausschliesslich Hochschulabgänger engagieren. - Ich denke, die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Was aber bewegt militante Gegner? Nehmen wir z.B. gewisse Gastrounternehmer, die behaupten, nie mehr einen Absolventen einer der etablierten Gastro-Kaderschmieden Hotelfachschule HF Belvoirpark Zürich, Hotelfachschule Heidelberg, EHL Lausanne oder SHL Luzern einzustellen.
Sind es Minderwertigkeitskomplexe? Schlechte Erfahrungen? Selbst keine der Top-Schulen besucht? Schlechtestenfalls treffen alle drei Gründe zu. Selbstverständlich kann es in gelegentlich vorkommen, dass sich Abgänger der genannten Institutionen überschätzen, arrogant auftreten, in der Praxis versagen und damit Gegnern mit vorgefassten Meinungen neue Nahrung liefern. Deshalb aber Studienabgänger von Höheren Fachschulen HF, Fachhochschulen FH und Universitäten abzulehnen, ist geradezu grotesk.
Was sind Titel & Diplome nun wirklich wert?Klare Antwort: Viel, sehr viel sogar! Das Erlangen eines Diplomes, vor allem eines «echten eidgenössischen» Titels*, wie z.B. eidg. dipl. Marketingleiter, -Verkaufsleiter, -Controller oder ein Diplomstudium sind heutzutage Gold wert. Abschlüsse auf Stufe Bachelor of Business Administration BBA, dipl. Ingenieur HTL oder ETH (*Ferry Porsche's Enkel, der heutige VW-Boss Piech ist übrigens ETH-Absolvent...), Master of Business Administration MBA als Vollzeitstudium bzw. Executive Master of Business Administration EMBA (nebenberuflich erworben), sind ein Beweis dafür, dass man intellektuelle Kapazitäten mitbringt und sich in einem schwierigen Umfeld behauptet hat. Es ist ausserdem ein Hinweis auf besondere Leistungsfähigkeit! Bei Studierenden besonders beliebt - neben den etablierten Uni's - ist die im Raum Zürich domizilierte GSBA Graduate School of Business Administration in Verbindung mit der Uni of Wales:
www.gsba.chReaktionen der WirtschaftHuman Resources Manager, GeschäftsleiterInnen und VR-Mitglieder (Vorstände) namhafter Unternehmen legen deshalb grössten Wert auf eine solide Weiterbildung bei der Auswahl ihrer zukünftigen Kaderleute. Im Rahmen der komplexer werdenden Märkte sind eine hohe Qualifikation, kombiniert mit emotionaler und sozialer Kompetenz, ein absolutes Muss. Wer Einblick in die Chefetagen grosser Schweizer Firmen hat, wird bestätigen können, dass erfolgreiches Agieren von Firmen im Umfeld der international vernetzten Wirtschaft untrennbar verbunden ist mit den Resourcen hervorragend ausgebildete Führungskräfte.
Was tun?Während sich nun manch einer auf seinem Fachschulabschluss ausruht – ein möglicher Fehler übrigens – haben in industriellen Kreisen bereits über 10% der Befragten ein Doppelstudium auf sich genommen. Der Aufwand lohnt sich in jedem Fall, da eine einzelne Disziplin heutzutage die auf künftige Unternehmer wartenden Anforderungen kaum noch abdeckt. Gleichwohl muss man auch relativieren. Ein akademischer Grad ist hierzulande noch keine Garantie für eine lukrative Karriere. Während in Frankreich beispielsweise ein Diplom der Ecole National d'Administration einer Eintrittskarte für die Managementebene gleichkommt, wird in der Schweiz sorgfältig darauf geachtet, dass sich Theorie und Praxis die Waage halten.
Fazit: Die Absolvenz von höheren Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten bzw. branchenspezifischen Unternehmensseminaren oder Nachdiplomlehrgängen sollten erst der Anfang sein! Eine branchenübergreifende Zusatzausbildung z.B. in Richtung Marketing und/oder Betriebsökonomie erhöhen langfristig die Chancen, wichtige Kaderpositionen in top Unternehmen zu bekommen und zu behalten!
See you at school.
Ansgar Schäfer
Personalberater seit 1990
Gründer/Leiter der SCHAEFER & PARTNER Personal Management GmbH
Dübendorf / Zürich