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VW Touareg: Ballast abgeworfen

Autor: autonet | Erstellt am: 18.12.2010 | Gelesen: 4396
Kategorie: Auto - Motor & Verkehr | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Der VW Touareg übt sich in Zurückhaltung, sowohl bei der Optik als auch beim Verbrauch.

VW Touareg
VW Touareg
Als wäre das SUV-Segment ihr ureigenstes – so präsentiert sich die Marke VW mit dem heuer neu aufgelegten Touareg. Erwachsen, robust und wahrlich ausgeglichen steht der große Wolfsburger da. Und wenn man drinnen sitzt, kommen einem wohl als Letztes Gedanken über den ursprünglichen Sinn des Firmennamens – Volkswagen. Der Wagen für das Volk – wohl kaum bei einem Einstiegspreis von 62.350 Euro. Aber man könnte es ja auch ein wenig sozialromantisch sehen und den Mann aus dem Volk beglückwünschen, der es geschafft hat, sich soweit hinauf zu arbeiten, bis er sich den Touareg leisten konnte.

Was macht den neuen Touareg aus?

Er ist kein Über-Drüber-SUV. Im Vergleich zum Vorgänger hat man sich still und heimlich von den „Ich-komme-auch-in-den-letzten-Winkel-dieser-Welt"-Offroad-Fähigkeiten verabschiedet. Das neue Allradsystem 4Motion arbeitet nach bekannten Mustern mit selbstsperrendem Torsenverteilergetriebe und einem Offroad-Fahrprogramm, das auf Knopfdruck die elektronischen Assistenzsysteme auf den Geländeeinsatz abstimmt. Die feinen Geländeeigenschaften des ersten Touareg wussten zwar zu beeindrucken, so wirklich an die physikalischen Grenzen des Fahrzeuges wollte aber wohl kaum ein Touareg-Besitzer gehen. Daher ist es ein durchaus nachvollziehbarer Schritt, dass man sich bei VW nun zu dieser Antriebslösung entschieden hat und das Bewältigen schwierigster Untergründe Spezialisten wie Land Rover überlässt. Wobei sich auch hier die Frage stellt, welcher schrullige Lord schindet seinen Rangie derartig bis zur Kaltverformungsgrenze des teueren Blechs.

VW Touareg
Die Designer haben ein echtes Kunststück geschafft. Der Touareg ist zwar länger und breiter geworden,
wirkt aber optisch fast ein wenig kleiner – nicht mehr so ausladend und opulent.
Dezentes Auftreten ist angesagt. Ein Zugeständnis an die Kritiker großer SUV-Modelle?


VW Touareg Heck
Vielleicht? Oder doch einfach nur die Erkenntnis, dass „schlicht“ das neue „schön“ ist?
An schönen Details hat der Touareg einiges zu bieten. Zum Beispiel die LED-Rücklichter mit der markanten Grafik.
So ist auch bei Dunkelheit stets klar, dass man sich gerade hinter einem Touareg befindet.
Die verchromten Endrohre sind übrigens Teil des optionalen Design-Pakets „Chrom & Style“.


Es geht auch steiler

Und so wirklich hilflos ist der Touareg mit dem 4Motion-Allradantrieb schließlich auch nicht. Steigungen bis 31 Grad sind kein Problem für ihn und Fahrten durch 50 Zentimeter tiefes Wasser können ihm auch nichts anhaben. Wem das dennoch nicht reichen sollte, der hat die Möglichkeit den Touareg V6 TDI mit 4X-Motion-Allradantrieb zu bestellen, denn ganz in Vergessenheit haben die VW-Techniker den bewährten Allradantrieb aus der ersten Touareg-Generation nicht geraten lassen. Gegen 2100 Euro Aufpreis bekommt man einen Offroader mit sperrbarem Zentraldifferenzial, Reduktionsgetriebe und Hinterachs-Differenzialsperre. Dann werden auch Steigungen bis 45 Grad bewältigt. In Verbindung mit der optionalen Luftfederung, kann die Bodenfreiheit auf bis zu 300 Millimeter angehoben werden. Für unseren Test reichte die 4Motion-Version, die zudem sehr bedienerfreundlich ist – über einen Drehschalter wechselt man von Onroad- ins Offroad-Programm mit den angepassten Assistenzsystemen und aktivierter Bergabfahrhilfe. Weiters bietet der 4Motion-Antrieb auch einen Verbrauchsvorteil.

