Ostbayern auf dem Weg zu einer der weltweit führenden Regionen für die IT-Sicherheit
Regensburg/Passau – Das Internet ist ein gefährliches Pflaster geworden: Seit Jahren steigt die Zahl der Cyberkriminellen sprunghaft an. Von Februar bis Juni 2009 hat sich die Zahl der manipulierten Webseiten mehr als verdoppelt, mit denen Kriminelle versuchen, an Passwörter und persönliche Daten argloser Nutzer zu kommen. Rund 20 Millionen Computerviren und Trojaner sind derzeit bekannt. Tagtäglich kommen einige hundert hinzu. Internetexperten gehen davon aus, dass weltweit mehr als 100 Millionen Rechner „verseucht" sind und dort bereits die feindlichen Angreifer das gesamte System im Griff haben. Die Universität von Maryland hat errechnet, dass es im Internet alle 39 Sekunden einen Hacker-Angriff gibt, bei dem in den meisten Fällen hochbrisante Daten gestohlen werden. Düstere Perspektiven für die Internetsicherheit der Zukunft? In Ostbayern hat es sich ein bundesweit einzigartiges Forschungs- und Expertennetzwerk zur Aufgabe gemacht, den Internetkriminellen ihr Handwerk deutlich schwieriger zu machen. Erste Erfolge gibt es bereits. Zahlreiche Zukunftsprojekte sind in den Schubladen der Wissenschaftler.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem Internetbetrüger keine großen Schlagzeilen machen: professionell organisierter Handel mit vertraulichen Kundendaten, Millionenschaden durch gehackte Internetseiten, geplünderte Konten durch ausgespähte Bankdaten. Die Nutzer stehen den virtuellen Angriffen oft machtlos gegenüber. „Cyberkriminalität breitet sich immer weiter aus, da der Austausch von Geld und Daten im Internet ein verlockendes Ziel für Übeltäter darstellt", sagt Dr. Herbert Vogler, der Geschäftsführer der IT Inkubator Ostbayern GmbH. Diese koordiniert die Aktivitäten der Strategischen Partnerschaft für IT-Sicherheit, einem Zusammenschluss von mehr als 40 ostbayerischen Unternehmen und drei Hochschulen. Das Ziel der bundesweit einmaligen Initiative: neue Ansätze zu entwickeln, um die Sicherheit sowohl der Privathaushalte als auch der Unternehmen zu erhöhen.
Bereits heute wird nirgends in Deutschland mehr an der Zukunft der Daten- und Internetsicherheit geforscht als in der Region zwischen Regensburg und Passau. Das Passauer Universitätsinstitut für IT-Sicherheit und Sicherheitsrecht, die Regensburger Professuren für Informationssysteme und Management der Informationssicherheit sowie das Labor für störungsfreie und sichere Systeme (Laboratory for Save and Secure Systems) an der Hochschule Regensburg gehören zu Deutschlands führenden Wissenschaftszentren auf dem Gebiet. In dem Kompetenznetzwerk für IT-Sicherheit bündeln sie ihre Aktivitäten – mit Rückenwind von der Europäischen Union. Bis 2014 werden rund 2,3 Millionen Euro an Fördergeldern für die Initiative fließen.
Erste Meilensteine auf dem Weg, Sicherheitslücken im Internet zu schließen, gibt es bereits: Gemeinsam mit der Universität in der Ostbayern-Metropole entwickelt das Unternehmen Conceptnet eine Lösung für den sicheren elektronischen Austausch sensibler Daten. „Unser Produkt hat das Potenzial, zukünftig zum Standard zu werden", sagt Conceptnet-Geschäftsführer Christian Meier. Das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderte Projekte könnte die Datenübertragung revolutionieren – ob beim Austausch von Kontodaten beim Home-Banking, sensiblen Patienteninformationen oder die Weiterleitung von Verkaufsdaten bei Scannerkassen.
Die Regensburger IT-Firma Art of Defence hat eine Software entwickelt, die den Quelltext von Internet-Anwendungen in Sekundenschnelle sicher und zuverlässig prüft – und den Anwender sofort warnt, wenn Gefahr für den eigenen Rechner, Online-Shopsysteme oder Kundenportale drohen. „Damit bekommen IT-Sicherheitsbeauftragte erstmals ein Instrument in die Hand, dass die automatisierte Überprüfung auf sicherheitskritische Schwachstellen möglich macht."
Langfristig will Ostbayern der Motor sein, wenn es darum geht, die Welt des Internets sicherer zu machen. „
Wir wollen national und international eine führende Rolle im Bereich der IT-Sicherheit spielen", sagt Professor Dr. Günther Pernul, Lehrstuhlinhaber an der Hochschule Regensburg und Mitglied im Beirat der Strategischen Partnerschaft. „
Diese Kompetenzpartnerschaft bringt uns einen nicht hoch genug einzuschätzenden Mehrgewinn", sagt der Wissenschaftler. Mit dem einmaligen Themenschwerpunkt könnten die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte der IT-Sicherheit beleuchtet werden. „
Damit erhält die Vision, sich sogar weltweit eine führende Position in diesem Bereich zu schaffen, eine reelle Basis", erklärt Professor Pernul.
Die Kooperationen der seit vier Jahren bestehenden IT-Partnerschaft sollen deshalb nochmals weiter vertieft werden. Vier Foren sollen die Kräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft bündeln: Sicherheitstechnik, den Datenschutz im Unternehmen, die Netzwerksicherheit und die Entwicklung von sicherer Software. Dazu soll auch der Kreis der beteiligten Unternehmen weiter wachsen – auch über Ostbayern hinaus.
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