Was ist Liebe?
Stets ist es so, dass immer wenn ich darüber nachdenke mir der Begriff der
Liebe auf der einen Seite stets klarer erscheint und auf der anderen immer unklarer, denn befragt man sein Umfeld nach dem Wesen der Liebe so erhält man mannigfaltige Antworten, die hin und wieder sehr von einander abweichen können und eigentlich darauf hinauslaufen, dass jene es selbst nicht wissen. So versuche ich im folgenden aus einer Selbstreflexion darzustellen was denn Liebe ist.
Erklären könnte ich sie daran, dass ich die Welt in einer oder vielleicht auch mehreren Personen wahrnehme. Hier soll es aber an Hand vom inneren Ich und äußeren Ich erklärt werden bzw. einem Zwitterding, dem ich das menschliche zu Grunde legen möchte.
Das äußere Ich sei jenes genannt, was auf die äußeren Reize anspricht. So vermittelt mir zum Beispiel ein Lächeln ein Gefühl von Wohlwollen, dass mein Gegenüber mich mag und ein Interesse an mir zeigt. Da man als Mensch dieser Sache durchaus etwas Gutes abgewinnen kann geht man durchaus darauf ein, man merkt dadurch, dass man sich selbst etwas Schönes gönnt, mag es ein Gespräch sein oder einfach nur ein nettes Beieinander sein, und man beim Anderen etwas ähnlich scheinendes verursacht. Dies äußert sich im Wohlgefallen des Momentes. Ich möchte hier von der Liebe zur Person sprechen, wobei jener Begriff doppeldeutig zu verstehen sei, denn damit ist die Person des äußeren und inneren gemeint. Eine klare Abgrenzung halte ich an dieser Stelle für unsinnig, da ich meinen Gegenüber in einer Komposition verschiedener äußerer und innerer Prädikate kennenlerne und wahrnehme, die aber hauptsächlich über das Äußere eigene Dasein vermittelt werden, also dem äußeren Ich.
Allerdings sprach ich auch vom inneren Ich, welches für sich klar unterscheidbar sei vom äußeren. Denn nehme man die Person hinweg und erinnere sich nur an sie, so mögen Gefühle auftreten, die anders sind, von intensiverer Qualität als die Gefühle die wir durch Reize von außen wahrnehmen. Es scheint nämlich so, dass allein durch die Abwesenheit einer Person wir uns unvollständig fühlen, etwas Leeres, was es unerträglich zu machen scheint, dass wir für uns alleine sind. So scheint unser Bewusstsein ein Gefühl zu generieren, was es so als Reiz in der Welt der Materie nicht zu geben scheint.
Nun kann ich beim besten Willen nicht sagen, dass sowohl das eine für sich Liebe ist noch das andere, da es eine sehr eingeschränkte Liebe sei, die eine, die sich auf pure äußere Reizempfindung begründet und die andere, die sich auf Gefühlgenerierung des Inneren begründet und eigentlich nur eine Bewusstseinsvorstellung ist.
Schließlich steht man hier wieder vor der Frage, was denn Liebe ist. Nun ließe es sich so sehen, was Liebe ist sieht man, wenn man sie anwendet. Dieser Gedanke sei so aufzufassen. Wir bekommen den Reiz in bestimmter Qualität von außen und durchdenken ihn in unserem Inneren. Das Bewusstsein ist ein Medium der Vernunft, es gleicht die Qualitäten mit unserem inneren Ich ab, wir erblicken Eigenschaften die uns fehlen, die gleich sind oder ähnlich und kommen zum Schluss, dass der Reizverursacher ideal wäre, um uns jene Dinge zu vermitteln und uns zu komplettieren. Allein so gesprochen sei es noch nicht Liebe, es ist das Interesse an der Person. Liebe wird es erst durch die Vermischung des inneren Ich mit dem äußeren, denn das äußere sei das Medium der Sinnlichkeit d.h. durch den beständigen positiven Reiz den wir erfahren bildet sich eine Art der Abhängigkeit voneinander, welche uns stets wieder zum Wesen unserer Begierde hintreibt.
Durch die Vereinigung beider Medien erschließt sich einem der andere erst und letztlich man sich selbst, denn durch den Abgleich und das Verlangen erblickt man das Zwitterwesen der eigenen Person, wie es sich in der Interaktion mit unseren Mitmenschen erst zeigt. Es bestimmt unser Verhalten, unsere Zuneigung, ja selbst den Dialog mit uns in eigener Person.Je besser nun diese Vereinigung von statten geht, je mehr Schnittpunkte sich dadurch bilden, desto mehr Bezug nehmen wir auf unsere Partner und auf uns selbst.
Letztlich will ich sagen, dass eben dies die Essenz der Liebe ist und sich erst in der Anwendung, also in der Interaktion mit Anderen, für den Einzelnen zeigt, was Liebe ist.
(S.Simmert)