VW Touareg von der Seite
Der Touareg ist um vier Zentimeter in der Länge gewachsen, aber fast zwei Zentimeter niedriger als sein Vorgänger.
Der Radstand wuchs fast im gleichen Ausmaß wie die Länge, was ein klarer Vorteil für das Platzangebot im Fond ist.
Die Rücksitzbank lässt sich nun um 16 Zentimeter in der Länge verschieben.
Das Kofferraumvolumen beträgt zwischen 580 und 1642 Liter.


Radikale Abspeckkur

Der Verbrauch war ein zentrales Thema bei der Entwicklung des neuen Touareg, stehen doch die großen SUV-Modelle im bösen Eck, wenn es um Umweltdiskussionen geht. Volkswagen war nicht tatenlos um den Verbrauch zu senken. Obwohl der Touareg etwas länger und breiter geworden ist, wurde das Gewicht um rund 200 Kilogramm abgespeckt. Noch beeindruckender ist aber, was sich unter der Motorhaube abspielt. Der V6 TDI als Basismotor leistet zwar weiterhin 240 PS und hat ein maximales Drehmoment von 550 Nm, der Verbrauch wurde allerdings im Vergleich zum Vorgänger um 1,9 Liter auf 7,4 Liter im Durchschnitt gesenkt. Das reduziert den CO2-Ausstoß um 49 g/km auf 195 g/km. Das macht ihn noch nicht zum Umwelt-Star, ist für ein SUV-Modell aber eine sehr respektable Leistung. Zumal auch der reale Verbrauch im Alltag nicht wesentlich über den Werksangaben liegt. Im Test waren es 7,5 bis 8,5 Liter.

VW Touareg Motor
Für unseren Test stand der Touareg mit dem V6-TDI-Motor zur Verfügung. Wie schon im Vorgänger leistet
der Common-Rail-Motor 240 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 550 Nm zur Verfügung.
Ein Kraftangebot, das ausreicht um die 2179 Kilogramm Leergewicht auf Wunsch auch sehr agil zu bewegen.
Dank des fein abgestimmten Fahrwerks liegt der Touareg dabei sehr satt auf der Strasse.


So freut man sich beim Fahren einerseits über die erträglichen Verbrauchswerte und andererseits über die Souveränität der Fortbewegung. Der V6-Motor klingt nicht nur satt, sondern ist auch ausreichend kräftig. Erhaben gleitet man durch die Stadt, ein Druck aufs Gaspedal wird umgehend in Vortrieb umgesetzt, Es stehen immer genügend Reserven für ein Überholmanöver bereit. Herrlich in dieses Konzept passt auch die neue serienmäßige Achtgang-Automatik, die unmerklich und rasch die Gänge wechselt. Keine Probleme hat das Automatikgetriebe auch mit dem serienmäßigen Start-Stopp-System. Steht das Fahrzeug etwa bei einer Ampel, wird der Motor automatisch abgestellt. Nimmt man den Fuß von der Bremse springt das Aggregat umgehend wieder an. Trotz seiner Größe und des hohen Aufbaus, lässt sich der Touareg angenehm bewegen. Die Techniker haben beim Fahrwerk nicht nur deutliche Gewichtseinsparungen erzielt, sondern auch einen feinen Mix aus Komfort und agiler Fahrdynamik gefunden. Optional bietet VW statt der Stahlfederung auch Luftfederung an.

