was bin ich?
Der Kult der Erlösung und die blutigen Rituale, wie kam aber solche melancholische Bezeichnung, die Erlösung, zustande? Wenn das Leben in ihr ein unbedingtes Ergebnis des langen Prozesses der Entwicklung ist, wie kamen dann solche Kults? Wieso herrscht Angst und Unsicherheit zwischen allen Lebendigen, wenn sie alle aus der gleichen Natur stammen?? Wieso versucht der Mensch, die Natur zu unterjochen, wenn er ihr Sohn ist? Und wieso erklärte er ihre Phänomene oft durch Aberglauben und ging mit diesen Phänomenen mit grausamen Kulten um??? Aus was stammen die menschlichen Vorstellungen von Jenseits, von Hölle und Paradies? Und wieso ist das Paradies außerhalb dieser Welt und dieser Natur und nicht in ihnen?
Eine traurige und leider sehr verbreitete Meinung ist, dass die alten Kults wie Aztec oder die Anka tierische Barbarei seien, jedoch stellen gerade diese Kults und Opfergaben, auch wenn diese an sich zwar Gräueltaten waren, einen höchst großen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier dar. Denn das Prinzip des Opferbringens ist keineswegs ein ´tierisches Prinzip´, denn welche Tiere würden die stärksten ausgedachten Götter opfern? Ein sehr berühmter Autor sagte einmal, dass die Idee von einer dunklen Geschichte der Menschheit existiert, aber nur bei den Wissenschaftlern. Wohl verhielt sich der Mensch tierisch, als er die schwächeren Nationen ausplünderte und beraubte, jedoch nicht als er die eigene Verwandtschaft um den religiösen Willen opferte. Eine Sache ist aber sicher: Diese grausamen Kults waren kultiviert, auch wenn sie nicht zivilisiert waren, denn bei der Opfergabe wurden die schönsten und edelsten Jungfrauen ausgewählt. Sie wurden respektiert und dann geopfert unter der Vorstellung, irgendeiner Form von Weiterexistenz. Interessanterweise übertrifft die Opfer im ersten oder im zweiten Weltkrieg die Zahl solcher Opfer.
Im tierischen Reich zählt nur das Praktische, bei dem Menschen aber lassen sich sehr komische Verhaltensweisen nachweisen, die keiner praktischen oder logischen Bedeutung angehören. Das bemerkte auch H.G. Wells in seinem Buch, die kurze Geschichte der Welt
[8]: In der mittleren Steinzeit verbreitete sich die Gewohnheit, sich zu zerreißen und dem Leib unglaublich, eigenwillige Schmerzen zuzufügen und das nur, weil der Mensch glaubt, damit seinen Geist von dem sündhaften Körper zu reinigen!! Ein völlig selbstloses Verhalten. Vergleichen wir das mit dem Fox aus dem Tierreich, der sein Bein abbeißt, wenn es in der Falle hängt, ein praktisches logisches Verhalten, doch mit welcher Logik lässt sich das oben genannte menschliche Verhalten erklären?
Diese sehr wichtigen und überlegenswerten Unterschiede zwischen dem Menschen und dem Tier werden größer, wenn wir sie genau unter die Lupe nehmen: Der Jagdzauber ist ein uraltes Ritual, bei dem Menschen einstudierte Tänze aufführen und da unterliegen den Frauen und den Kindern viele Verbote, das Ganze sollte die Jagdmission erleichtern und segnen. Während der Mensch bis zur Nase in diesem Aberglauben versank, organisieren sich die Tiere bei Jagd, verfolgen die zu Jagenden und studieren den Ort der Jagd gut! Die Tierstämme wandern ständig bei Jahreszeiten, wenn das Futter oder das Wasser knapp wird. Auf der anderen Seite beschrieb uns Gustav Flaubert in seinem interessanten Buch Slambo, wie die Carthginians bei Regenknappheit, ihre eigenen Söhne ins Feuer warfen, nur um das Wohlgefallen ihres Gottes Moloch zu erlangen und so es regnen zu lassen! Das erklärt, wie unterschiedlich der Mensch und das Tier sind.
Es ist kein Entwicklungsunterschied, sondern ein Wesens- und Ursprungsunterschied. Zu diesen elementaren Unterschieden gehört auch, dass die Dinge den Tieren so sind, wie sie ihnen erscheinen. Bei dem Menschen haben aber die Elemente der Natur übertragene Bedeutungen und werden in kreativen Metaphern verwendet: Die Sonne bedeutet für das Tier die Wärme. Für den Menschen ist sie ein Symbol der Hoffnung und der Schönheit, das alles erzählt uns das menschliche Drama eines Menschen, der sich mitten in einer fremden Welt fand und sie und sich selbst, zu entdecken strebte.
