Kein gutes Versteck
"Papi, warst du eigentlich immer treu? Und du, Mami, hast du den Papa jemals betrogen?" Früher oder später richten die meisten Kinder diese Fragen an ihre Eltern. Wenn Mama und Papa im einträchtigen Duett auf Frage eins schnell und sicher mit „Ja!" antworten, dann gehören sie der immer kleiner werdenden Spezies der treuen Eheleute an – oder sie sind verdammt gute Schauspieler.
Schock für Männer: Fast jede Zweite geht fremd
Verschiedene Studien zeigen, dass Seitensprünge für immer mehr verheiratete bzw. „fix" liierte Menschen zum (Liebes-)Leben einfach dazuzugehören scheinen. So bringt eine aktuelle Untersuchung das Ergebnis, dass fast jede zweite Frau in Deutschland bereits einen Seitensprung gehabt hat. Damit sind die Frauen drauf und dran, die Männer zu überflügeln, weshalb Zyniker gerne anmerken, dass in dieser Hinsicht wenigstens die Gleichberechtigung der Frau geglückt sei. In Österreich lassen verschiedene Umfragen bei Männlein wie Weiblein auf einen ähnlich hohen Untreue-Faktor schließen. Da die involvierten Personen naturgemäß aber lieber den Mantel des Schweigens über ihre außerehelichen Bettgeschichten breiten, kann zusätzlich noch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Fakt ist: Fremdgehen gehört bei allen Scheidungsstatistiken der letzten Jahre zu den am häufigsten genannten Gründen für das Ende der Ehen. Damit deutet auch die Tatsache, dass in Österreich knapp die Hälfte aller Ehen geschieden werden, und dass erstens längst nicht jeder Seitensprung „auffliegt", und zweitens nicht jedes bewiesene und reuig eingestandene Fremdgehen zum Scheidungsrichter führt, darauf hin, dass es sehr viele Eheleute mit der Treue alles andere als ernst meinen. Kein Wunder, dass sich immer mehr Eheleute die Frage stellen: Ist mein Partner eigentlich treu?
Wann Sie Affären-Alarm auslösen sollten
Wenn der Partner plötzlich heimliche Telefongespräche führt, geheime Internet-Aktivitäten zu haben scheint oder plötzlich auffällig viele Überstunden macht, ohne dass sich das auf das Gehalt auswirkt, können das Anzeichen für (eine) Affäre(n) sein. Auch das plötzlich stark verminderte Bedürfnis nach Zärtlichkeit & Sex sind oft eindeutige Indizien. Als riskante Zeitspannen für potentielle Seitensprünge in fremde Liebesnester gelten berufliche oder örtliche Veränderungen, runde Geburtstage, aber auch Veränderungen wie die Geburt eines Kindes können Lust auf neue „Abenteuer" machen. Wenn es in letzter Zeit verhältnismäßig viel Streit mit dem Partner gegeben hat, kann das ein Hinweis sein, dass es eine/einen geheime(n) Dritte(n) im Bunde gibt: Oft führt das schlechte Gewissen der „Fremdgeher" oder eine Vorahnung der „gehörnten" Ehepartner, die sich meist ja auch vernachlässigt fühlen, zu angespannten Situationen. Manchmal werden die Hintergangenen aber auch zur Zielscheibe von unbewussten Aggressionen, weil ihre außerehelich verliebten Partner jetzt lieber bei ihren Liebschaften wären, anstatt zu Hause. Streit kann aber auch ein außereheliches Techtelmechtel begünstigen: Häufige Dissonanzen senken bei manchen Menschen die Hemmschwelle, den Partner zu hintergehen, bei anderen kann es sogar zu Trotzreaktionen kommen. Motto: Du nörgelst ständig nur herum – na dann hol' ich mir meinen Spaß eben woanders.
Warum hast du das getan?
