„Ganz der Vater" – jubelt die Verwandtschaft beim ersten Betrachten des Neugeborenen, und der Außenstehende versucht vergeblich, in dem noch zerknitterten Gesichtchen, Spuren der Ähnlichkeit mit dem stolzen Papa zu entdecken, abgesehen von möglichen Parallelitäten der Haartracht, falls diese bei beiden schütter sein sollte.
Dennoch, bereits in den frühen Kinderjahren stellen sich zumeist deutliche Ähnlichkeiten mit den Eltern oder Großeltern ein, ohne dass der Nachwuchs jedoch „wie ein Ei dem anderen" seinen Vorgängern gleicht. Dunkelhaarige Eltern können durchaus auch blonde Nachkommen haben. Andererseits können bei manchen Kindern sogar Leberflecke oder andere Auffälligkeiten an gleicher Stelle wie bei der Mutter auftreten (Muttermal) und wie eine identische Kopie erscheinen.
Ursache für die Ähnlichkeit zwischen Blutsverwandten ist die Vererbung. Bestimmte Eigenschaften und Besonderheiten, nicht nur der gesamten Art oder Rasse, sondern auch des Individuums, werden auf die Nachkommenschaft gesetzmäßig übertragen. Träger der Erbeigenschaften sind die Chromosomen. Sie sind Bestandteil aller Köperzellen (außer der zellkernfreien roten Blutkörperchen). Die einzelne Körperzelle vererbt bei der Zellteilung den Tochterzellen ihren genetischen Bestand, indem sich die Chromosomen zuvor teilen und identische Abbilder von sich bilden, von denen immer ein Satz in die jeweiligen Tochterzellen gelangt. Erbeigenschaften an Nachkommen werden jedoch nur von den Geschlechtszellen übertragen.
In jeder Eizelle und jeder männlichen Samenzelle sind bereits alle Informationen über das Geschlecht, das spätere Aussehen und wesentliche Eigenschaften des neuen Individuums gespeichert. Auch Veranlagungen wie zum Beispiel untergewichtig oder übergewichtig zu sein, werden vererbt. Folglich bekommt man es schon mit „in die Wiege gelegt", ob es einem in seinem Leben später einmal leicht fallen wird Gewicht zu verlieren, oder ob man selbst durch die Einnahme von Diätpillen von Neu
Pillenpharm nur sehr schwer Übergewicht abnehmen kann. Die große Variabilität des Aussehens entsteht dadurch, dass sehr viele verschiedene Gene, Bestimmungspunkte für die jeweiligen Erbeigenschaften, letztlich das Gesamtbild eines Menschen bewirken.
Wie ein Mosaik aus vielen Einzelbausteinen zu einem Gesamteindruck verschmilzt, so entsteht eine ererbte Eigenschaft, wie beispielsweise die Augenfarbe, das Aussehen oder auch die Gesichtsform, aus vielen genetischen Einzelinformationen. Es existiert also kein einzelnes Gen, das allein die Größe oder den Körperbau eines Menschen bestimmt. Die Vielfalt der mitwirkenden Gene macht die große Vielfalt der Erscheinungsformen, beispielsweise bei den Nachkommen einer Familie erklärbar. Hinzu kommt weiterhin, dass die ererbten Eigenschaften eines Kindes sowohl vom mütterlichen wie vom väterlichen Erbteil bestimmt werden. Jedes Chromosom ist in den Zellen des menschlichen Organismus doppelt vorhanden, als Chromosomenpaar. Bei der Entwicklung und Reifung von Samenzellen und Eizelle wird dieser doppelte Chromosomensatz halbiert.