Da liegen sie, die erschöpften Patienten mit Depressionen, Burnout und Angstzuständen, und reden stundenlang über ihre Probleme, ihre Kindheit und über das Leben, das sie verzweifeln lässt. Und der Therapeut sitzt hinter der Couch und hört zu, schreibt mit und macht ein betroffenes Gesicht.
Es gibt wohl wenige Berufe, die so klischeebehaftet sind, wie der des Psychotherapeuten. Demnach wird auch eine Verhaltenstherapie häufig mit abgedunkelten Räumen, dem klassischen Liegen auf dem Sofa und dem stundenlangen Wühlen in der Kindheit in Zusammenhang gebracht. Dass aber in einer Therapiesitzung auch mal herzlich gelacht werden kann, und die Couch bei vielen Therapeuten längst dem modernen Stuhl oder Sessel gewichen ist, wissen die Wenigsten.
Trotz steigender Burnout- und Depressionsfälle in Deutschland wird das Thema "Therapie" immer noch hinter vorgehaltener Hand geflüstert. Wer eine Verhaltenstherapie einst für sich beanspruchte, geht damit nicht hausieren. Gesteht eine Therapie doch offen Schwäche ein, und das in einer Leistungsgesellschaft, in der man immer stark sein muss. Zudem ist eine Verhaltenstherapie mit Klischees behaftet, die viele Menschen eher abschrecken. Sich auf ein fremdes Sofa legen und über die eigene Kindheit philosophieren? Nein, danke. Das trifft nicht jedermanns Geschmack. Insbesondere Männer hadern lange mit dem Leben und sich, bis sie endlich zum Therapeuten gehen. Häufig zu lange. Denn ein Burnout oder eine Depression kommen nicht von heute auf morgen. Sie kündigen sich mit mehreren (anfangs oft körperlichen) Symptomen an, die von Betroffenen ebenso gerne ignoriert werden. Würde man lernen, seinem eigenen Körper zuzuhören, könnte man sich Hilfe holen bevor es zum großen Zusammenbruch kommt. Nur dazu muss man erst lernen auf sich selbst zu hören und zugleich wissen, dass die Verhaltenstherapie nichts anderes als dem modernen Coaching entspricht - ohne Couch.
Ein
Coaching begleitet jemanden beratend. Es unterstützt, gibt Erfahrungen weiter und trainiert negative Muster durch positive zu ersetzen. Nehmen Sie an einem Rhetorikseminar teil, lernen Sie erfolgreicher zu artikulieren und sich überzeugend zu präsentieren. Wie? Durch das Aneignen von neuem, theoretischen Hintergrundwissen und durch Rollenspiele. Nichts anderes praktizieren Sie in einer Verhaltenstherapie - nur mit dem kleinen Unterschied, dass sich das Thema bis in Ihren privaten Bereich erstreckt. Manchmal gelangen Sie im Laufe eines Gesprächs dabei automatisch in Ihre Kindheit. Vielleicht gibt es ein Verhaltensmuster, dass Sie seit Ihrer Kindheit immer wieder anwendeten, und dass sie immer wieder in einer Sackgasse enden ließ? Doch keine Angst vor der Therapie! Das große "Warum ist das so?" wird vorwiegend in einer Psychoanalyse erörtert, aber nicht vertiefend in der Verhaltenstherapie. Dabei geht es vielmehr um das "Wie erreiche ich meine Ziele bzw. warum erreiche ich sie nicht?". Und um an dieser Stelle gleich mit allen Klischees aufzuräumen: Bei dieser Erörterung sitzen Sie auf einem ganz langweiligen und durchschnittlichen Stuhl. Vielleicht scheint die Sonne durch das Fenster, vielleicht müssen Sie während Ihrer neuen Strategieplanung lachen, weil Sie sich über Ihre ersten Erfolge freuen. Vielleicht weinen Sie auch an einem anderen Tag, einfach weil manche Erinnerung traurig macht.
Eine Verhaltenstherapie räumt auf. Sie unterstützt Menschen, wieder auf den für sie am besten, zielgeraden Weg zu gelangen. Sie verleiht neue Blickwinkel, sie hilft in der Zielfindung und sie begleitet auf dem Weg zum persönlichen Erfolg. Und noch einiges mehr: Denn eine Verhaltenstherapie hilft Ihnen, rauszufinden, ob der Weg, den Sie die ganzen Jahre gegangen sind, Ihr eigener persönlicher war, oder ob Sie ihn nur gegangen sind, weil es andere von Ihnen erwarteten?
Vielleicht ändern Sie Ihr ganzes Leben nach einer Therapie. Wahrscheinlicher ist, dass sie einfach nur zufriedener werden, weil sie jetzt wissen, was sie wollen und wie Sie es erreichen. Mystisch geht es dabei nicht zu. Eher "quicklebendig" - mit allem, was im Leben dazugehört.
Dr. Heraldo Haberl, Arzt und Verhaltenstherapeut in Olching (bei München)