in Frankfurt ist alles hoch, was man so sieht (Ausschnitt)
Auf die Frage, ob ich meinen Beruf liebe, gerate ich immer sofort ins schwärmen. Sind es doch so schöne, kreative und außergewöhnliche Begleitumstände, die meine Tätigkeit, die Hobby, Liebe, Berufung und Leidenschaft ist, ausmachen. Die Beschäftigung mit der Kunst, eine der schönsten Befindlichkeiten, da tiefgründig, vielfältig, auf den Punkt gedacht und schlussendlich sich auf die Essenz des Lebens konzentrierend, ist das spannendste, was ich mir für die Tätigkeit meines Lebens vorstellen kann. Ich möchte mit niemanden tauschen.
Ferner ist ein weiterer Glücksfall, dass ich jeder Menge interessanter Menschen und ihrer Umgebung begegne. Sowohl dem Sammler und besonders spannend ist es , wenn ich ihn zu Hause begegnen darf, zwischen seinen Trophäen, als auch dem Künstler. Bestenfalls an seinem Tatort, dem Atelier.
Auch wenn ich es für eine unabdingbare Vorraussetzung eines jeden Galeristen halte, junge und unbekannte Künstler zu fördern (und die Arbeit in der Frankfurter Galerie wagner+marks ist knisternd. Die Gedankenwelt, der jungen Akademieabsolventen oft wie eine erfrischende Dusche für den Geist), ist gerade der Kontakt mit den "Großen" unserer Zeit immer wieder faszinierend. Das Argument "Das sind auch nur Menschen" (und viele unter den großen Namen verhalten sich auch dementsprechend) ist selbstredend auf der einen Seite wahr, dennoch ist es immer wieder ein erhabenes Gefühl einer solchen Begegnung. Ich vergleiche es gerne mit einem Beispiel aus der Kunst. Es ist ein Unterschied, ob man eine Grafik in einer hohen Auflage vor sich hat, oder ein Unikat, wie beispielsweise einem Gemälde. Dieses gibt es nur einmal und der Künstler hat seine Gedanken, seine Fantasie und seine Zeit aufgebracht um es zu schaffen. Für mich, der ich es erworben habe und es nun in den Händen halte. Das, wovon ich spreche ist die Aura. Etwas besonderes, geheimnisvolles und einzigartiges, was das angesprochene umgibt. Das Kunstwerk, als auch den Künstler.
Ob es sich um Elvira Bach, Bruno Bruni, Klaus Fußmann, Günter Grass, Ottmar Hörl oder Günther Uecker handelt. Diesen Menschen in meiner Zeit als Galerist zu begegnen hatte für mich immer etwas besonderes, magisches. Denn diese Künstler hatten etwas Großes bewegt. In der Kunst. Und damit auch etwas in mir. Ganz genauso geht es mir da mit Herrn Janosch (ja, so wird er angesprochen).
Natürlich haben seine Figuren meine Kindheit begleitet, ist die Tigerente ein feststehender Begriff, wie Pippi Langstrumpf oder ..... Wenn man Janosch aber darauf reduzieren würde, würde man gleichwohl auch seine kreative Größe reduzieren. Es ist nicht die großartige Leistung von Herrn Janosch die Tigerente zu erschaffen, sondern sie als ein Teil eines unglaublichen Oevre zu sehen. Er ist nicht allein Geschichten- und Figurenerfinder (nur wenige Künstler zeichnen und schreiben), nein er ist Pädagoge (schon mal die Geschichten von Papa Löwe gelesen ?) und Autor von Geschichten für Große. Er schreibt nicht allein für die Kinder. Für alle hält er etwas bereit. Dabei hält er nicht vor den Berg, nimmt kein Blatt vor den Mund. Muss er auch nicht. Er ist Herr Janosch. Neben seinem Augenzwinkern, seiner schönen, da melodiösen Ironie zeigt er auch seine Wut, seinen Eros, sein "Halt nur bis hier hin" und seine Philosophie des Lebens. Die ist nicht "Friede, Freude, Eierkuchen", sondern auch manchmal unbequem. Wie das Leben eben auch. Basta. So mag man ihn oder lehne ihn ab. Ich liebe ihn und sein Werk gerade dafür. Für seine gnadenlose Kompromisslosigkeit.
Eine weitere Möglichkeit mit ihm umzugehen ist, ihn auf den Papa der Tigerente zu reduzieren. Leider eine arme.
Als ich Herrn Janosch vor zwei Jahren das erste mal begegnete, war ich erst einmal über seine körperliche Größe erstaunt. Ich hatte ihn mir immer kleiner vorgestellt. Sein verschmitztes Lächeln, mochte ich gleich, seinen Händedruck. Seine Art zu reden. Sicher auch die Aura. Die Geschichte(n) um diesen großen Mann... Nicht zuletzt wie er mit den Menschen umging, die ihn um eine Widmung baten, ihn anstrahlten.
In das Gästebuch der Galerie schrieb er neben seine Zeichnung von Günther Kastenfrosch:" Herr Janosch war hier + das war auch endlich nötig." Recht hat er.
Michael M. Marks