Wenn der gehörnte Partner dann dahinter kommt, ist die Enttäuschung meist riesengroß. Nachdem die erste Frage („Mit wem?!") geklärt ist, folgt meist eine zweite, nämlich die nach dem „Warum" ? Bei der Beantwortung dieser Frage gibt es in der Wissenschaft zwei Lager: Während Anthropologen und Biologen in einem genetisch bedingten Hang zur Untreue Vorteile für den Fortbestand einer Art orten (Stichwort: maximale Nachkommenschaft), sehen manche Psychologen und Philosophen eine mögliche Neigung zu heimlichen Liebesspiel- Partner(innen) tendenziell eher als Ausdruck der individuellen Freiheit. Sind wir also triebgesteuerte Wesen, die nicht anders können, als sich mit mehr als nur einem Partner zu paaren, weil ihnen das die Evolution über die Jahre so eingetrichtert hat, und die eigentlich gegen ihre Natur handeln, wenn sie monogam leben? Oder können wir wirklich frei und auf unseren individuellen Moralvorstellungen basierend entscheiden, wie wir auf erotische Signale reagieren? Lassen wir uns von ihnen so lange anziehen, bis wir ausgezogen sind, oder ersticken wir das Feuer der außerehelichen Leidenschaft lieber gleich im Keim, indem wir auf unseren Ehering zeigen und sagen: Sorry, ich bin schon vergeben?
Männer wollen ihr Ego stärken, Frauen suchen besseren Sex
Anderen Erkenntnissen der Wissenschaft zufolge suchen Männer bei ihren Seitensprüngen vor allem Selbstbestätigung, Befriedigung und Abwechslung. Für Frauen, die fremd gehen, scheint die Libido mehr zu zählen: 80% der Frauen finden den Sex beim Fremdgehen wesentlich besser als mit dem Ehepartner, zeigt eine aktuelle Studie des deutschen Lifestylemagazins „Player". Aber natürlich sind auch Ehefrauen, die sich einen Liebhaber halten, oft auf der Suche nach Bestätigung, Abwechslung und Abenteuern. Manchmal ist aber auch Rache das Motiv, das gehörnte Männer oder Frauen in die außereheliche Umarmung treibt. Eine verzweifelte Trotzreaktion, die dem Selbstwertgefühl langfristig gesehen meist mehr schadet, als nützt. Und für die Ehe sind solche Racheaktionen meist der Todesstoß. Dabei muss ein Seitensprung nicht unbedingt das Aus für die Familie bedeuten.
Erwischt: Wut, Hass und Katzenjammer, aber das Leben muss weitergehen
„Wenn der Betroffene mit seinem Partner über den Seitensprung spricht, sollten dabei unbedingt auch Ängste, Enttäuschungen, und das Gefühl des Verletzt-Seins thematisiert werden," erklärt Dr. Doris Wolf. Die Psychologin und Autorin beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Partnerschaftsproblemen und dem Thema „Seitensprung". „Es kann dann nach dem Durchlaufen der Krise sogar zu einer Erstarkung der Partnerschaft kommen," meint Wolf. „Zunächst gibt es aber auf Seiten des Betrogenen Kränkungsgefühle, Wut, Trauer, Angst, Selbstzweifel – und auf Seiten des Betrügers, Schuldgefühle, Verleugnung, Ablehnen der Verantwortung und die Angst, dass der Partner das Thema immer wieder auf den Tisch bringt." Eine Studie aus den USA zeigt übrigens, dass 80% aller Paare, die mindestens fünf Jahre zusammen waren, auch das Gefühls-Chaos eines Seitensprungs überstehen. Tipp: Besprechen Sie mit Ihrem Partner, wie sie als Paar einen Seitensprung handhaben würden. Ob Sie – zum Beispiel aus Rücksicht auf die Kinder – versuchen würden, zu verzeihen, und die Ehe fortzuführen. Oder ob ein derartiger Vertrauensbruch automatisch das Aus bedeuten würde. Vielleicht merken Sie im Verlauf dieses Gesprächs ja auch, wie Ihr Partner zu diesem Thema steht – und was sie beide für ihre Beziehung tun können, um das Seitensprungrisiko auszuräumen. Oder zumindest zu minimieren.
„Wenn der Partner fremdgegangen ist, muss dies nicht unbedingt das Aus für die Ehe bedeuten. Es kann nach dem Durchlaufen der Krise sogar zu einer Erstarkung der Partnerschaft kommen. Zunächst gibt es aber auf Seiten des Betrogenen Kränkungsgefühle, Wut, Trauer, Angst, Selbstzweifel – und auf Seiten des Betrügers Schuldgefühle, Verleugnung, Ablehnen der Verantwortung, und die Angst, dass der Partner das Thema immer wieder auf den Tisch bringt", so Dr. Doris Wolf, Psychologin, Autorin und Expertin für Partnerschaftsprobleme und das Thema „Seitensprung".
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