Gibt es eine schönere und spannendere Zeit, als die Zeit der Vorfreude?Vorfreude auf den Frühling, auf die warme Jahreszeit, auf die ersten Blumen, Spaziergänge, auf Ostern und strahlende Kinderaugen.
Kinder sind die Zukunft.
Kinder liegen mir sehr am Herzen.Während ich Anfang des Jahres an der Osterhasengeschichte "Pepi" arbeitete und Illustrationen entwarf, die Nächte mit den Figuren "Pepi" und "Loli" verbrachte, brachen in Madagaskar politische Unruhen aus. Die Folge dort: mehr Unsicherheit, mehr Armut.
In Madagaskar liegt ein Teil meines Herzens.Mein Hilfeprojekt "Antsika" gründete ich 2005, baute einen Brunnen mitten in der Pampa, damit mehr als 340 Menschen sauberes Wasser bekamen und mittlerweile betreut das Projekt mehr als 20 Patenkinder.
Nun saß ich an der Osterhasengeschichte für Kinder im deutschsprachigen Raum und blühte bei dieser kreativen Tätigkeit auf. So viel Spass am Schreiben, am Malen, Zeichnen, so viel Vorfreude! Doch nebenbei verfolgte ich die Unruhen auf der roten Insel, dem letzten Paradies, Madagaskar.
Die Osterhasengeschichte entwarf ich schon vor Jahren bei Stromausfall und Kerzenlicht (2005) in Mahajanga, an der Westküste von Madagaskar.
Nun endlich sollten sich Kinder darüber freuen, die Grafiken ansehen und den Hasen "Pepi" kennen lernen. In der Geschichte werden die Fragen, warum der Hase die Eier bunt malt und warum er sie auch noch jedes Jahr versteckt, auf lustige Art und Weise beantwortet. Zum Buch entstanden - nebenbei - einfach durch die Freude an der Arbeit, drei Osterlieder für Kinder.

Von dem interessierten österreichischen Kinderbuchverlag verabschiedete ich mich, denn es ging mir zu langsam. Ich wollte meine Power nicht bremsen lassen. Wer schon mal ein Buch veröffentlichte, dazu ein Hörbuch und Kinderlieder, alle Aufgaben selbst übernahm bis hin zum Marketing, weiss von welcher Arbeit ich rede, welchen Enthusiasmus man an den Tag legen muss. Und alles unter Zeitdruck ... denn Ostern lässt sich schlecht zeitlich verschieben. Man lernt, wie es nicht geht und wie es gehen kann...
Es war und ist eine spannende Zeit. Meine Quellen der Kraft sind: Liebe und Freude. Ich hatte diese Quellen angezapft und nun sprudelten sie unaufhörlich.
Nun lag das Kinderbuch endlich vor, viele Ideen zu Veranstaltungen rund um das Osterfest und Kinder-Events wurden geboren und werden umgesetzt. Da kam der Wunsch und der Gedanke, diese Begeisterung und Freude an der Kreativität zu teilen, weiter zu geben.
Ein Malwettbewerb für Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren wurde ausgeschrieben. Das Thema "Rund um das Osterei" soll die Vorfreude steigern. Die Preise sind keine Luxusgüter, keine begehrte Spielekonsole. Die Gewinner erhalten ein Buch und/oder eine CD. Der Einsendeschluss ist der 10. April. Es geht in erster Linie um die Freude und den Spass am Malen, an der Vorfreude auf das Osterfest. Tolle Idee!
Gestern erreichte mich die Nachricht, dass eins meiner Patenkinder in Mahajanga, Louisiane, tödlich verunglückte. Sie ertrank im Meer, während ihre Mutter arbeitete und ihr kleiner Bruder am Strand nach ihr rief. Es gibt dort keine Rettungsschwimmer, keine Rettungssanitäter, keine SMH-Fahrzeuge. Und selbst, wenn es sie gäbe. Louisianes Familie hätte sie nicht bezahlen können.
Die Menschen dort kämpfen ums Überleben. Louisiane kannte kein Spielzeug, keine Spielekonsole. Sie lebte mit ihrer Grossmutter, ihrer Mutter und zwei kleineren Geschwistern in bitterster Armut. Einer Armut, die wir uns hier nicht vorstellen können, die selbst einem weitgereisten Europäer einen Kulturschock verpasst.
Louisiane saß abends mit ihrer Familie bei einer Kerze auf dem Zementboden. Sie hatte kein Bett, nicht mal einen Stuhl. Louisiane wurde 10 Jahre alt. Sie war ein unheimlich fröhliches Kind. Mich traf diese Nachricht wie ein Hammerschlag. Was tu ich hier in meinem Spass, in meiner Freude?

Die Trauer über den Tod des Mädchens wird begleitet von den finanziellen Sorgen der Familie. Eine Beisetzung ist auch in Madagaskar teuer. Der traditionelle Totenkult ist in Madagaskar legendär und für den Zusammenhalt der Sippe sehr wichtig. Aus dem ganzen Land kommen die Angehörigen zusammen, oft sind es mehr als 300 Menschen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
Aber die Hinterbliebenen werden in Schulden gestürzt. Das Hilfeprojekt "Antsika" wird die Familie unterstützen, aber eben nur im Rahmen des Möglichen.
Da saß ich nun, geschockt, ernüchtert, auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Das Osterhasenprojekt auf der einen Seite, Begeisterung, Freude und Spass; die Trauer um Louisiane und die Anteilnahme für die Kinder in Madagaskar auf der anderen Seite. Diese Zerissenheit möchte ich verbinden. Und so geht ein Teil des Erlöses vom Kinderbuch "Pepi" und dem Hörbuch "Pepi" in das Hilfeprojekt "Antsika", um der Familie von Louisiane eben etwas mehr als das "Übliche" helfen zu können.
Nun wünsche ich mir eine rege Teilnahme am Malwettbewerb, an den Veranstaltungen zum Osterfest und dass sich viele Menschen zum Kauf des Buches entschliessen. Damit helfen sie mir, diesen Kindern in Madagaskar zu helfen und speziell Louisianes Familie. Lasst uns das Licht der Freude in die Dunkelheit tragen.
Ich habe bisher viele Zuschriften bekommen mit guten Wünschen. Dazu kann ich nur sagen: "Danke, aber mit Wünschen kann man auch in Madagaskar keinen Reis und kein Brot kaufen!" Taten zählen und nur Taten. Alles andere ist Luft!
"Wer die Ärmsten der Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug, zu helfen." Albert Schweizer.
Meinen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Angela Wittkowski, geb. Annecke