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Vogelzug: Der weite Weg nach Afrika - und zurück

Autor: karlowski | Erstellt am: 04.11.2008 | Gelesen: 4468
Kategorie: Energie - Klima & Umwelt | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Wie schaffen die das nur? Schätzungsweise 4 bis 5 Milliarden europäische Zugvögel kehren jedes Jahr unserem Winter den Rücken und begeben sich auf einen weiten und riskanten Weg ins warme Afrika.

Vogelzug
Vogelzug
Wie schaffen die das nur? Schätzungsweise 4 bis 5 Milliarden europäische Zugvögel kehren jedes Jahr unserem Winter den Rücken und begeben sich auf einen weiten und riskanten Weg ins warme Afrika. Es locken ein angenehmes Klima und Nahrung in Hülle und Fülle. Doch auf der bis zu 9 400 Kilometer langen Strecke stellen sich ihnen gewaltige Hindernisse entgegen: erst die Alpen, dann das Mittelmeer und schliesslich die mit 9 Millionen Quadratkilometern grösste Wüste der Erde, die Sahara. Und nach der Rückkehr im Frühling gelingt es vielen Arten exakt den Brutplatz vom Vorjahr wieder zu finden: so brüten Rauchschwalben jedes Jahr im gleichen Stall – trotz einer Rundreise von 20 000 Kilometern.

Dem Rätsel des winterlichen Massenexodus der etwa hundert Vogelarten sind Forscher seit Jahrzehnten auf der Spur. Dabei kommt sogar Radar-Aufklärung zum Einsatz, mit deren Hilfe Wissenschaftler die in Höhen zwischen 1 300 und 1 700 Metern fürs menschliche Auge unsichtbar durch die Nacht flatternden Reisenden anhand ihres Flügelschlagmusters immerhin nach Gruppen unterschiedlicher Größe unterscheiden können. So lassen sich wandernde Singvögel, Raubvögel oder Wasservögel und deren Flughöhe voneinander unterscheiden. Meist suchen die Vögel Windschichten mit Rückenwind und können dabei beachtliche Geschwindigkeiten erzielen. Die schnellsten sind Watvögel, die aus eigener Kraft bis zu Tempo 70 erreichen. In Israel mass das Radar bei einem Trupp Wasservögel sogar Tempo 180 – bei Rückenwind. Andere gehen die Reise gemütlicher an, wie die Störche, die die riesige Entfernung nicht durch Flügelschlag, sondern bequem, aber langsam wie Segelflieger nach den Gesetzen der Thermik bewältigen.

Während manche Arten die Alpen im Breitfrontzug direkt überqueren, umkurvt die Mehrheit der Zugvögel das Gebirge östlich oder westlich und nimmt längere Routen über die Meerenge von Gibraltar oder über den Balkan, Bosporus, Israel und Ägypten in Kauf, um in die Überwinterungsgebiete südlich der Sahara zu gelangen. Welche Flugstrategie auch immer gewählt wird, der Zug in den Süden verläuft fast immer in Etappen mit eingeschobenen Rastperioden, die vor allem zum „Auftanken von Treibstoff" durch Aufstockung von Fett- und Proteinvorräten dienen.

Damit muss dann die gigantische ökologische Barriere Sahara, die sich wie ein Gürtel von 6.000 Kilometern Breite auf dem Zugweg ausbreitet, gemeistert werden. Die Flugphasen können bis zu 3 Tagen und Nächten dauern. „Nach diesem langen Flug haben die Tiere nicht nur ihre Fett- und Proteinreserven aufgebraucht, sondern auch fast ihr ganzes Verdauungssystem abgebaut. In den Rastbiotopen wird es dann sehr schnell, innerhalb von nur ein bis zwei Tagen, wieder aufgebaut", erklärt Dr. Herbert Biebach, Ornithologe vom Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Andechs.

Weltmeister im Weitfliegen ist eine Flussseeschwalbe, die in rund 140 Tagen von ihrem Brutplatz in Finnland bis an die Südküste von Australien rund 26 000 Kilometer zurücklegt. Zur Festlegung der Zugrichtung nutzen Vögel sowohl die Himmelsrotation als auch das Magnetfeld der Erde. Das Zusammenspiel von Sternen- und Magnetkompass ermöglicht Flüge bei Nacht und bei schlechten Wetterbedingungen. Es gibt Arten, wie die Nachtigall, die dabei stur immer wieder ins gleiche Überwinterungsgebiet fliegen. Wie die hierfür notwendige Feinnavigation funktioniert, ist bis heute ungeklärt. Andere Vogelarten, wie der Weißstorch, sind flexibler und nutzen geeignete Zwischenüberwinterungsbiotope, die von Jahr zu Jahr wechseln können, und fliegen dann weiter.

Doch die Rückkehr von der langen Reise endet zunehmend mit einer bösen Überraschung: Es gibt immer weniger geeignete Lebensräume, die Qualität der noch vorhandenen verschlechtert sich zunehmend. „Die Bestände von 70 Prozent unserer Zugvogelarten sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen", macht Peter Berthold, Leiter der Vogelwarte des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Radolfzell, auf eine verhängnisvolle Entwicklung aufmerksam. Heimkehrende Gartenrotschwänze oder Wendehälse suchen immer öfter vergeblich nach Streuobstwiesen, Rauchschwalben finden in den wenigen verbliebenen kleinbäuerlichen Betrieben mit ihren offenen Stallungen nicht mehr genügend Nistplätze.

Auch die Nahrungssuche wird für Körner- und Insektenfresser unter den Singvögeln zunehmend schwieriger. „Herbizide verwandeln Äcker in steppenartige Landschaften, Unkräuter und mit ihnen Klein- und Kleinstinsekten werden immer seltener", warnt Berthold. Und Wiesen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, manche kommen bis zu fünfmal im Jahr unters Messer. Da schafft es nicht einmal der Löwenzahn bis zur Blüte. Für Vögel bleibt da nur eine grüne Wüste, mit der Folge, dass ganze Populationen flächendeckend zusammenbrechen. Auch Feldgehölze, Gebüsche, Einzelbäume, Obstgärten, ungenutzte Feldraine, Böschungsstreifen und Wiesenränder oder natürliche Bachläufe mit begleitenden Weichholzauesäumen werden selten. Mit diesen Landschaftselementen verschwinden spezifisch an sie angepasste Arten wie Neuntöter, Dorngrasmücke oder Goldammer.

Ulrich Karlowski
www.naturenews.de
 
 
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