(Online-Artikel.de) - Droht im Alter der Abstieg in die Armut? Kann man sein Geld der Börse anvertrauen?
Die Verunsicherung der Bürger nutzen dubiose Geschäftemacher aus. Sie schwatzen ihnen angeblich sichere Kapitalanlagen auf, die für die Altersvorsorge völlig ungeeignet sind.
Familie Müller* kannte den adretten jungen Mann schon lange. Früher stand er hinter dem Schalter einer Bankfiliale in einer nord bayerischen Kleinstadt. Nun saß er in ihrem Wohnzimmer und erklärte, dass es für die Müllers etwas viel Besseres gebe, als den eigennützigen Anlageempfehlungen der Banken zu folgen.
Der Finanzdienstleister SMP aus Gumpertsreuth bei Hof sei anders, sagte der Bankkaufmann. SMP lege konservativ, aber sehr gewinnträchtig an. Am besten sei es, Lebensversicherungen, Fondssparpläne und Ähnliches aufzulösen und das Geld in SMP-Genussrechte zu stecken. Das überzeugte den Familienvater, der mit einer Fondsempfehlung seiner Bank gerade hohe Verluste gemacht hatte. Er löste alle Anlagen auf und setzte auf SMP.
Ein gutes Jahr später, im Herbst 2002, stand er vor einem Scherbenhaufen. SMP hatte das Anlegergeld verzockt und musste Insolvenz anmelden. Die Vorstände wanderten hinter Gitter. Zehntausende hatten wie die Müllers einen Teil oder ihr gesamtes Erspartes für die Altersvorsorge verloren. Keiner von ihnen hatte es für möglich gehalten, jemals Anlagebetrugsopfer zu werden. Ihr Vertrauen in die Vermittler ließ sie in die Falle tappen.
Die „Altersvorsorge" ist als Verkaufsargument beliebt bei den Abzockern. Denn viele Menschen wissen wenig darüber und lassen sich deshalb leicht verunsichern. Damit sind sie für Geschäfte empfänglich, die sie später bitter bereuen. Anleger sollten sich daher über die vielfältigen Maschen der Anbieter informieren (siehe unten).
Kriminalität bei Kapitalanlagen 2004
Die eigene Gier wird zum Verhängnis
In einer Niedrigzinsphase wie derzeit erscheinen etwa Unternehmensanleihen oder Genussrechte mit ihren hohen Zinssätzen attraktiv. „Festverzinslich" und „Anleihe" – das klingt zudem nach Sicherheit. Doch hohe Zinsen gehen mit hohen Risiken
einher. Manche Anbieter werben damit, dass „kein Kursrisiko" bestehe. Diese Papiere werden nicht an der Börse gehandelt. Damit ist es meist unmöglich, die Anlage zu verkaufen. „Rückkaufgarantien" und Ähnliches sind nur so viel wert wie die Garantiegeber – unter Umständen gar nichts.
Bei Sparplänen ist der vorzeitige Ausstieg oft schwierig. In der Regel ist das eingezahlte Geld weitgehend verloren. Unseriöse Anbieter verwenden allerlei Ausreden, warum Auszahlungen zum vereinbarten Zeitpunkt ausbleiben – wenn sie nicht ohnehin schon abgetaucht sind.