Feine Verarbeitung

So zurückhaltend und sparsam sich der Touareg beim Antrieb gibt, so hochwertig ausgestattet und praktisch präsentiert er sich im Innenraum. Nachdem schon Golf und Polo in den kleineren Klassen den Qualitätsmaßstab deutlich nach oben gesetzt haben, darf sich auch der Touareg nicht von der knausrigen Seite geben. Ausstattungsdetails wie Front-, Seiten- und Kopfairbags, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, CD-Radio mit Touchscreen, elektrisch anklappbare Außenspiegel, automatisch abblendender Innenspiegel, Tempomat, Multifunktions-Lederlenkrad und Einparkhilfe vorne und hinten sind serienmäßig. Das Interieur verzichtet auf ausladende Opulenz und ist gleichzeitig sehr übersichtlich, damit auch bedienerfreundlich. Die Oberfläche des Armaturenbretts besteht aus einem weichen, lederartigen Kunststoff, der in so genannter Slush-Technik ausgeführt ist. Für zusätzlichen Glanz sorgen optionale Dekorelemente, wie Nussbaum-Wurzelholz (434 Euro Aufpreis) im Falle unseres Testwagens. Für den stolzen Aufpreis von 4696 Euro bekommt man Leder-Komfortsitze, die sich elektrisch einstellen lassen, beheizt werden können und zusätzlich über pneumatische Luftpolster in den Sitzwangen verfügen, um den Seitenhalt zu verbessern.

VW Touareg Innenraum
So zurückhaltend sich der große Wolfsburger von außen präsentiert, so qualitativ hochwertig,
fein ausgestattet und gleichzeitig übersichtlich präsentiert er sich im Innenraum.
Der Komfort kommt in keinem Fall zu kurz. Das Armaturenbrett überzeugt mit seiner feinen Soft-Touch-Oberfläche
sowie der übersichtlichen und benutzerfreundlichen Anordnung der Bedienelemente.


VW Touareg Tacho
Im neuen Instrumentenfeld mit den klar gezeichneten Rundinstrumenten bleibt ein großer Freiraum
für die farbige Multifunktionsanzeige. Dort können Fahrzeuginformationen abgelesen werden
oder optional auch die Navigationsanweisungen eingeblendet werden.


Die praktische Seite

Ganz ohne Aufpreis gibt es die neue dreigeteilt umlegbare Rücksitzbank. Die Sitzlehnen lassen sich in der Neigung verstellen, die ganze Sitzbank kann außerdem in der Länge verschoben werden und gönnt den Fond-Passagieren großzügigen Freiraum. Per Fernentriegelung können die Lehnen vom Kofferraum aus umgelegt werden. Es entsteht ein ebener Laderaum mit bis zu 1642 Liter Fassungsvermögen. 520 Liter sind es bei aufgestellter Rücksitzbank. Gegen Aufpreis gibt es ein Gepäckmanagement-Paket mit Schienen im Kofferraum, auf denen sich Spanngurte, eine Teleskopstange oder Verzurrösen montieren lassen oder auch eine elektrisch bedienbare Heckklappe. Hervorragend geeignet ist der VW Touareg natürlich auch als Zugfahrzeug, verfügt er doch über eine zulässige Anhängelast von bis zu 3500 Kilogramm. Dafür bietet Volkswagen eine auf Knopfdruck schwenkbare Anhängevorrichtung für 895 Euro Aufpreis an.

VW Touareg Bluemotion Technology
Die Leistung ist aber nicht das vorrangige Thema beim V6 TDI, der den Zusatz Bluemotion Technology trägt.
Damit summiert Volkswagen die Spritsparmaßnahmen. Einerseits wurde der Touareg um rund 200 Kilogramm leichter.
Andererseits hat man durch innermotorische Maßnahmen den Verbrauch deutlich senken können.
Nicht zuletzt dank serienmäßigem Start-Stopp-System begnügt sich der V6 TDI mit 7,4 Litern Diesel pro 100 Kilometer.


Fazit
Die neue Touareg-Generation hat einiges an Ballast abgeworfen, ist geradliniger geworden und wirkt mehr geerdet. Qualität, Anmutung und Fahrkomfort haben sich spürbar verbessert, dazu bietet Volkswagen ein umfangreiches Mehrausstattungs-Programm und zahlreiche neue Assistenzsysteme an. Erfreulich sind die Verbrauchseinsparungen beim V6-Diesel, die auch in der Realität erfahrbar sind. Wie nicht anders zu erwarten gibt es beim Preis allerdings keine großen Schritte nach unten. 62.350 Euro Basispreis für den Touareg V6 TDI sind aber ein fairer Preis. Damit liegt er knapp unter dem BMW X5 und deutlich unter dem gleich stark motorisierten Konzernbruder Audi Q7, dem ML 350 CDI von Mercedes oder dem Range Rover Sport.

von Thomas Weibold, autonet.at
 
 
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