autonet.at unterwegs im neuen VW Passat
Es ist ein relativ risikoloses Unterfangen, einen neuen Passat auf vier Räder zu stellen. So viel falsch können die Wolfsburger gar nicht machen, dass die Mittelklasse-Ikone in Ungnade fallen würde. Seit 1973 gehört der Passat auf den Straßen quasi zum Mobiliar. 15 Millionen mal hat er sich in den 37 Jahren seines Bestehens verkauft. In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen die von Volkswagen aufgestellte nette Zahlenspielerei nicht entgehen lassen: 15 Millionen Stück in 37 Jahren. Das bedeutet, dass statistisch gesehen jeden Tag 1.106 Fahrzeuge an den Mann, beziehungsweise die Frau gebracht wurden. Alle 1,3 Minuten ein verkaufter Passat, 33.632 Stück pro Monat, 400.000 jährlich. Da muss, wie gesagt, schon sehr viel passieren, den höchst erfolgreichen Marathonläufer ins Straucheln zu bringen. Trotzdem ist VW bei der Konzeption seines neuen Passat auf Nummer sicher gegangen.
Voll auf Linie
Und so steht er vor uns, der neue Passat: adrett, gefällig aber eben erwartbar. Wobei letzteres Adjektiv nicht als negative Bewertung interpretiert werden darf. Dass VW seinem Bestseller das neue Markengesicht angedeihen lassen wird, war klar. Und das funktioniert bei Passat ebenso gut, wie bei den bereits zuvor unter Chefzeichner Walter de Silva auf Designlinie gebrachten anderen Modellen des Konzerns. Und vielleicht sogar noch einen Tick besser: die klaren, scharf gezeichneten Linien, die horizontal ausgerichtete Front mit den vier Chromstreben im Grill, die von jeglichen gestalterischen auswüchsen befreiten Scheinwerfer und Heckleuchten. Das Alles kommt der hochseriösen Attitüde des Passat sehr zupass. In seiner Gesamtheit wirkt der neue Passat eine Spur stattlicher als der Kollege der 6. Generation - und das trotz gleich gebliebener Längenabmessungen (Variant: 4.771 mm; Limousine: 4.769 mm).
Seit 37 Jahren gehört er zum internationalen Straßen-Inventar, der VW
Passat.
Insgesamt 15 Millionen Mal hat sich die Mittelklasse-Ikone
seitdem absetzten lassen.
Auf dem Pariser Autosalon haben die
Wolfsburger Anfang Oktober die 7. Generation des Dauerläufers
vorgestellt.Innen neu im Detail
Die Gefahr, dass Passatfahrer am Steuer des Neuen fremdeln, besteht keineswegs. Auf den ersten Blick hat sich nämlich im Innenraum wenig getan. Augenscheinlichstes Novum ist die elegante analoge Uhr im Zentrum der Mittelkonsole. Die weiteren Modifikationen beschränken sich auf nur für eingefleischte Passatkenner ersichtliche neue, chromumrandete Lüftungsdüsen und eine Reihe von neuen Materialien wie gebürstetes Alu und Echtholzapplikationen (beides ab „Comfortline" optional bestellbar). Phaeton- und Touareg-Fahrern bereits bekannt, ist das nun auch im Passat Einzug haltende mehrfärbige Multifunktionsdisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Neues auch beim Gestühl der ersten Reihe, das sich gegen entsprechenden Aufpreis mit Oberklassefunktionen wie Massage und Kühlung ausstatten lassen.
Fremdeln werden bisherige Passatfahrer im neuen Mittelklasse-Wolfsburger
nicht:
Das Interieur wurde mit noch vorsichtigerem Pinselstrich
retuschiert, als das Exterieur.
Am augenscheinlichsten ist die analoge
Uhr im Zentrum der Mittelkonsole.
Dazu gibt es neue Materialein,
chromumrandete, neu positionierte Lüftungsdüsen und
eine mehrfarbige
Multifunktionsanzeige zwischen tacho und Drehzahlmesser. Leisetreter
Überhaupt: der Komfort ist es, dem die Wolfsburger beim neuen Passat ganz klar ihr Hauptaugenmerk zuteil werden ließen. So wurde etwa die Akustik im Innenraum deutlich verbessert. Das zeigt sich uns bei den ersten Testfahrten rund um Barcelona ganz deutlich beim Basisdiesel, dem 105 PS starken 1.6 TDI. Selbst bei Autobahngeschwindigkeit ist nur entferntes Gemurmel zu vernehmen. Nun ist es soweit: Das von Dieselgegnern oft bemühte Argument der Lautstärke verliert im neuen Passat vollends an Schlagkraft. Erreicht wurde das durch eine neue, aus mehreren Schichten aufgebaute 4,46 Millimeter dicke Windschutzscheibe, in deren Mitte sich eine so genannte Akustikfolie befindet. Auch das Armaturenbrett wurde mit verbesserten Dämmmaterialien hinterfüttert. Wer eher auf kühle Zahlen, denn auf subjektives Empfinden wert legt: VW gibt die Reduzierung der Innraumgeräusche etwa bei Einstiegsbenziner 1.4 TSI mit 122 PS mit Minus 2 Dezibel an. Klingt im ersten Moment nicht viel, gewinnt aber an Aussagekraft, bedenkt man, dass sich das Lärmempfinden alle 3 dB verdoppelt.
