Spätestens zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres stehen viele Ausbildungsbetriebe in Deutschland wieder vor einer großen Herausforderung. Der Grund: Die neuen Lehrlinge und Auszubildenden kommen zwar aus der Schule. Allerdings lässt das von dort mitgebrachte Wissen oft zu wünschen übrig. Viele Unternehmen sind deshalb dazu übergegangen, ihre Lehrlinge selbst noch einmal in Weiterbildungskurse zu schicken.
Einen Pakt geschlossen
Dass dieses Problem wirklich eines ist und nicht „hochgeredet" wird, lässt sich schon daran erkenne, dass der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) einen eigenen Ausbildungspakt geschlossen hat. Mit diesem will man zusammen mit Bildungsträgern die Lehrlinge während ihrer Ausbildung schulisch fördern.
ZDH-Präsident Otto Kentzler sagte gegenüber Bild-online: „Mangelnde Ausbildungsreife bleibt ein Problem und damit ein Thema für den Pakt zur Fachkräftesicherung. Gerade von den Ländern erwarten wir hier noch effektiveren Einsatz. Immerhin bessert sich die Lage langsam - aktuell sinkt der Anteil der Jugendlichen eines Jahrgangs, der keinen Schulabschluss hat."
Keine Neuigkeiten
Für Siegfried Eberle, Leiter des Rubikon-Instituts in Schöllkrippen, ist diese Maßnahme zu begrüßen. Denn schulische Defizite bei Lehrlingen sind nicht erst seit gestern ein Problem.
„Schon seit Jahren treffe ich immer wieder Ausbilder, die sich über den Bildungsstand ihrer Azubis beklagen. Leider ist dieses Thema aber bis jetzt immer wieder unter den Tisch gerutscht. dabei ist eine fundierte Ausbildung gerade für diese jungen Menschen extrem wichtig. Wie sollen sie denn in ihrer Lehre berufsspezifische Dinge lernen, wenn ihnen teilweise die Grundlage dafür fehlt? Wie soll ein Schreinerlehrling ausrechnen, wie viel Holz er für eine Wandtäfelung braucht, wenn er keine Ahnung hat, wie man Quadratmeter berechnet?"
Deshalb bietet Eberle schon seit längerem Unternehmen die Möglichkeit, bei ihren Lehrlingen parallel zu ihrer Ausbildung Lücken zu schließen und sie auf die Abschlussprüfung vorzubereiten.
Das Rundum-Paket
„Die Betriebe haben die Wahl zwischen einem Crash-Kurs, in dem wir die Lehrlinge in den letzten Wochen vor ihrer Abschlussprüfung in der Berufsschule noch einmal fit machen, oder einem langfristigen Kurs, der ausbildungsbegleitend ist."
Laut Eberle erkennen immer mehr Unternehmen die positiven Aspekte dieser Kurse: „Zunächst sehen die Chefs oft nur die Kosten. Aber wenn sie dann merken, dass die Lehrlinge plötzlich wesentlich motivierter zur Arbeit gehen, schneller verstehen, was von ihnen verlangt wird und gute Noten in der Berufsschule schreiben, dann wird auch das Arbeiten in der Firma enorm erleichtert. Die Kurse tun also beiden Seiten gut: Den Auszubildenden und den Ausbildern." Mehr Informationen gibt es unter
www.rubikon-institut.de