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VW Polo Bluemotion: Reality-Check

Autor: autonet | Erstellt am: 06.10.2010 | Gelesen: 2081
Kategorie: Auto - Motor & Verkehr | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - autonet.at macht die Probe aufs Exempel und prüft ob der neue Polo Bluemotion von Volkswagen tatsächlich 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbraucht.

autonet.at hat den VW Polo Bluemotion getestet.
autonet.at hat den VW Polo Bluemotion getestet.
Die Erwartungen sind groß, vor Fahrtantritt mit dem neuen Extrem-Sparer von Volkswagen, dem Polo Bluemotion. 3,3 Liter im Durchschnitt: Das ist schon eine starke Ansage. Jetzt ist uns schon klar, dass man, um diesen Wert zu erreichen, schon eine gehörige Portion Know-How im Bereich effizienten Fahrens anwenden muss. Meister ihres Faches schaffen das, oder zumindest einige wenige Zehntel darüber, mit Sicherheit, das wollen wir gar nicht leugnen. Worum es uns aber in unserem Test geht, ist, wie viel der Polo Bluemotion verbraucht, wird er so gefahren, wie Autos gemeinhin gefahren werden: ohne spritsparerische Kapriolen wie etwa vorausschauendes Fahren, erpicht, schnellstmöglich von A nach B zu kommen, Musik im Ohr, klimagekühlt, oder- erwärmt, die Gedanken beim nächsten Termin oder dem letzten Beziehungskrach. Auf geht´s!

Gewicht runter, . . .

Die Macht der Gewohnheit abzustreifen gilt es gleich zu Beginn: eine Fernbedienung für die Zentralverriegelung gibt es nicht. Der Schlüssel ist in guter alter Manier feststehend und nicht einklappbar. Aha, interessant. Stand in der Preisinformation unseres Testwagen nicht etwas von runden 18.000 Euro? Na, gut, denkt sich der Wohlmeinende, wird vermutlich behufs der Gewichtsreduktion sein. Immerhin wiegt der Superspar-Polo runde 30 Kilo weniger als ein vergleichbarer Kollege ohne den Zusatz „Bluemotion" in der Typenbezeichnung. Also Schlüssel ins Türschloss, aufgesperrt, reingesetzt und Motor gestartet. Und wieder ein Ausflug in vergangenen Zeiten: der 1,2 Liter große 3-Zylinder-Commonrailer nagelt wie weiland die Pumpe-Düse-Selbstzünder in ihren besten Zeiten. Aber Dämmstoffe wiegen immerhin was, und man wollte ja letztendlich auf die 1.070 Kilo kommen, die der Polo BM wiegt. Ob auch die Hartplastikverkleidung des Instrumententrägers auf die Kilo-Fuchserei zurückzuführen ist? Einziges Komfort-Zugeständnis: die elektronische Klimaanlage „Climatic", die aber auch mit einem Aufpreis von 878 Euro recht teuer erkauft ist.

. . . Verbrauch auch

Im Kaltlauf prangt im zentralen Infodisplay im Armaturenfeld erstmals ein Durchschnittsverbrauch von 11 Liter. Schockschwerenot! Hab ich etwa auf den ersten drei gefahrenen Kilometern schon soviel falsch gemacht? Dann aber die Erleichterung: die Verbrauchswerte fallen mit jedem weiteren gefahrenen Meter, wie die Kilos bei der F.X. Mayer-Kur. Mehr als den Direktiven der Schaltpunktanzeige zu folgen sind wir nicht bereit zu tun, wie eingangs erwähnt. Den Rest des effizienten Vorankommens muss der Polo BM machen. Und siehe da, er macht: Beim Ampelstopp schaltet sich der Motor ab und nimmt seine Funktion wieder auf, wird das Kupplungspedal betätigt. Das Start-Stopp-System ist beim Highend-Sparer aus Wolfsburg serienmäßig mit an Bord.

Zu Befehl!

Wir fahren quer durch die ganze Stadt und schalten, wie uns befohlen. Ganz leicht fällt uns das aber nicht. Zum einen, weil die Empfehlungen zum Hochschalten in Momenten kommen, in denen wir rein gefühlsmäßig das Drehzahlband noch einen Tick mehr ausreizen würden. Wir tun aber wie geheißen, und nehmen das brutal niedertourige Brummen in Kauf. Auf der anderen Seite erweist sich der 75 PS starke Dreizylinder als per se quickes, agiles Kerlchen, das sich fein hochdrehen lässt. Aber nein, wir halten an uns und grundeln im Drehzahlkeller herum. Ist ja für einen guten Zweck. Spaßverderber!

Ernste Sache, das Sparen

Nein, lustig ist es nicht, den Polo mit der serienmäßig höchsten Effizienz durchs Innenstadtgewühl zu kutschieren. Aber es könnte noch unlustiger sein, würden wir sämtliche Kniffe spritsparenden Autofahrens anwenden. Allerdings wollen wir ja nicht als Verkehrärgernis gelten. Denn das ist man zwangsläufig, versucht man auf Biegen und Brechen die werkseitigen Verbrauchsangaben zu erreichen.

5,1 Liter im Schnitt

So, und jetzt wollen wir Sie nicht länger auf die Folter spannen. Was haben wir nun im Schnitt nach vierzehn Tagen am Steuer des VW Polo Bluemotion gebraucht? 5,1 Liter. Weniger ist es nicht geworden. Schlecht? Nein, keineswegs. Zumal wir mit ein wenig mehr Anstrengung den von VW apostrophierten Bestwert auf 100 innerstädtisch gefahrenen Kilometern von 4,2 Litern sicherlich erreicht hätten. Allerdings nur unter oben erwähnten Prämissen und ergo unter nicht für den alltäglichen Gebrauch realistischen Bedingungen. Unser Verbrauchsziel hingegen haben wir locker und ohne großartige Verzichtseskapaden erreicht.



. . .  Leichtlaufreifen samt aerodynamisch optimierten Leichtmetallfelgen . . .

Fazit
Der Polo Bluemotion ist ein hochentwickelter Sparer. Keine Frage. Allerdings gehört dazu auch die richtige fahrerische Einstellung. Wer den Wolfsburger mal so aufs gerade Wohl durch die Gegend lenkt und sich nix denkt, wird keine rekordverdächtigen Verbrauchswerte erreichen. Tüftler allerdings, die Spaß daran finden, die hohe Kunst effizienten Fahrens weidlich auszukosten und den Polo BM ein ums andere Mal noch ein Zehntel und noch ein Zehntel abzuzwacken, werden an dem Fahrzeug ihre helle Freude haben - und sicherlich auch alsbald mit der magischen Zahl 3,3 am Bordcomputer belohnt werden. Allerdings muss dann auch noch die Bereitschaft da sein, sich den Spaß ab 17.510 Euro kosten zu lassen.

von Christian Zacharnik,
www.autonet.at

 
 
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