Weihnachtskarten-App gefällig?
Neulich fragte mich einer meiner in die Jahre gekommenen Verwandten, was denn bitteschön ein App sei. Typisch für die jüngere Generation wollte ich besserwisserisch erklären, dass ein App...nun eben...ein App ist. Eine Application, also eine Anwendung für ein Smarthphone. Daraufhin musste natürlich auch die Erklärung folgen, was denn ein Smartphone sei: "Nun, eigentlich ist das ein Handy, also ein tragbares Telefon, das aber auch Sachen kann, die ein Computer normalerweise macht." Ratlose Blicke. Auf die verständnislose Frage meines Verwandten, was man denn bitte mit einem App machen könnte, musste ich zugeben, dass man eigentlich fast alles damit machen kann, oder auch nichts.
Mittlerweile gibt es schlieβlich für alles ein App, selbst für Dinge, die man früher auch wunderbar ohne iPhone erledigen konnte. Ein Beispiel dafür ist das Feuerzeug-App. Vor noch gar nicht so langer Zeit schwenkten Teenager auf Rockkonzerten verträumt ihre Feuerzeuge, wenn ein langsames Lied gespielt wurde und ein Meer aus kleinen Flammen erleuchtete den Platz. Dann kamen die Handys und aus dem gelben Schein echter Feuer wurde das kalt-blaue Licht kleiner Bildschirme. Mittlerweile scheint so manch einer die Rustikalität der Gasfeuerzeuge zu vermissen und daher hat sich ein schlauer Kopf wohl das Feuerzeug-App ausgedacht. So kann man immer noch allen Umstehenden auf dem Konzert demonstrieren, dass man voll im Trend liegt, aber auf dem Bildschirm flackern gelber Pixel, schwer damit beschäftigt, dein Anschein eines Feuers zu haben. Wer meint, dass er es braucht... für 0,79 Euro kann man sein Geld eigentlich auch sinnvoller ausgeben. Noch so etwas Unnötiges passend zur Weihnachtszeit, gibt es nun ein Weihnachtskarten-App fürs iPhone. Damit lassen sich selbst aufgenommene Fotos mit einem netten Spruch verzieren, um es dann als Bild an die Liebsten zu verschicken. Mal abgesehen davon, dass ich so zum Beispiel meinem smartphonelosen Verwandten garantiert nichts schicken könnte, scheint dieses App doch so ziemlich alles an Harmonie und Zuneigung zu zerstören, was Weihnachten sonst ausmacht.
Wenn es schon keine selbst gebastelte Weihnachtskarten mehr gibt, dann sollten doch wenigstens fertige bestellt werden, sodass auch tatsächlich etwas unterm Weihnachtsbaum liegt und nicht die ganze Familie bei App-Kerzenschein vorm Bildschirm klebt. Selbst wer seine Verwandten verabscheut und lieber weniger als mehr Zeit in deren Geschenke investiert, sollte einsehen, dass selbst eine billige Karte aus dem Supermarkt noch einen besseren Eindruck hinterlässt, als ein iPhone Foto, auf das mit krakeliger Bildschirmschrift ein paar Zeilen gemalt wurden. Wenn mein Verwandter sein ganzes Leben lang ohne Apps ausgekommen ist, schafft ihr das doch vielleicht auch, wenn es drauf ankommt. In diesem Sinne, fröhliche, hoffendlich besinnlich und app-freie Weihnachten.