Die US-Notenpresse läuft auf Hochtouren
Der internationale Währungsfonds (IWF) erachtet es für möglich, dass eine neue Weltwährung den US-Dollar als dominierende Leitwährung ablösen wird. Dies werde allerdings Zeit beanspruchen und nicht von heute auf morgen stattfinden. Als Basis für die neue Reservewährung könne die Buchwährung des Internationalen Währungsfonds, die sog. Special Drawing Rights (SDR), genutzt werden.
Was sind Special Drawing Rights (SDR)?
Als SDR wird ein handelsgewichteter Währungskorb bezeichnet, der aktuell aus 44% US-Dollar (USD), 34% Euro (EUR) und jeweils 11% aus Japanischen Yen (JPY) und Britischen Pfund (GBP) besteht. SDR’s wurden im Jahre 1969 vom IWF eingeführt, um das fixe Wechselkurssystem von Bretton Woods zu unterstützen.
Staaten die damals bei der Schaffung der Special Drawing Rights (SDR) partizipierten, benötigten offizielle Währungsreserven, um den Wechselkurs zu verteidigen. Dass heißt, wenn die inländische Währung abwertete, konnten SDR’s eingesetzt werden, um am Devisenmarkt zu intervenieren und die inländische Währung zu kaufen.
Solche Stützungskäufe waren notwendig, damit das fixe Wechselkurssystem von Bretton Woods aufrechterhalten werden konnte. Die damals dominierenden Vermögensgegenstände, Gold und US-Dollar, konnten aufgrund der Expansion von internationalem Handel und Fortentwicklung an den Finanzmärkten diese Rolle nicht mehr alleine übernehmen. Aus diesem Grund hat der IWF die Special Drawing Rights geschaffen.
Nach Bretton Woods kein Bedarf mehr für SDR's
Wenige Jahre später beendete Präsident Nixon das fixe Wechselkurssystem von Bretton Woods und somit auch den Bedarf von Special Drawing Rights (SDR), da man unter den Hauptwährungen zu flexiblen Wechselkursen überging. Die Bedeutung von SDR’s war daher in den vergangenen 40 Jahren gering, bis China zu Beginn des Jahres 2009 eine stärkere Rolle der SDR’s forderte.
In Peking ist man besorgt über den Wert des US-Dollars aufgrund von Rekordverschuldung in den USA und expansiver Geldpolitik. Man befürchtet, dass sich die USA aus ihrer Verschuldung durch eine erhöhte Inflation befreien wollen. Chinas Devisenreserven belaufen sich zum Ende des 1. Quartals 2009 auf ca. 2 Billionen US-Dollar, welche auf verschiedene Währungsräume aufgeteilt sind. Der mit Abstand größte Teil wird jedoch in US-Staatsanleihen gehalten und ist in US-Dollar denominiert.
Der Vize Chef des Internationalen Währungsfonds Lipsky hat vor kurzem auf einer Konferenz in St. Petersburg gesagt, dass die Basis einer neuen Weltwährung die Special Drawing Rights werden könnten. Um den Charakter einer Weltwährung zu Erlangen, müsse zunächst eine unabhängige, supranationale Institution geschaffen werden, welche die Zentralbankrolle für SDR’s übernehme.
Derzeit sind ca. 70% der weltweiten Währungsreserven in US-Dollar gehalten. Eine Reduzierung würde den US-Dollar weiter unter Druck bringen, allerdings gibt es mittelfristig keine Alternative zur US-Währung. Somit wird das Thema Weltwährung weiter durch die Medien gehen, bevor allerdings keine klaren Beschlüsse vorliegen, wie die neue globale Leitwährung konkret ausgestaltet sein werde, gibt es wichtigere wirtschafts- und finanzpolitische Themen.
Asien auf der Überholspur
Eine entscheidende Frage wird sein, wie viel Wirtschaftswachstum in den USA, Europa und Asien erreicht werden kann. An eine Rückkehr zu den Wachstumsniveaus vor der Finanzkrise mag derzeit niemand glauben, was sich jedoch schon jetzt abzeichnet ist, dass sich die Wachstumsdynamik noch stärker nach Asien verschiebt. Dies wird auch dazu führen, dass die
Dominanz des US-Dollars weiter abnehmen wird.
Christian Tübben