Dass am Aschermittwoch "alles" vorbei ist, weiß beinahe jedes Kind. Aber wann beginnt eigentlich der Fasching (oder der Karneval, wie er im Rheinischen bevorzugt heißt) in Deutschland? Am 11.11. um 11 Uhr 11 - oder vielleicht am Rosenmontag? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig.
Vorweihnachtliche Fastenzeit
Vielerorts fällt der Startschuss zum Fasching am 11. November. Nach dieser Auftraktveranstaltung folgt aber oft eine wochen- bis monatelange Pause bzw. eine Phase sehr geringer Karnevalsaktivität. Für karnevalsferne Beobachter macht es also den Eindruck, als ob der Fasching gleich nach seinem Beginn in einen Dornröschenschlaf verfällt. Der Grund ist die traditionelle vorweihnachtliche Fastenzeit, die die katholische Kirche früher vorschrieb. Und überhaupt ist der Karnevalskalender stark durch die kirchlichen Fastengebote bestimmt.
Die Fastenzeit vor Weihnachten dauert(e) genau 40 Tage, begann am 12. November und endete am Heiligen Abend. In dieser Zeit war insbesondere der Genuss von Fleisch und Alkohol streng verboten. Auf dieses bevorstehende Fasten bereiteten sich die Menschen vor, indem sie am Vortag, dem 11. November, noch einmal kräftig "zulangten": bei der Martinsgans oder bei einer überschwenglichen Karnevalsfeier.
Bis zum vorösterlichen Fasten
In vielen Gegenden nimmt der
Fasching ab dem Dreikönigstag (6. Januar) einen zweiten Anlauf: Ab diesem Datum nimmt die Zahl der Veranstaltungen wieder deutlich zu. In seinen Endspurt geht der Karneval zur so genannten Weiberfastnacht. Nun beginnt insbesondere der Straßenkarneval, bei dem die Menschen selbst bei schlechter Witterung draußen feiern. Dies ist auch die Zeit der vielen großen und kleinen Karnevalsumzüge.
Für diese Termine spielen Ostern und die vorösterliche Fastenzeit eine entscheidende Rolle: Der Rosenmontag liegt definitionsgemäß immer 48 Tage vor dem Ostersonntag, die Weiberfastnacht somit 52 Tage. Gemäß dieser Regel ist das frühestmögliche Datum für die Weiberfastnacht der 29. Januar, das späteste Datum der 4. März. Und am Aschermittwoch ist die Karnevalsherrlichkeit deshalb vorbei, weil nun eine zweite Fastenperiode ansteht: 40 Tage bis Ostern, wobei die Sonntage vom Fastengebot ausgenommen sind.
Jürgen Reschke