Rollitour zur Basteiaussicht, Foto: Sylvio Diettrich
Wo Felsen und Schluchten keine Hindernisse sind
Hohe Bordsteine, Treppen und schiefe Gehwege sind für Menschen mit Handicap oft ein großes Hindernis. Und trotzdem hat die Sächsische Schweiz gleich eine ganze bizarre Felsenlandschaft für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Hör- oder Sehbehinderung im Angebot. Wer das Elbsandsteingebirge entdecken will, kann je nach Art und Ausprägung seiner Beeinträchtigung vor Ort vielseitig aktiv werden.
So sind schroffe Felsen und wildromantische Schluchten keine Hindernisse. Für Rollstuhlfahrer gibt es viele Möglichkeiten, ausgiebige Wanderungen zu den herrlichsten Aussichtspunkten im Nationalpark zu unternehmen. Die Ansprüche an die Touren sind unterschiedlich. Leicht und eben ist da die kurze Tour zur Basteiaussicht, mittelschwierig wird's auf den Spuren der Romantiker zur Brandaussicht, während sich Hartgesottene auf den Weg zum Kuhstall machen können. Der zertifizierte Nationalparkführer Veit Riffer, selbst Rollifahrer, hat in Kooperation mit dem Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V. für armstarke Rollifahrer auch zahlreiche Rolli- und Handbiketouren zusammengestellt. Für ausgiebige Ausflüge eignen sich Radwege und verkehrsruhige Straßen. Die Strecken sind 3 bis 32 Kilometer lang, hügelig, flach und wenn gewünscht auch abenteuerlich riskant. Handbiker, die es dann doch lieber gemütlich mögen, können auch auf leicht bis mittelschwere Strecken für Rolliwanderer ausweichen. Ins Gepäck gehört eine gute Tourenkarte. In jedem Fall sollten vor jeder Tour die Ausrüstung und auch die eigene Kondition wohl geprüft sein. Rollifahrer lassen sich zudem besser von Freunden und Verwandten ohne Handicap begleiten.
Auch für hör- oder sehbehinderte Menschen wurden von privaten Anbietern schöne Aktivangebote entwickelt. Da offeriert der Anders-Hof in Ehrenberg therapeutisches Reiten, Übernachten in der Scheune oder Bogenschießen für Blinde. Bei Kanu-Aktiv-Tours können Gäste mit Handicap Schlauchboot fahren oder einen Kletterkurs besuchen.
Menschen mit Beeinträchtigungen sind in zahlreichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen der Sächsischen Schweiz herzlich willkommen. Die Zugänge sind entsprechend gestaltet, Fahrstühle eingerichtet und selbstverständlich entsprechende Parkplätze geschaffen. So lassen sich beispielsweise im Barockgarten Großsedlitz Orangenbäumchen und Wasserspiele bestaunen. Auch die Festung Königstein bittet mit ihrem mittelalterlichen Charme zur Eroberung. Für Gehandicapte gibt es einen eigenen Flyer, der den Rundgang zum bequemen Erlebnisparcours werden lässt. Und sollte der Zugang wie bei der Felsenbühne Rathen doch einmal leicht erschwert sein, wird Unterstützung angeboten, z.B. mit einem Behindertenfahrdienst. Dieser chauffiert Zuschauer mit Handicap regelrecht zu ihren Plätzen auf der Felsenbühne. Und was wäre ein Besuch der Sächsischen Schweiz ohne einmal auf der Elbe geschippert zu sein, entweder mit der Sächsischen Dampfschifffahrt oder einem Privatanbieter wie dem Boots-Charter Walter Strohbach.
Sollten am eigenen Handbike oder Rolli einmal die Schrauben wackeln, ist es ein Leichtes, sich vor Ort an eine zuständige Verleih- und Reparaturstation von Mobilitätshilfen zu wenden.
Doch aller Aktionismus tagsüber braucht abends ein gemütliches Ambiente, ein gutes Bett und leckeres Essen. In viele Hotels, Pensionen und Restaurants können Rollifahrer unbeschwert einfahren. Türen sind angepasst, Aufzüge eingebaut, dazu die Ausstattung von Bad und WC maßgeschneidert. Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist vielerorts barrierefrei gelöst. Das betrifft die Zugänge zu Bahnhöfen und Gleisen. Einstiegshilfen auf der S-Bahn-Linie Dresden-Schöna können bis 30 Minuten vor Abfahrt des Zuges beantragt werden. Teilweise fahren behindertengerechte Busse. Daneben gibt es rollstuhltaugliche Fährverbindungen. Einzige Hürde könnten hier zu hohe oder zu niedrige Pegelstände der Elbe sein, die jedoch bei der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz mbH erfragt werden können.
Als der Ort mit den meisten barrierefreien Angeboten der Region hebt sich Bad Schandau hervor. Dort ist das NationalparkZentrum, eines der modernsten Naturschutzinformationszentren Deutschlands, zu Hause und in jeder Hinsicht behindertenfreundlich. Nur 10-15 Gehminuten entfernt fährt ein elektrisch frei stehender Fahrstuhl Gäste 50 Meter in die Höhe, wo sie eine herrliche Aussicht über das Elbtal genießen. Direkt an den oberen Ausgang des Fahrstuhls grenzt auch ein Freigehege für Luchse.
Um zum Thema Barrierefreiheit immer auf dem neuesten Stand zu sein, engagiert sich der Tourismusverband Sächsischen Schweiz e.V. in der AG „
Barrierefreie Reiseziele in Deutschland". Denn Menschen mit Mobilitätseinschränkung sind eine wichtige Zielgruppe. In der touristischen Angebotspalette werden sie bisher noch ungenügend bedacht. Das will der Verband ändern. Seine aktuelle Broschüre „
Sächsische Schweiz barrierefrei erleben" bietet daher eine ausführliche Übersicht zur barrierefreien Anreise, Unterkünften, Aktivangeboten und allem Grenzenlosen, was der Nationalpark für Menschen mit Beeinträchtigungen zu bieten hat. Interessenten können sie bestellen oder alle wichtigen Informationen direkt über den ansässigen Tourismusverband erfragen.
Pressekontakt:
Tourismusverband Sächsische Schweiz
Bahnhofstraße 21, 01796 Pirna
Ansprechpartnerin:
Antje Roth
Tel. 03501 47 01-30
Fax. 03501 47 01-11
Email. a.roth@saechsische-schweiz.de
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