Nach der neuesten Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) besaßen die Deutschen zum Ende des 2. Quartals 2011 knapp 14,8 Millionen Riester-Verträge. Zum Jahresende rechnet das BMAS mit über 15 Millionen Riester-Verträgen. Dabei konnte insbesondere die Wohn-Riester-Variante (Eigenheimrente) profitieren, die erstmals den größten Zuwachs bei den Riester-Arten ausmachte.
Viele Riester-Verträge wurden gekündigt oder freigestellt
Was aus der Statistik nicht hervorgeht, ist die Anzahl der gekündigten Riester-Verträge. So wurden seit der Einführung der Riester-Rente ca. 2 Millionen Verträge wieder gekündigt. Zusätzlich sind über 2 Millionen Verträge ruhend gestellt, werden also nicht mehr bespart. Damit haben sich gut 4 Millionen Riester-Sparer gegen eine weitere Altersvorsorge mit dem ursprünglich abgeschlossenen Riester-Vertrag entschieden.
Da eine Kündigung oder ein Wechsel der Riester-Rente in vielen Fällen mit Nachteilen für den Endkunden verbunden ist, sollte vor einem Vertragsabschluss genau abgewogen werden, ob die Riester-Rente langfristig für die persönlichen Altersvorsorge-Ziele geeignet ist. Die Verluste bei einer Kündigung resultieren aus dem Umstand, dass bei einer Riester-Rentenversicherung die gesamten Abschlusskosten in den ersten 5 Jahren aus dem Vertrag entnommen werden. Zusätzlich muss bei einer Kündigung die erhaltene staatliche Förderung zurückgezahlt werden, wodurch die ausgezahlte Summe in der Regel deutlich unter dem Vertragsguthaben liegt.
Bei einem Wechsel des Riester-Anbieters fallen neben Wechselkosten meist ebenfalls erneut Abschlusskosten an, wodurch auch ein Anbieterwechsel häufig nachteilig ist. Etwas anders ist die Situation bei Riester-Banksparplänen. Bei dieser Riester-Form fallen nur geringe Abschlusskosten an, wodurch eine Kündigung oder ein Wechsel mit geringeren Nachteilen verbunden ist.
Die Nachteile der Riester-Rente
Eine Riester-Rente ist für viele Menschen nach wie vor eine geeignete Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Vor einem Abschluss sollten allerdings die Vor- und Nachteile individuell abgewogen werden.
Viele Riester-Rente-Nachteile liegen in der Einschränkung der Flexibilität in Bezug auf die Verwendung des Vertragsguthabens. Da der Staat hier staatliche Förderung gewährt, möchte er auch bei der Verwendung mitbestimmen. Bei den Rentenversicherungsverträgen gibt es Vorschriften wann und wie das Vertragsguthaben zu verwenden ist. Bei Wohn-Riester-Verträgen kann der Immobilienbesitzer mit seiner geförderten Immobilie in Bezug auf Verkauf, Vermietung, etc. nicht mehr nach belieben verfahren. Wird von diesen Vorschriften abgewichen, muss die erhaltene Förderung zurückgezahlt werden. Dies ist insbesondere bei unerwarteten Veränderungen der Lebenssituation wie Scheidungen und Todesfällen problematisch.
Auch Nachteile sollten Bestandteil einer Beratung sein
Wer vor dem Abschluss einer Riester-Rente alle gesetzlichen Nachteile und Einschränkungen daraufhin überprüft, ob diese mit der persönlichen Lebensplanung in Konflikt stehen, kann eine langfristige Entscheidung für oder gegen die Riester-Rente treffen. Hierdurch werden die meist teuren, Vertragswechsel, Kündigungen und Stilllegungen vermieden.
Philipp Fey