Ich und mein Baby :)
Eine Schwangerschaft zu erleben ist nach wie vor das größte Wunder welches ein Mensch am eigenen Leibe erfahren darf. Nur haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte wichtige Feinheiten gegenüber der Schwangerschaft und Kindererziehung geändert.Sobald man heutzutage erfahren hat, dass man ein Kind erwartet, ist der häufigste Gang in die nächste Bücherei, um sich mit Pflichtlektüren jeglicher Art einzudecken worin geschrieben steht, wie wir uns in der Zeit des „schwanger seins" verhalten sollen. An Stelle eines ausgeprägten, angeborenen Instinktes der in jedem von uns vorhanden ist, stehen heute Bücher im Regal einer Mutter. Diese Ratgeber veranschaulichen uns ausführlich welche Utensilien wichtig sind, wie wir uns verhalten und wie wir ein Kinderzimmer einrichten sollten, stets um das Wohl des Kindes bemüht.
Liebevoll wird die Tapete farblich auf den mit kleinen Tierchen versehenen Teppich abgestimmt und im rechten Winkel das kleine Häschen auf der Ecke einer Wickelkommode platziert. Gründlich wird jeder Schritt nach dem Nächsten geplant, jegliche Vorkehrungen getroffen um gut auf den neuen Erdenbürger vorbereitet zu sein, so wie es im Buche steht.
Sollen dies aber tatsächlich die Dinge sein, welche wirklich wichtig sind, damit es dem neuen Erdenbürger gut geht?Schließlich ist es soweit und die stolzen Eltern kehren mit ihrem Neugeborenen in ihr trautes Heim zurück. Dort angekommen beginnen schon die ersten Probleme. Trotz einer trockenen Windel die, so haben es die Krankenschwestern der Entbindungsstation vorgemacht, nicht nach Bedarf, sondern im stündlichen Takt gewechselt wird, trotz eines vollen Bauches und trotz aller Anzeichen für Wohlbefinden, liegt der kleine Säugling in seinem Nestchen und schreit erbittert. Schon beginnt der Kampf mit dem Gewissen, die Qual der Wahl.
Wie mache ich es nun richtig?Der angeborene Instinkt zeigt uns eindeutig, man könne dem Kind einfach Abhilfe verschaffen mit einem Platz auf dem Arm seiner Mutter und liebevollen Berührungen auf der zarten Haut. Wären da doch nicht diese vielen Ratschläge der selbsternannten Experten welche uns dringend dazu Raten einem Kind schon zu Beginn zu zeigen, dass hier Durchsetzungsvermögen gefragt ist. Wer gewinnt das Spiel und hält den Machtkampf, welcher in Anbetracht der Parteien schon fast lächerlich erscheint, länger durch?
Die vielen Tipps und Tricks haben uns bis heute so beeinflusst, dass wir unseren Urinstinkt völlig außer Acht lassen, wenn es darum geht wie wir mit unseren Kindern sowie Mitmenschen umgehen.
Ein Buch welches definitiv zum Denken anregt und uns versucht, nah an das ursprüngliche Verhalten im Umgang mit Säuglingen heran zu führen, ist geschrieben von Jean Liedloff , eine Frau die in ärmlichen Ländern eigene Erfahrungen sammelte.„Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" erinnert uns an die Verhaltensweisen, welche in unserer Zivilisation völlig in Vergessenheit geraten sind. Die Rede ist von dem Gefühl, dass beispielsweise einem Zugvogel den langen Weg in den Süden zeigt ohne einen Kompass zu benötigen oder einem Neugeborenen direkt nach der Geburt mitteilt, dass er saugen muss um sich Nahrung zu beschaffen. Die Rede ist natürlich von unserem angeborenen Instinkt.
Bis heute ist dieser nach wie vor verwurzelt in den Genen aller Tierarten dieser Erde, sowie es bei uns einst war. Tiere tragen ihre Jungen auf dem Rücken um ihm selbstverständlich Sicherheit und Wohlbehagen zu vermitteln, sie wissen wann ihr Sprössling gefüttert werden muss auch ohne fremde Hilfe und Ratschläge von Onkel und Tante. Niemand würde sich doch wagen, nur weil beispielsweise eine Affenmutter rund um die Uhr für ihr Kind da ist und sich immer greifbar in näherer Umgebung aufhält, hier von „verwöhnen" zu sprechen, wie wir in dem genannten Fall, wäre die Affenmutter ein Mensch, es tun würden.
In den Ländern in denen sich der Materialismus noch nicht weitläufig wie bei uns ausgebreitet hat und das „ Miteinander" eine große Rolle spielt, verlassen sich die Mütter auf die innere Stimme, wenn es darum geht ihre Sprösslinge zu erziehen. Jene sogenannten Kontinuumkinder, so erklärt es J.Liedloff, werden ins tägliche Leben integriert und nehmen Teil am kompletten Tagesablauf der Mutter. In einem Tuch auf dem Rücken platziert erleben sie Eindrücke durch äußere Umstände welche starke, wichtige Auswirkungen auf das spätere Wohlbefinden haben. Kalte Regentropfen auf der Haut, Gerüche beim Kochen und Arbeiten. Alltägliche Anreize die den Kindern der Zivilisation verloren gehen, weil sie im liebevoll zurecht gemachten Kinderzimmer abgeschottet werden und somit von allem Drumherum nichts mitbekommen. Wie sollen die Kinder lernen und ihre Richtigkeit erzielen, wenn sie schon im frühen Kindesalter allen möglichen Erfahrungen beraubt werden und ihnen durch Ausgrenzung nichts als Ruhe beschert wird? Meist tun Oma, Onkel und Tante ihr Übriges indem sie uns mitteilen wir müssen es so, wie sie es auch taten, handhaben um gewünschte Erfolge zu erzielen und dem Kind zu zeigen wie es zu funktionieren hat.
Oft spielt das Herz doch aber eine ganz andere Melodie, es teilt uns mit, wie wir eigentlich vorgehen sollten, nur wir missachten unsere innere Stimme, da sie einfach in Vergessenheit geraten ist.
Eine so wichtige Stimme die uns in so vielen Situationen von allein sagt, wie wir fungieren können.
In unserer heutigen Gesellschaft, wo neue Erfindungen und Ratschläge an der Tagesordnung stehen, haben wir schlichtweg verlernt uns selber zu vertrauen, da äußere Umstände uns immer wieder neue, sogenannte Möglichkeiten aufzeigen.
Fakt ist, jedes Kind braucht Liebe und Geborgenheit und wir sollten wieder anfangen trotz der Ratschläge anderer zu reagieren, wenn es nötig ist.
Der kleine Mann in unserem Ohr sollte öfter wahr genommen werden, damit der vergessene Instinkt wieder Taten folgen lässt.
Von Jennifer Rosann