Standortwahl eines Unternehmens
Die
Standortwahl eines Unternehmens ist eigentlich lediglich der simple Abgleich von den Anforderungen, die ein Unternehmen an den Standort stellt und den Bedingungen an den unterschiedlichen Standorten. Dieser simple Abgleich wird nur erschwert durch die unendliche Zahl möglicher Anforderungen der Unternehmen, die Vielzahl potentieller Standorte und den enorm unterschiedlichen Bedingungen an diesen Standorten.
Hier setzt das Verfahren an, das von der CONTOR GmbH, 46569 Hünxe, entwickelt wurde. Zunächst wurde ein Standortfaktorensystem erarbeitet. Dieses Standortfaktorensystem enthält auf Bundesebene 12 Faktoren, auf Landesebene 10 Faktoren. Es handelt sich um ein offenes System, d.h. sollte ein Faktor von einem Unternehmen als wesentlicher Standortfaktor in den Vordergrund gestellt werden, der im System noch nicht vorhanden ist, kann dieser jederzeit in das System aufgenommen werden, sofern er mit Daten hinterlegt werden kann.
Das Standortfaktorensystem beinhaltet folgende Faktoren:- Löhne und Gehälter
- Preise
- Arbeitskräfte
- Verkehr
- Grundstück
- Fühlungsvorteile
- Versorgung, Entsorgung, kommunale Abgaben
- Allgemeine Infrastruktur
- Beschaffung
- Absatz
- Herkunftsgoodwill
- Immissionen
Für jeden dieser Faktoren wurden Determinanten erarbeitet, die wiederum mit metrischen Daten als Variablen für die Regionaleinheiten Gemeinden oder Kreise hinterlegt sind, die dann als Variable in eine weiterführende Analyse eingehen.
Auf diese Art und Weise dürften hinter den 10 bis 12 Standortfaktoren über 1000 Variable mit ihren Ausprägungen stehen.
In Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung werden mit Hilfe eines Fragebogens genau diejenigen Standortfaktoren und Determinanten ermittelt, die für dieses Unternehmen für eine Standortentscheidung von Bedeutung sind. Anschließend wird entsprechend dieser Vorgaben aus den metrischen Daten ein Datensatz zusammengestellt, der exakt auf die Bedürfnisse des standortsuchenden Unternehmens zugeschnitten ist. Dieser Datensatz wird mit multivariaten statistischen Verfahren bearbeitet. Hierbei kommen Verfahren wie die Clusteranalyse, die Diskriminanzanalyse oder die Faktorenanalyse zum Einsatz.
Die Clusteranalyse z.B. teilt eine Gesamtmenge von Objekten bei gleichzeitiger Betrachtung aller Variabler in Teilmengen, genannt Cluster, auf. Diese Teilmengen (Cluster) werden so gebildet, daß die Ähnlichkeit zwischen den Objekten einer Teilmenge (Cluster) möglichst groß ist, während die Ähnlichkeit zwischen den einzelnen Clustern möglichst gering ist.
Die Forderung nach Homogenität der Cluster bewirkt, daß die einzelnen Objekte eines Clusters ähnliche Variablenausprägungen besitzen. Übertragen auf die
Standortwahl eines Unternehmens bedeutet dies:
Die Gesamtmenge der Objekte, die in Cluster aufgeteilt werden soll, ist die Zahl der Gemeinden. Diese Zahl der Gemeinden wird so in Teilmengen aufgeteilt, daß diese Teilmengen (Cluster) hinsichtlich der für die Standortwahl des Unternehmens wichtigen Variablen (Determinanten der Standortfaktoren) ähnliche Werte besitzen.
Z.B. enthält ein Cluster Gemeinden mit hohen Grundstückspreisen, niedrigen Wasserpreisen und hoher Beschäftigungsquote. Ein anderes Cluster enthält Gemeinden mit niedrigen Grundstückspreisen, mittleren Wasserpreisen und niedriger Beschäftigungsquote. Aus diesen Clustern wird das Cluster herausgesucht, das für das Unternehmen die günstigsten Voraussetzungen bietet. Im Fall des oberen Beispiels könnte dies das Cluster mit niedrigen Grundstückspreisen, mittleren Wasserpreisen und niedriger Beschäftigungsquote sein.
Dieses herausgesuchte Cluster enthält die Gemeinden, die für das Unternehmen die besten Voraussetzungen hinsichtlich der Variablen bieten, die von dem Unternehmen in einem Fragebogen als für die Standortwahl besonders wichtig angegeben wurden. Das ausgesuchte Cluster enthält also die Standortalternativen für das Unternehmen.
Zur Vorbereitung des Datensatzes auf die Clusteranalyse kommt gegebenenfalls eine Faktorenanalyse zum Einsatz. Im Anschluß an eine Clusteranalyse könnte sich dann noch eine Diskriminanzanalyse als sinnvoll erweisen. Auf die statistischen Verfahren soll hier im einzelnen nicht weiter eingegangen werden.
Die Suche eines fiktiven Maschinenbauteileherstellers nach einem Standort könnte in einem sehr einfachen Beispiel folgendermaßen aussehen:
- Für eine neue Produktionslinie müssen neue Produktionskapazitäten geschaffen werden. Ca. 70 % der Maschinen sind für den Export bestimmt. Eine Erweiterung der Produktionskapazitäten am Stammsitz des Unternehmens in Süddeutschland ist aufgrund der Platzverhältnisse nicht möglich.
- Die neue Produktlinie soll in einem neuen Werk mit ausreichenden Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft produziert werden.
- Es wird eine anfängliche Mitarbeiterzahl von ca. 250 Personen erwartet.
- Wichtigstes Ansiedlungskriterium ist der Arbeitsmarkt. Als Spezialmaschinenhersteller ist das Unternehmen auf eine große Zahl qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Metallbereich angewiesen.
- Da der größte Teil der Produktion für den Export bestimmt ist, spielen die Verkehrsanschlüsse eine besonders große Rolle.
- Die Kundenbetreuung im Ausland bedarf eines nahen Flughafens, Entfernung max. 30 km.
- Die Kundenbetreuung und Produktauslieferung in Deutschland und den angrenzenden Nachbarländern geht zum großen Teil über die Autobahn, so daß ein Autobahnanschluß in unmittelbarer Nähe gegeben sein muß.
- Der Transport der Produkte nach Übersee und der Transport besonders sperriger Güter erfolgt per Schiff, so daß ein Hafen in kurzer Entfernung zu erreichen sein muß.
- Für den Produktionsstandort wird eine Fläche von ca. 20 ha benötigt, um ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten zu haben.
- Da der Lohnkostenanteil sehr hoch ist, sind die Löhne zu berücksichtigen.
Hieraus ergibt sich folgender Variablensatz:
- Anteil der arbeitslosen Metallfacharbeiter in einem Umkreis von ca. 50 km
- Anteil der beschäftigten Metallfacharbeiter in einem Umkreis von ca. 35 km
- Entfernung zur nächsten Gemeinde mit Autobahnanschluß
- Entfernung zur nächsten Gemeinde mit Flughafen
- Entfernung zur nächsten Gemeinde mit Hafen
- Wert für gewerbliche Bauflächen in der Gemeinde
- Löhne
Die Durchführung der statistischen Analyse sei hier nicht näher erläutert. Die Interpretation der Analyse ergibt ein optimales Cluster mit nur einer oder mehreren Städten. Die Städte oder Regionen dieses Clusters könnten dann die optimalen alternativen Standorte für dieses Unternehmen sein.
Henner Lüttich
www.thema-standortanalyse.dewww.contor.org