Pflegestützpunkte-online.de - Gerhard Schanz
Seit Anfang Dezember 2009 werden die Pflegenoten für Pflegeheime durch den MDK im Internet veröffentlicht.In die Kritik geraten ist das Benotungssystem, da es mehrere Einzelbereiche zusammenfasst und es dadurch zu positiven sowie negativen Verschiebungen der Gesamtnote kommen kann. Wichtig ist vor allem sich die Benotungen der einzelnen Bereiche genau anzusehen. Ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen ein Pflegeheim sollten immer die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Betroffenen sein.
Im Nachfolgenden einige Überlegungen, welche Betroffene und deren Angehörige bei der Auswahl eines Pflegeheimes bedenken sollten.Lage, Standort und Umfeld
Dies sind besonders wichtige Faktoren, da sie sich nicht verändern lassen.
- Wie hat der Betroffene bisher gelebt? Will der Betroffene stadtzentral oder eher ruhig seinen Lebensabend verbringen? Entspricht die Lage und das Umfeld des Hauses den Vorstellungen des Betroffenen?
- Wie sieht die Infrastruktur in unmittelbarer Nähe aus (Einkaufsmöglichkeiten, Parkanlagen, Freizeitangebote, Sportmöglichkeiten, Restaurants, Cafes, Kirche, öffentliche Verkehrsmittel)?
Die Ausstattung des Hauses
Gefällt ihnen das Haus auf den ersten Blick außen und innen? Auch hier sollten sich Betroffene und ihre Angehörigen vom ersten Eindruck beeinflussen lassen. Besonders sollten Betroffene darauf achten, ob das Haus barrierefrei ist, dass heißt sie sollten überall hin Zugang haben ohne Treppen oder Absätze überwinden zu müssen. Dies gilt auch insbesondere für den Eingangsbereich, Gemeinschaftsräume und den Garten.
Helle Räumlichkeiten, viel Glas, gemütliche Sitzecken, Gemeinschaftsräume für sportliche und kreative Aktivitäten aber auch für Vorträge, Veranstaltungen oder private Feiern sollten zur Verfügung stehen. Wenn die Familie auswärts wohnt ist die Frage nach Gästezimmern oder Besucherappartements von Wichtigkeit.
Zuschnitt und Ausstattung der Wohnung/Zimmers- Größe und Ausstattung eines Zimmers können sehr unterschiedlich sein. Wichtigste Fragen hier: Einzelzimmer oder Doppelzimmer? Verfügen die Zimmer über Bäder/Naßzellen? Sind diese behindertengerecht ausgebaut?
- Wichtig ist aber auch hier die Helligkeit des Raumes. Gibt es einen Balkon? Wie ist die Aussicht?
- Dürfen persönliche Dinge (Möbel, Bilder, Teppiche, usw.) mitgebracht werden? Sind Haustiere erlaubt?
- Welchen Sicherheitsstandard hat das Zimmer (Rauchmelder, Klingel, Türspion, Sicherheitsschlösser)?
- Gibt es im Zimmer TV-Kabel, Internet, Notrufschalter?
- Wird die Privatphäre von den Angestellten gewahrt?
Betreuungsangebot
Auf jeden Fall sollte es ein Pflegekonzept geben. In diesem Konzept werden Kriterien festgeschrieben, wie sich Mitarbeiter um die Bewohner kümmern.
Sehr wichtig ist auch die Frage, wie viele Pflegekräfte sind examinierte Alten- oder Krankenpfleger/innen? Wie viele Pflegekräfte sind pro Schicht eingeteilt? Gibt es rund um die Uhr qualifizierte Kräfte? Kommen ehrenamtliche Helfer ins Haus?
Wie der Tagesablauf aussieht und wieviel Zeit die Pflegekräfte für die einzelnen Bedürfnisse und Wünsche der zu Pflegenden haben ist wesentlich von der Relation Pfleger/Heimbewohner abhängig. So sind dann auch die nächsten Fragen stark von der Anzahl der Pfleger/innen pro Schicht abhängig.
- Werden die Mahlzeiten in einem Gemeinschaftsraum serviert oder nur auf den Zimmern?
- Wird das Essen noch im Haus gekocht? Bietet die Küche sämtliche Diätformen an?
- Werden die Mahlzeiten zu normalen Zeiten (12:00-13:00 Mittag) und Abendessen nicht vor 17:30 Uhr angeboten?
- Welche therapeutischen Angebote gibt es im Haus (Beschäftigungstherapie, Gymnastik, Bewegungs- und Gedächtnistraining, gemeinsames Singen und Spielen)?
- Werden Ausflüge oder Spaziergänge gemacht?
- Generell ist die ärztliche Versorgung zu klären. Kann z.B. der vertraute Hausarzt den Betroffenen weiterbehandeln?
Bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Betroffenen ist es für diesen besonders wichtig in seiner gewohnten Umgebung zu bleiben, deshalb sollte im Vorfeld geklärt werden, ob der Betroffene bei erhöhtem Pflegebedarf in seinem Zimmer, seinen Räumlichkeiten bleiben kann oder ob eine Verlegung auf eine Pflegestation vorgeschrieben ist?
Die
Pflegereform 2008 sieht eine besondere Betreuung von dementen Menschen vor. Bei der
Wahl eines Pflegeheimes sollten die Fragen nach dem Umgang mit dem Krankheitsbild Demenz nicht fehlen.
- Gibt es eine spezielle Demenzbetreuung?
- Wie wird der erhöhte Pflegebedarf geregelt?
- Ist das Pflegeheim überhaupt darauf eingestellt?
Sollten Sie hierzu oder zu anderen Themen rund um die Pflege weitergehende Fragen haben und Hilfe benötigen, werden Betroffene und Angehörige diese demnächst in den
Pflegestützpunkten finden. Hier wird nicht nur eine individuelle, neutrale und unabhängige Pflegeberatung vorgenommen, sondern hier wird der Betroffene über alle Hilfsangebote informiert, alle Anträge werden gestellt und gemeinsam mit den
Pflegeberatern/innen wird der Betroffene die bestmögliche Unterstützung bekommen.
Wo bereits Pflegestützpunkte eingerichtet wurden finden Betroffene und deren Angehörige auf der Internetseite
www.pflegestuetzpunkte-online.de.