Eine von über 200 Postkarten von Betroffenen
„Wir werden laut! Ihr werdet laut!" heißt es in der Beschreibung des Postkarten-Projekts vom Göttinger Verein gegen-missbrauch e. V. Der Verein bietet Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erfahren haben, mit diesem Projekt die Möglichkeit, anonym zu bleiben und trotzdem ein Zeichen gegen das Schweigen zu setzen. Inzwischen haben über 200 selbst gestaltete Postkarten von Betroffenen das Postfach des Vereins erreicht. Es wurde gemalt, getextet, fotografiert, gebastelt. Und jede einzelne Postkarte enthält eine einzigartige, eindrucksvolle Botschaft, die zwangsläufig beim Betrachter eine Gänsehaut auslöst.
Es sind nun genügend Karten, um mit dem einst definierten Ziel einer Wander-Ausstellung zu beginnen, aber weitere Karten sind immer willkommen. Einmal wurden die Karten schon in der langen Nacht der Kirchen in Haiger ausgestellt. Die Karten erreichen ihr Ziel: Sie machen nachdenklich, berühren und sprechen, ohne dass viel gesprochen werden muss.
Es geht dem Verein gegen-missbrauch e. V. darum, Gehör für Betroffene zu schaffen. Der Missbrauch in Kindheit und Jugend endet nicht mit den eigentlichen Übergriffen. Sexuell missbrauchte Kinder sind traumatisiert. Genau wie bei Traumata durch andere Gewaltverbrechen, Attentate, Entführungen, Kriegserlebnisse oder Naturkatastrophen, werden die Betroffenen ihre Erlebnisse ein Leben lang mit sich tragen. Ein Trauma kann Menschen prägen. Erlebte sexuelle Gewalt kann alle Bereiche des Lebens beeinflussen: Partnerschaft, Beziehung, Berufsleben, die Sexualität im Erwachsenenalter.
Missbrauch findet in allen gesellschaftlichen Schichten statt – und überall findet man auch die Betroffenen. Da sexueller Missbrauch jedoch nach wie vor ein gesellschaftliches Tabuthema ist, haben es die Betroffenen erst recht schwer. Darüber sprechen ist schwierig und wer es doch tut, trifft nicht unbedingt auf Verständnis. Eine häufige Reaktion: „Schlimm, was Du erlebt hast, aber nun vergiss das doch endlich." Dass die Betroffenen solcher Erlebnisse oft alles dafür geben würden, ihre Vergangenheit „einfach zu vergessen", ist vielen nicht klar. Die Postkarten sprechen all dies aus. Sie lassen hinter die Kulisse von Menschen blicken, die so scheinen, wie Du und ich. Immerhin sprechen wir von einer Dunkelziffer von etwa 320.000 sexuell missbrauchten Kindern und Jugendlichen allein in Deutschland. Es heißt, jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge werde im Laufe ihrer Kindheit Opfer eines sexuellen Übergriffs.
Die Ausstellung beginnt am Montag, den 15.06.2009 um 14:00 Uhr mit einer Begrüßung durch die Göttinger Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck und einer Ansprache von Ingo Fock, 1. Vorsitzende des Vereins gegen-missbrauch e. V., im Foyer des Göttinger Rathauses und kann bis zum 07.07.2009 dort besucht werden. Vertreter der Presse sind gern gesehene Gäste und herzlich willkommen.
Kontaktgegen-missbrauch e.V.
37077 Göttingen
Am Menzelberg 10
Ansprechpartner PresseIsabel Brockhöfer
Tel.: 0551 - 500 65 699
Fax: 0551 - 20 54 803
Mobil: 0177 – 3346296
E-Mail:
sasita@gegen-missbrauch.dewww.gegen-missbrauch.de