Der neue VW Jetta: Schon gefahren
Mittelklasselimousinen sind ja nicht gerade das, wonach sich die Kundschaft in Europa verzehrt. Hatchback, Kombi, Kompakt-SUV und -Van, das ist das, worin sich das fahrende Volk der alten Welt gerne sieht. Mit dieser Attitüde stehen wir weltläufig allerdings so ziemlich alleine da. In den USA etwa gilt die klassische Stufenhecklimo als das Maß der Dinge, soll es mal kein Fullsize-SUV sein. Ähnliches gilt für den asiatischen Raum und Südamerika. Auf den VW Jetta umgemünzt ergibt sich folgendes Bild: Drüben ein Renner, hüben eine lahme Krücke, was den Absatz betrifft. Das verzerrt unsere Sichtweise auf den bereits seit fünf Generationen die Straßen der Welt bevölkernden Jetta: Satte 10 Millionen Mal hat er sich bislang verkauft, wie Volkswagen stolz preisgibt. Hätte man uns gefragt, wir hätten ihm lediglich einen Bruchteil davon zugestanden.
Ressentiments abstreifen
Nun könnte sich Volkswagen ja mit diesem Erfolg zufrieden geben und den Jetta wie gehabt, vielleicht mit gelegentlichen kleineren Updates, weiterlaufen lassen. Das allerdings verträgt sich nicht mit dem Ehrgeiz der Deutschen. Man will ja auch, wenn man das in Zeiten der Globalisierung so sagen kann, in der Heimat was gelten. Also haben die Wolfsburger ihr Knowhow gebündelt und den Jetta einem kompletten Relaunch unterzogen. Herausgekommen ist eine Limousine nachgerade smarten Zuschnitts, die geeignet ist, den Europäern ihre Aversionen gegen Mittelklasselimousinen gründlich auszutreiben. Fast ist man geneigt zu vermeinen, mit dem Jetta Nummer 6 könnte so etwas wie eine Renaissance dieses Fahrzeugsegment eingeläutet werden.
Mit dem biederen Altherrenauftritt der vorangegangenen Modelle hat der
Neue nicht mehr viel zu tun.
Die sportiv flache Silhouette mit der um 6
Zentimeter abgesenkten Dachlinie gemahnt an den feschen Passat CC.
Der
Frontpartie ist ein gewisses Quantum Dynamik nicht abzusprechen.
Was aber viel mehr erstaunt ist die Heckansicht, die beim Jetta
irgendwie um einiges gelungener
wirkt als bei den sonst jüngst auf die
neue Design-DNA der Marke eingeschworenen Modellen.
Gewisse
Audi-Anleihen sind bei der Ansicht der Jetta-Rückseite nicht zu leugnen.Stimmiges Design
Die Erwartung, beim visuellen Erstkontakt mit dem neuen Jetta augenblicklich einen Anfall akuter Narkolepsie zu erleiden, erfüllt sich keineswegs. Ganz im Gegenteil: mit dem biederen Altherrenauftritt der vorangegangenen Modelle hat der Neue nicht mehr viel zu tun. Die sportiv flache Silhouette mit der um 6 Zentimeter abgesenkten Dachlinie gemahnt an den feschen Passat CC. Der Frontpartie ist ein gewisses Quantum Dynamik nicht abzusprechen. Was aber viel mehr erstaunt ist die Heckansicht, die beim Jetta irgendwie um einiges gelungener wirkt als bei den sonst jüngst auf die neue Design-DNA der Marke eingeschworenen Modellen. Gewisse Audi-Anleihen sind bei der Ansicht der Jetta-Maschekseite nicht zu leugnen.
Hochwertiges Interieur
Innen, ein VW wie er leibt und lebt. Übersichtlich, hochwertig, perfekt verarbeitet. Die Qualität ist es, der Volkswagen hier besonders Augenmerk zuteil werden ließ. Das kann auch der Passat nicht besser. Selbst die Beinfreiheit im Fond des Jetta ist tatsächlich beim größeren Bruder um nicht vieles üppiger bemessen – der Verlängerung des Radstands auf 2,65 Meter sei Dank. Der mit 510 um lediglich rund 50 Liter weniger fassende Kofferraum lässt dann endgültig die Frage aufkeimen, ob der neue Jetta und der Passat nicht vielleicht doch Gefahr laufen einander zu kannibalisieren.
