(Online-Artikel.de) - Wickeln und Windows - immer mehr Frauen gelingt der Spagat zwischen Privat- und Berufsleben. Doch ums Thema Rente machen viele einen großen Bogen. Dabei müssen gerade sie besondere Vorkehrungen treffen.

Dass Frauen in ihrem Beisein auf einmal ganz blass um die Nase werden, passiert Heide Härtel-Herrmann des Öfteren. Dann nämlich, wenn die unabhängige Beraterin vom Frauenfinanzdienst in Köln ihren Klientinnen vorgerechnet hat, dass sie für ihre Altersvorsorge bisher viel zu wenig getan haben. Denn leider kümmern sich Frauen im Schnitt immer noch seltener als Männer um ihre Geldangelegenheiten und sind meist auch schlechter informiert. Schade eigentlich – denn wenn Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen, dann oft richtig erfolgreich: Mehreren Untersuchungen zufolge erzielten Frauen mit ihren Depots eine höhere Performance als Männer, investierten dabei aber konservativer und gezielter.
Früh mit der Vorsorge beginnen
„Gerade für Frauen ist das Thema private Altersvorsorge besonders wichtig", bekräftigt Merten Larisch, Altervorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Bayern. „Je früher sie damit anfangen, desto besser." Dann nämlich lässt sich schon mit geringen Sparraten auf lange Sicht ein ansehnlicher Kapitalstock aufbauen. „Das ist der Charme des Zinseszinses", so Härtel-Herrmann.
Typisch weibliche Rentenprobleme
Frauen haben es zumeist schwerer als Männer, sich eine hinreichende Altersvorsorge aufzubauen. Das hat vor allem drei Ursachen:
- Gebrochene Erwerbsbiographie
Familienpause, Teilzeitjob oder gar Austritt aus dem Erwerbsleben der Kinder wegen - all das verringert die Ansprüche an die Gesetzliche Rentenversicherung. - Gleiche Arbeit - ungleicher Lohn
Frauen verdienen auf gleicher Position im Schnitt etwa 20 Prozent weniger als Männer. Das schmälert später ihre Rente. - Frauen leben länger als Männer
Sie müssen im Alter mit ihrem zusätzlich privat Ersparten länger auskommen.
Frauen haben es gleich in mehrfacher Hinsicht schwerer als Männer vorzusorgen (siehe Kasten links). Statistisch betrachtet leben sie länger – und brauchen daher im Alter länger Geld. Eine derzeit 35 Jahre alte Frau hat laut Deutscher Aktuarvereinigung eine Lebenserwartung von 96,5 Jahren, ein Mann „nur" von 92,1 Jahren. Und ein heute geborenes Mädchen hat die Aussicht, sogar 103 Jahre alt zu werden. Angenommen, es geht mit 67 in Rente, dann muss es 36 Jahre finanziell überbrücken.
Doch womit? Die Höhe der späteren gesetzlichen Rente hängt wesentlich von der eigenen Erwerbsbiographie ab – also vor allem vom Gehalt und der Anzahl der Beschäftigungsjahre. Frauen sind jedoch im Schnitt nur 26 Jahre, Männer dagegen 37 Jahre lang berufstätig. Ihre Rentenansprüche sind daher meist viel niedriger als die der Männer – und werden häufig noch überschätzt (siehe Grafik unten rechts). Viele Frauen steigen ganz oder zeitweise aus dem Job aus, wenn sie ein Kind bekommen – und unterlassen es in dieser Zeit, sich privat einen Grundstock fürs Alter aufzubauen. Wenn dann auch noch die Scheidung kommt, wird es für viele richtig bitter (siehe Lexikon). „Vogel-Strauß-Verhalten ist ein großer Fehler", urteilt Härtel-Herrmann. „Frauen in der Kinderpause sollten darauf bestehen, aus dem gemeinsamen Familieneinkommen regelmäßig für eine eigene Zusatzrente zu sparen."
Höchste Zeit für Frauen also, sich mehr um die Rente zu kümmern – und sich dabei nicht auf die Männer zu verlassen. Wie immer gibt es keine Patentlösung. Vorausgesetzt, die Risikoabsicherung ist in trockenen Tüchern (siehe ab Seite 28), sollten Frauen sich vor allem drei Fragen vornehmen: Was brauche ich im Rentenalter, was habe ich schon und was brauche ich zusätzlich noch, um eine etwaige Versorgungslücke zu schließen.