Plakat - Bild-Motiv: Armelle Mag
Vernissage im Louis Braille Center am Holsteinischen Kamp 26...eigentlich im Kunstbereich eine normale Sache: KünstlerInnen malen, stellen dar stellen aus. Das Publikum, meist geladene Gäste und einige, die über diese Nachricht darauf aufmerksam werden gucken, staunen oder kritisieren, geben ein Feedback an die Künstlerin oder den Künstler. Eine Ausstellung im Louis Braille Center ist hingegen anders: Für die Nichtwissenden: das Louis Braille Center ist ein Verein für Blinde und Sehbehinderte, eine Gruppe von Menschen, die eben nicht über den Sehnerv ihre Eindrücke aufnehmen, sondern über den anderen Teil der verbliebenen Sinne: Tastsinn, Gehör, Geruchssinn etc.. Auch diese Menschen haben ein Recht auf Kunstgenuß und sie wollen ihn auch.
Durch einen - wie man sagt - guten Kontakt quer durch die Hamburger Kunstszene von einem Mitarbeiter und Kunstliebhaber aus einer Hamburger Behörde heraus kam es zum Gespräch, mit dem Endergebnis: Wo, wenn nicht im Zentrum selbst sollte eine Kunstpräsentation stattfinden. Vor Ort, dort wo sich die Blinden und Sehbehinderten treffen und betreut werden.
Seit nun Anfang des Jahres 2009 hängen nun im Louis Braille Center Bildwerke an der Wand - verrückt meinen manche, aber so verrückt ist es nicht, weil: Man kann die Werke berühren, Strukturen erfassen ohne sie sehen zu müssen, sich einen Eindruck verschaffen, auch wenn es nicht zu sehen gibt oder nur wenig, schemenhaft vielleicht.
Die Künstlerin Armelle Mag hatte ihre erste große Ausstellung in Hamburg in der Galerie kit in Hamburg Rothenburgsort und sagte schon seinerzeit: Berühren erlaubt. Das heißt, auch ohne Kenntnis von diesem Blinden-Verein zu haben, gab sie ihre Werke frei für möglichst alle Sinne der Wahrnehmung. Armelle Mag stammt aus Frankreich und ist Wahlhamburgerin - eine Auswahl ihrer Werke hängen zur Zeit auch im Gebäude der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (bis Anfang September 09). Sie als Sehender dürfen davon ausgehen, dass sie nicht farblose Strukturbilder zu sehen bekommen. Im Gegenteil: Armelle (stud. Kunstlehrerin und Künstlerin) arbeitet auf großen Formaten Farb- und Formenreich. Ihre Arbeiten strahlen Habtilität und Stärke aus, durch die Hervorhebung der Formen werden die abstrakten Bilder lebendig und mobil bis motivierend. Und: Man darf die Werke berühren, auch als sehender die Augen schließen und in sich aufnehmen.
Am 18.08.09 um 17 Uhr ist es am Holsteinischen Kamp 26 nun endlich soweit: Anlässlich des 100 jährigen Jubiläums wird diese Ausstellung eröffnet und dem breiten Publikum vorgestellt...also auch Ihnen.
AE.Untiet