Heckwärts wurde aufgeräumt: der neue Passat wirkt mit seinen klar
gezeichneten Rücklichtern ruhiger und eleganter.
In der Topversion ist
die Illumation in LED-Technik ausgeführt. Die Abmessungen sind sowohl
bei Limousine (Länge: 4.769 mm) . . .Neue Komfort-Features
Was heutzutage, wenn von Komfort und Sicherheitsfeatures bei neuen Modellen die Rede ist, nicht fehlen darf, sind Elektroniksysteme wie Spurwechselassistzenz, Müdigkeitswarner, Fernlichtautomatik, Totwinkelassistent und adaptiver Tempomat mit Notbremsfunktion. All das ist im neuen Passat klarerweise optional zu haben. So gut, so bekannt. Was aber wirklich neu ist, und da hat VW wieder einmal einiges vorgelegt, ist das so genannte Easy Open System. Wer sich voll beladen der Passat Limousine nähert muss nur den Fuß unter den Stoßfänger bewegen und schon springt die Heckklappe auf. Ein Gimmick, das demnächst auch in BMW Modellen zum Einsatz kommen wird. Beim Variant ist Easy Open nicht erhältlich. Zu groß ist die Angst vor serienweisen Kinnhacken, die durch die lange Heckklappe ausgeteilt werden und vor allem in den USA eine wahre Prozessflut auslösen könnten. Man kennt sie ja, seine Pappenheimer.
als auch beim Variant (4.771 mm) im Vergleich zum Vorgänger gleich
geblieben.
Rundum wurde mit Einsatz am Chrom-Zierrat nicht gespart.
Selbst in der Einstiegsversion Trendline glänzen die Streben
des Kühlergrills metallisch. Bis zu minus 18 Prozent Verbrauch
Beim Motorenangebot findet nach wie vor jeder Topf seinen Deckel: Wie schon beim Vorgänger gibt es 10 Motorisierungen zu Auswahl. Neu ist, dass sämtliche Aggregate mit Direkteinspritztechnik und 6-Gang-Schaltung versehen sind. Das Benziner-Portfolio umfasst nun ausschließlich TSI-Motoren. Den Einstieg markiert der 1.4er mit 122 PS und einem Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern. Der 1.8-TSI leistet 160 PS bei im Schnitt 6,9 Litern, gefolgt vom 211 PS starken Direkteinspritzer mit 2 Litern Hubraum. Die Phalanx bildet bei den Benzinbrüdern der 300-PS-V6 mit 4Motion. Letzterer wird Anfang 2011 nachgereicht. Für alle Benziner gibts optional das hochgelobte DSG.
Sparsamere Diesel
In ihren Leistungsumfängen gleich geblieben sind die drei Dieselmotoren. Allerdings worde die Effizienz nicht zuletzt dank nun durchgehend verbauter Start-Stopp-Automatik kräftig optimiert. Absoluter Sparmeister im selbstgezündeten Verein ist der 1.6 TDI mit 105 PS. Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Treibstoffverbrauch von 4,4 auf 4,2 Liter reduziert. autonet.at hat sich bei der Präsentation von der ausnehmenden Wirtschaftlichkeit dieses Motors überzeugen können. Trotz gar nicht zurückhaltender Fahrweise stand am Ende unserer innerstädtischen Testroute ein sehr beachtlicher Wert von 5,1 Liter auf dem Bordcomputer – und das bei absolut ausreichender Dynamik. Des weiteren finden sich im Diesel-Portfolio zwei 2-Liter-TDI mit 140 und 170 PS deren Durchschnittsverbrauch ebenfalls erheblich reduziert wurde. Die beiden Letzteren sind mit 6- oder 7-Gang-DSG kombinierbar. Dem Vernehmen nach ist aber auch für den Einstiegsdiesel im kommenden Jahr das automatisierte Doppelkupplungsgetriebe erhältlich. Und das macht den 1.6 TDI zur ersten Wahl in der autonet-Bewertung.
Preis und Marktstart
Die detaillierten Preislisten für den neuen VW Passat sind erst in der Ausarbeitung. Fest steht bereits allerdings, dass sich die Kunden auf leicht reduzierte Anschaffungskosten freuen dürfen. So kostet die Einstiegsvariante, die 122 PS starke 1.4 TSI Trendline Limousine mit rund 26.000 Euro um einige Hunderter weniger als das Vergleichsmodell des Vorgängers. Der Marktstart in Österreich erfolgt im Laufe des November. Ein genauer Stichtag wurde bislang noch nicht genannt. Sobald bekannt, werden wir Sie hier an dieser Stelle wie gewohnt informieren.
von Christian Zacharnik, autonet.at