Vaclav Neumann dirigiert Beethovens IX., Neujahr 1966. Foto: Johannes Peschke
Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir berichtet, dass eine ganze Mappe mit Grafiken und Zeichnungen, insgesamt 160 Arbeiten, der Malerin wieder entdeckt wurde. Nun ist es soweit: Einige der herausragenden Stücke aus diesem Fund werden anlässlich des 16. Todestages der Malerin veröffentlicht. Dabei sind Werke die eine ganz andere Schaffensseite der Malerin offenbaren wie Illustrationen zur griechischen Mythologie, die durchaus mit Zeitbezug, wie der durch ein Bajonett hingerichteter Prometheus, zu sehen sind. Auch finden sich beispielsweise Skizzen zu einem Portrait einer kasachischen Händlerin mit Kind darunter die, was für die Malerin Gisela Peschke unüblich ist, den Schaffensprozess dokumentieren und damit einen tieferen Einblick in die Entstehungsgeschichte eines Werkes geben.
Die herausragendsten Werke sind wohl eine Serie von Portraits des tschechischen Dirigenten Vaclav Neumann die um 1966 entstanden sind. Vaclav Neumann, zu dieser Zeit Kapellmeister im Gewandhaus Leipzig, galt als künstlerisches Sinnbild des Prager Frühlings. Aus Protest gegen den Einmarsch der Roten Armee in Prag legte er 1968 sein Amt als Gewandthaus-kapellmeister nieder und ging von Leipzig zurück nach Prag. Auch wenn es über 20 Jahre dauern sollten, konnte er den Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur in seiner Heimat als engagierter Mitstreiter noch miterleben. Die Zeichnungen von Vaclav Neumann sind in einer, für diese Schaffensperiode der Malerin ungewöhnlichen Dynamik gehalten und lassen die Energie, die Vaclav Neumann auf die Malerin ausstrahlte, erahnen. Der textliche Zusatz „Vaclav Neumann dirigiert Beethovens IX." unterstreicht nur zusätzlich die Kraft und Energie die aus diesen Zeichnungen spricht. Die Darstellungen verschmelzen mit der Musik im Ohr und entfalten ein mehrdimensionales Erlebnis.
Die Malerin Gisela Peschke hatte, wie viele andere Künstler auch mit zahlreichen Repressalien und einer demonstrativen Nichtachtung der künstlerischen Arbeiten über viele Jahre in der ehemaligen DDR zu kämpfen. So ist der diesjährige Todestag der Malerin zusammen mit dem 20. Jahrestag des Mauerfalls eine Gelegenheit zum dem Gedenken an die streitbare Malerin Gisela Peschke sondern auch vielen weiteren Künstlern gewidmet die Ihrer Kunst und Ihren Überzeugungen ebenfalls treu geblieben sind.