Es ist festzustellen, daß sich über den Jahreswechsel 2009/2010 die Situation in Wohnräumen hinsichtlich des Befalls mit Schimmelpilzeb deutlich verschärft hat. Dies ist überwiegend auf die mangelnde konstruktive Ausbildung der Aussenwände und ihrere Anschlussbauteile alter Häuser zurüchzuführen.In meiner Tätigkeit als Sachverständiger für die Erkennung von Schimmelpilzbefall und dessen Sanierung, ist aufgefallen, dass im Verlauf des Jahreswechsels 2009/2010 deutlich mehr Schimmelbefall in Wohnräumen aufgetreten ist. Die Ursache dieser jetzigen Konzentration ist in der lang anhaltenden Kälteperiode zu sehen, die die Schwachpunkte der Baukonstruktion alter Häuser hinsichtlich ohnehin vorhandener Wärmebrücken immens verschärft. Alte Häuser haben meist eine relativ dünne Außenhülle, wobei Geschossdecken nach außen meist ungedämmt eingebunden sind.
Große Schwachpunkte sind auch die ungedämmten Kellerdecken über Kellerräumen, die als Wasch- und Trockenraum genutzt und darüber hinaus auch noch ungeregelt be- und entlüftet werden. Ungeregelte Be- und Entlüftung bedeutet nichts anderes, als dass die Kellerfenster ins Freie Tag und Nacht geöffnet bleiben. Das gleiche gilt für ungedämmte Dächer die als Trockenraum genutzt werden und ebenfalls ungeregelt be- und entlüftet werden. Das heißt, dass durch eine lang anhaltende Kälteperiode die Außenwände, die Kellerdecken- und die Dachbodenrandbereiche schneller stark auskühlen und in diesen Bereichen oftmals Temperaturen von teilweise deutlich unter 12,6° C zu messen sind. Da entsprechend der Hygienenorm DIN 4108 Teil 2 der Taupunkt mit 12,6° C definiert wurde, fällt bereits bei Unterschreitung dieser Temperatur von <12,6° C freies Wasser aus. Wird die Temperatur unterschritten ist Schimmelpilzwachstum vorprogrammiert. Ein weiteres Problem ist auch die Aufstellung von Mobiliar an Außenwänden.
Durch das Aufstellen von Mobiliar an Außenwänden, wird quasi eine Dämmung von innen erzeugt, was wiederum den Taupunkt negativ beeinflusst und dadurch ebenso die Schimmelpilzbildung begünstigt wird. Kurzfristige Abhilfe kann durch das Umstellen dieser Möbel von Außenwänden an Innenwände geschaffen werden. Dadurch wird eine Beschleunigung der Bildung von Schimmelpilz verhindert. Nachhaltige Abhilfe bzw. Vorsorge, kann aber nur durch eine eingehende Untersuchung des Gebäudes mit entsprechender Auswertung und daraus resultierender Festlegung von Maßnahmen erreicht werden. Maßnahmen sind meistens Dämmung der Außenwände, der Kellerdecke, des Daches und der Einbau entsprechend gedämmter Fenster. Wichtig hierbei ist, dass die Maßnahmen als Gesamtpaket betrachtet und entsprechend abgestimmt werden, da ansonsten die neuralgischen Punkte an andere Stellen verlagert werden und hier wieder neue Schadensproblematiken entstehen können. Dipl.-Ing.
Rolf A. Lehr