Die Wissenschaft erklärt die Prozesse des Lebens aber in getrennter Form, in Form von einzelnen Abläufen, jedoch versagt beim Erklären des Lebens, aus diesen Abläufen. Er erklärt uns, wie die Muskeln arbeiten und wie die mechanische Kraft entsteht, jedoch kann er uns nicht erklären, wieso der Mensch solche Kraft z. B. zum töten im Rahmen der vergeblichen Kriminalität nutzt, statt zum Leben.
Im Laufe der Geschichte entwickelte sich nur die Welt der Zeuge des Menschen, im Prozess des Fortschritts. Wir wissen im wissenschaftlichen und technischen sicher viel mehr, als die vorchristliche Zeit, jedoch können wir nicht behaupten, dass wir im menschlichen oder moralischen Bereich mehr als Plato wissen.
Denn es ist nur die Zivilisation, die einem fortschreitenden Prozess unterliegt, jedoch nicht die Kultur. Was hat das denn zu bedeuten? Dass die Kultur samt der Moral und den Religionen nicht aus dieser Welt sind?
So auch die Moral, die voller Verbote ist und sich nicht logisch erklären lässt. Welchen Sinn hat dann das Fasten? Welchen Sinn hat ja denn, in Zölibat und völliger Entsagung zu leben? Und wieso machen die Tiere so etwas nicht, auch nicht mal was Ähnliches! Welches Tier lässt sich von Hoffnung und Glauben leben? Ist es nicht voll ironisch, dass der uralte Mensch, der sich an unlogischen Verboten festhielt und sich für Aberglauben opferte, dass dieser Mensch, der in völliger Ratlosigkeit zwischen Gut und Böse seinen Weg sucht, mehr menschlicher als der moderne nihilistische Mensch, der keine Moral kennt und sich im Leben nur an seinen Gelüsten orientiert??
Der Mensch ist das einzige Wesen, dessen Geschichte die Geschichte eines Suchenden ist. Er ist das Wesen, das weiß, dass es sterben wird. Er ist das einzige Wesen, der in seiner Suche nach der absoluten Wahrheit alles hinterfragt, und alles dafür opfern würde und sich von dem Glauben nicht losreißen kann, dass er etwas Höheres ist, dass er anders ist, dass er eine heilige Mission zu verrichten hat. Er ist das einzige Wesen, das sich gegen sein Schicksal auflehnt und es in der Hand zu haben glaubt. Er ist das einzig religiöse und moralische Wesen, er ist das einzige himmlische Wesen.
Ich schließe mit dem folgenden Zitat ab und überlasse den Kommentar und das letzte Wort dem Leser selbst: „Der moderne Mensch ist unbefriedigt, er trägt eine Sehnsucht in sich, aber oft weiß er nicht einmal, wohin es ihn zieht. Denn jedes gehobene Wertbewusstsein, das in dem Glauben an das Schöne, Gute und Vollkommene wurzelt, ist eine Frucht der menschlichen Seele.
Nur diese höheren, wahrhaft menschlichen Triebe aber fördern uns zu einem echten geistlichen Leben. Sie erst geben uns das sittliche Fundament". aus: Blicke aus Parallelwelten, Nedall Zalloum,ISBN 978 – 9812428-1-2
_________________________________________
[1] Der Islam zwischen Ost und West, Alija Izetbegovic.
[2]„ Sobald der Dschungel begann, war derjenige Behörde, der den besten Revolver hatte". Aus: B. Traven: Der Marsch ins Reich der Caoba
[3] Vergleich Begovic.
[4] Vergleiche Karl Jaspers
[5] Die Demokratie z.B gab es auch in den älteren Kulturen. So auch wie in Athen, das kann man auch in Sokrates Verurteilung und in seinem Gericht. Lese: die großen Denker, Karl Jaspers. Die Philosophie zwischen Ost und West, Bertrand Russel.
[6]Bertrand Russel, unpopuläre Betrachtungen.
[7] Zum Teil fasse ich darunter den Nihilismus, den Existentialismus und andere Philosophien zusammen. Begovic findet diese Philosophien keine Verneinung des Gottes wie ein Protest gegen sein Nicht-Dasein. Vergleiche, der Islam zwischen Ost und West.
[8] H.G Wells: schort History of the World.