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Von Wien zu den Zauberbergen

Autor: Playagriff | Erstellt am: 09.03.2011 | Gelesen: 712
Kategorie: Reisen - Urlaub & Tourismus | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Ein Ausflugsziel im Süden von Wien, nicht nur für gestresste Großstadtbewohner, sondern auch für Wien-Besucher, die einen Tag Pause von Sightseeing und Hochkultur machen wollen.

Eva Farohi
Eva Farohi
Kennen Sie Raach am Hochgebirge ? Ja?

Dann müssen Sie nicht weiterlesen – aber bitte: erzählen Sie bloß niemandem etwas über Raach. Es soll unser Geheimnis bleiben. Oder möchten Sie, dass unbekannte Menschen unser Raach entdecken? Durch die unberührte Natur marschieren, jede Blume abreißen, herumschreien und ihren Müll fallen lassen. Nein?

Ich auch nicht. Und darum bleibt Raach unser Geheimnis. Und Schluss!

Als ich zum ersten Mal nach Raach kam, war ich noch ein Kind. Im Bundestagungsheim konnten die Beamten und ihre Familien zu Weihnachten und Ostern Ferien machen. Ich habe es damals schon geliebt. Andere in meinem Alter wollten Schilaufen, später dann Party machen, etwas unternehmen. Ich wollte nach Raach. Stundenlang konnte ich durch die Wälder streifen, über die Wiesen laufen oder einfach nur auf einem Baumstumpf hocken und schauen.

Als Malerin wurde die Natur später zum Ausdrucksmittel meiner Bilder. Die Landschaft im Süden, in der Toscana, in Mallorca… Aber immer wieder auch die Landschaft, wie sie zwischen Buckliger Welt und der Region der Zauberberge zu finden ist. Jene Natur, inmitten derer, gleichsam eingebettet am Ende der Welt ein winziges Nestchen namens Raach liegt.

Ein paar Häuser, eine kleine Kirche, ein Landgasthof. Mehr ist es nicht.

In früheren Zeiten war Sommerfrische eine kulturelle Disziplin; und der Semmering ein weltberühmter Luftkurort. Mondän, intellektuell und auserwählt – das war die Klientel, die es sich in den prächtigen Hotels gut gehen ließ. Ein Zweitwohnsitz am Semmering war eine Visitenkarte, ein Bonitätsnachweis. Nicht sehr viel hat sich daran geändert. Auch heute ist der Semmering (wieder) ein Ort der „Action": Schirennen, Haubenküche, Wellness und Golf. Nichts wird ausgelassen, um dem Gast modernen Luxus zu bieten.

Und das ist gut so.

Aber es ist nicht das, was ich will – beziehungsweise was WIR wollen. Denn auch mein lieber Mann zieht die Ruhe und Ursprünglichkeit von Raach dem Rummel der „großen Welt" vor. Und Caya, unser vierbeiniges Kind, die Retriever-Hündin, hat sich von Anbeginn in Raach verliebt. Was natürlich rein gar nichts damit zu tun hat, dass sie vom Wirten des „Diewald-Gasthofs" mit Hundestangerln begrüßt wird…

Beim letzten Besuch war es März. Warm schien die Sonne, wolkenlos blau wölbte sich der Himmel. Doch im Wald, auf dem Weg nach Rams lag noch knirschender eisiger Schnee. Auf über 800 m Seehöhe lässt sich der Winter nicht so schnell verjagen, aber die Luft war wunderbar und die Sonne schien mit richtiger Kraft. Huflattich versuchte sich den Weg zu bahnen, Rehe mit grauem Winterfell und leuchtend weißem Popscherl querten den Weg. Wir gingen den Waldweg bis zum Ramssattel, wo wir auf dem Bänkchen in der Sonne saßen und bestaunten das ganze hügelige Massiv, das sich vor unseren Füßen ausbreitete. Kein Laut weit und breit.

„Man hört die Ruhe", sagte ich. „Ja, unglaublich. Nicht einmal ein Flugzeug", ergänzte mein Mann. Caya sagte nichts. Sie träumte davon, am Heimweg nochmals von der Leine gelassen zu werden, dort, wo im Dreieck der kleinen Straßen das Schneefeld war, um weitere Löcher in den gefrorenen Schnee zu buddeln, so wie sie in ihrer Heimat Mallorca immer Löcher in den Sand gräbt…

Am Rückweg gingen wir über die Straße. Sie verbindet Raach mit Rams und wird vor allem von den Bewohnern der weit verstreut liegenden Gehöfte benutzt. Demzufolge begegnete uns auf dem ganzen Weg ausschließlich ein Traktor, der eine Fuhre Holz zog. Wunderbar war das Einkehren im Gasthof von Raach. Mit dem wohlverdienten Appetit machten wir uns über die Köstlichkeiten her.

Franz Diewald ist ein begnadeter Koch. Viele anspruchsvolle Kochkurse hält er ab und zu Recht stolz ist er darauf, dass einige seiner Schüler heute erfolgreiche Köche sind.

Aber in seinem Gasthof liegt der Schwerpunkt auf Hausmannskost aus einheimischen und frischen Produkten. Und so ließen wir es uns richtig gut schmecken. Befriedigt machten wir uns auf den Heimweg. Vorbei an der mittelalterlichen Burg Wartenstein, der spätere Bauherren ein Dornröschen-Schloss Ambiente verpasst haben, hinunter nach Gloggnitz und über die S6 heim, Richtung Wien.

Es war ein wunderbarer Ausflug. Und nicht nur der Hund schlief in dieser Nacht tief und fest…

 
 
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