GKV, Zusatzversicherung oder PKV?
Krankenversicherung - Zweiklassengesellschaft
Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung wurden in den letzten Jahren erheblich gekürzt. Konnten die Ärzte noch vor ein paar Jahren jede einzelne Untersuchung extra abrechnen, anhand von Punktwerten, so bekommt er jetzt für jeden einzelnen Patienten einmal pro Quartal eine festgelegte Grundpauschale, welche in der Regel weniger als 30 Euro beträgt. Konkret bedeutet das, egal ob der Patient die Praxis einmal oder fünfmal aufsucht, die Pauschalzahlung erhält der Arzt einmalig und bleibt immer gleich. So ist es nur verständlich dass die Ärzte versuchen ihre Patienten auf das nächste Quartal zu vertrösten, falls keine Beschwerden oder wichtige Behandlungen anstehen. Denn am zweiten oder dritten Besuch des Patienten in derselben Praxis verdient der Arzt kaum noch und arbeitet sozusagen umsonst. Rechnet man dann noch die Kosten des Gehalts der Angestellten, den Strom, eventuell verbrauchtes Verbandmaterial, Salben etc. dazu, zahlt der Arzt oft noch drauf. Ebenso steht den Ärzten nur ein bestimmtes Budge für rezeptpflichtige Medikamente zu. Verordnet der Arzt also mehrmals teure Medikamente, kann es sein das sein Budge vor Ablauf des Quartals aufgebraucht ist und er am Ende für die Mehrkosten selber aufkommen muss. Beispielsweise sollte dem Patienten die vom Augenarzt verordneten Glaucomaugentropfen für drei Monate, also ein Quartal, reichen, tun sie das aber nicht weil der Patient zu oft daneben tropft, muss der Arzt ein weiteres Rezept ausschreiben, für das er mit hoher Wahrscheinlichkeit drauf zahlt.
Was bedeuten all diese Aussagen für Sie als Kassenpatient?
Leider heißt es für den „Normalbürger" sich eine Zusatzversicherung zuzulegen oder direkt beim Arzt sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL-Leistung) in Anspruch zu nehmen. Da vor allem im steigenden Alter, meiner Meinung nach, viele Zusatzleistungen unverzichtbar sind, empfehlen Experten eine umfangreiche Zusatzversicherung bei der je nach Versicherung folgende Leistungen enthalten sein können:
- Chefarztbehandlung im Krankenhaus,
- 1-2 Bettzimmer Belegung
- Zahnzusatz, Zahnbehandlung
- Krankentagegeldversicherung,
- Krankenhaustagegeldversicherung
- Pflegezusatzversicherung
- Zuzahlungsversicherung bei alternativen Heilmethoden
- Brillenzuzahlung
Dies sind nur einige Beispiele an Zusatzleistungen. Je nach dem worauf der Einzelne besonderen Wert legt, können Ergänzungen vorgenommen oder Leistungen gestrichen werden.
Zu den individuellen Gesundheitsleistungen zählen unter anderem beim Augenarzt die Glaucomvorsorge (grüner Star), beim Orthopäden die Osteodensitometrie (Knochendichtemessung) oder beim Hautarzt die Hautkrebsvorsoge, um nur einige zu nennen. Die Preise hierbei sind vollkommen unterschiedlich, so kostet die Glaucomvorsorge in der Regel zwischen 15 Euro und 30 Euro (von Praxis zu Praxis verschieden), also noch vergleichsweise günstig zur Hautkrebsvorsorge, die schon mal 60 Euro kosten kann. Jedoch gibt es auch IGEL-Leistungen die durchaus 200 Euro und mehr betragen können.
Für bestimmte Personen, wie beispielsweise Arbeitnehmer deren Einkommen über der Jahresarbeitsentgeldgrenze liegt, Selbstständige, Beamte oder Freiberufler besteht keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, somit können sich jene privat versichern. Oft ist die private Krankenversicherung auch für Berufstätige mit durchschnittlichem Einkommen günstiger als die gesetzliche Versicherung. Gut verdiendende Singles oder kinderlose Ehepaare, die ganztägig berufstätig sind sollten die private Versicherung ernsthaft in Erwägung ziehen. Selbstständige Unternehmer oder Freiberufler haben keine Wahl, für sie kommt automatisch nur die PKV in Frage.
Grundsätzlich haben privat versicherte Patienten mehr Vor- als Nachteile. In der Regel kann man behaupten, die Wartezeiten auf die bevorstehende Behandlung ist kürzer, die Ärzte nehmen sich in manchen Fällen mehr Zeit für den Einzelnen und es werden in aller Wahrscheinlichkeit mehr Untersuchungen durchgeführt, ob diese dann jeweils zwingend notwendig sind oder nicht, muss der Einzelne selbst entscheiden. Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen, dass sich alle Ärzte, egal ob Fachärzte oder Hausärzte, über den Besuch eines Privatpatienten deutlich mehr freuen als über den Besuch eines gesetzlich Versicherten, da die Einnahmen hierbei erheblich größer sind!
Auch wenn es für die Praxen immer schwieriger wird ohne Privatpatienten bestehen zu bleiben, sollten nicht alle Ärzte über einen Kamm geschert werden. Es gibt durchaus noch Praxen, wo alle Patienten unabhängig welcher Krankenkasse man angehört, gleich behandelt werden. Es stellt sich nur die Frage wie lange noch…
Autor: Eugen Grinschuk