Innen, ein VW wie er leibt und lebt. Übersichtlich, hochwertig, perfekt
verarbeitet.
Die Qualität ist es, der Volkswagen hier besonders
Augenmerk zuteil werden ließ.
Das kann auch der Passat nicht besser.
Selbst die Beinfreiheit im Fond des Jetta ist tatsächlich
beim größeren
Bruder um nicht vieles üppiger bemessen – der Verlängerung des Radstands
auf 2,65 Meter sei Dank.Motorenportfolio
Ab Marktstart im Februar wird der neue Jetta mit vorerst drei Motorisierungen verfügbar sein: die Basis bildet der 105 PS starke 1.2 TSI mit manuellem 6-Gang-Getriebe und einem Durchschnittsverbrauch von 5,7 Liter. Der gleich starke 1.6 TDI verbraucht 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Beide Motoren sind auch mit der effizienzsteigernden BlueMotion-Technology (Start-Stopp, Rekuperation) zu haben. Der Verbrauchsvorteil beträgt 0,4 Liter beim Benziner und 0,3 beim Diesel. Die vorläufige Topmotorisierung ist der 2.0 TDI mit 140 PS, wahlweise mit sechsstufigem manuellem oder DSG-Getriebe. Im Sommer wird das Angebot noch um den 1.4 TSI mit 122 und 160 PS und den 2.0 TSI mit 200 PS erweitert. Für diese Motoren ist das 7-Gang-DSG verfügbar.
Einstiegsbenziner erste Wahl
Bei den ersten Fahrtests mit dem neuen Jetta standen die beiden Einstiegsmotorisierungen 1.2 TSI und 1.6 TDI zur Disposition. Im direkten Vergleich konnte hier eindeutig der Benziner überzeugen. Sein Atout ist neben der guten Laufruhe das merklich bessere Ansprechverhalten. Das mit 250 um rund 70 Newtonmeter höhere Drehmoment kann der Commonrailer nicht wirklich zu seinem Vorteil nutzen. Mit einem Beschleunigungswert von 11,7 Sekunden bleibt er mit acht Zehntel hinter jenem des Direkteinspritzbenziners zurück.
Dass man es mit dem Jetta in Europa wirklich ernst meint, zeigt das
breite Motorenportfolio.
Zum Marktstart im Februar sind zwar nur drei
Motoren erhältlich: ein Turbobenziner mit 105 PS
und zwei
Common-Rail-Diesel mit 105 und 140 PS. Im Sommer kommen
aber noch drei
Benzinmotoren mit 122, 160 und satten 200 PS dazu.Komfortables Setting
Das Fahrwerk des Jetta ist klar auf Komfort ausgelegt. Straßenunebenheiten werden generös ausgebügelt. Ein Umstand, der dann vielleicht doch deutlich macht, dass es wohl eher die gesetztere Klientel ist, die VW mit den Jetta VI anpeilt. Die neu konzipierte Vierlenkerhinterachse vermittelt eine stabile Straßenlage.
Preis und Ausstattung
Zur Basisausstattung (Trendline) des Jetta zählen neben sechs Airbags, ESP, Klimaanlage auch elektrische Fensterheber in allen Türen und ein kühlbares Handschuhfach. Die zweite Ausstattungslinie Comfortline wird noch um Features wie diverses Chromzierrat am Exterieur, 16-Zoll-Alus, Radio-CD-System, Lederlenkrad und Parkpilot vorne erweitert. Die Top-Austattung Highline ist zusätzlich mit 17-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlicht, Klimaautomatik und hochglänzenden Materialien im Interieur ausgestattet. Die Liste der Optionen umfasst etwa das Keyless Access-System und die Fernlichtautomatik Light Assist. Die Preise starten bei 21.990 Euro für den 1.2 TSI. Die BlueMotion-Variante kostet hier 22.650 Euro. 23.930 Euro sind es, die für den 1.6 TDI aufgewendet werden müsen. In Kombination mit BlueMotion Technology und 7-Gang-DSG sind für diese Motorisierung ab 25.970 Euro fällig. Der 2.0 TDI mit 140 PS ist schließlich ab 26.190 Euro zu haben.
von Christian Zacharnik, autonet.at