Rainer Sauer/Autor/Philosoph
‚Transparent werden' heißt hier das bewußte Verschmelzen und Kommunizieren sowohl mit unserer eigenen göttlichen Essenz als auch mit dem
Wesentlichen im allem Bestehenden und Existierenden. Es bedeutet, Grenzen aufzulösen und eins zu werden. Ich weite die Begrenzungen von unserem physischen Erleben, das beengte, durch unsere Sinnesorgane wahrgenommene und geprägte Weltbild, öffne mich der Erfahrbarkeit der Unendlichkeit und schreite durch das Tor, das uns aus dem Raum der uns wohlbekannten alltäglichen starren physischen Realität in die feinstoffliche Welt unseres inneren Erlebens, in unser
wahres Zuhause hinführt. Es ist das Auflösen materieller Barrieren, währenddessen wir unserem wahren Wesen begegnen und uns dem weiten Raum des Einsseins mit allem gewahr sind.
Transparent werden ist eine Art Visualisierungs Übung, in der ich mir erlaube, also mich willentlich dafür entscheide, die Vorstellung, mein Körper hätte eine feste Begrenzung, aufzugeben und ich mich durchlässig mache für das göttliche Licht, transparent für die alles durchdringende Liebe. Ich stelle mir dabei vor, wie dieses Licht, diese Wellen, die universelle Energie an sich durch mich hindurchströmen. Ich bin aufgrund meines Transparentseins einerseits von allem berührt und durchdrungen, bin und bleibe aber doch auch andererseits in meinem essentiellen Wesen individuell und paradoxerweise in gewisser Hinsicht in meiner Einzigartigkeit unberührbar. Es ist eher ein tiefes Wissen, welchem ich in der Praxis begegne und dessen ich mich nun erinnere, als ein intellektuelles Wissen, das ich schon voraussetze und mit dem ich mich in die Übung hineinbegebe. Hierbei findet das Erlernen immer von innen nach außen, also von mir selbst ausgehend statt und wird nicht von einer sich außerhalb von mir befindlichen Informations Quelle ausgelöst. Die Erfahrung, die Berührung mit der Essenz, machen immer wir selbst, sie kann von niemandem für uns gemacht werden. Sie ist aus demselben Grund natürlich immer einzigartig, individuell gefärbt und nicht zuletzt das besondere Geschenk, welches wir dem Ganzen, dem Kollektiven an sich machen.
Es ist beim Transparentwerden nicht so wichtig, was ich mache, sondern wesentlich wichtiger, wie ich es mache. In diesem Falle heißt das, daß ich nicht so sehr versuche, dem Bild zu entsprechen, welches ich vielleicht von der Richtigkeit der Ausführung habe und von dem, was andere Menschen an Bildern für mich bereit haben. Sondern, daß ich mich ein bißchen mehr von meiner Intuition führen lasse, daß ich einfach bereit bin, mich hinzusetzten und dem zu begegnen, was da ist, um mich dann von da aus weiter geleiten zu lassen. Mit anderen Worten, mich dem Potential, transparent zu werden und zu sein, prinzipiell zu öffnen, also dieser potentiellen Erfahrung Raum und Zeit zuzugestehen, ohne gleich alles kontrollieren zu müssen. Ich räume dem Lernprozeß das nötige Vertrauen ein, setze mich nicht durch starre, selbst auferlegte Erwartungen unnötig unter Druck und empfange freudig alles, was dann kommen kann, heiße es willkommen und gebe mich somit Stück für Stück dem sich öffnenden Raum und den damit einhergehenden Erfahrungen hin. Die Schlüsselworte hierfür sind Bereitschaft, Selbst Annahme, Vertrauen und Hingabe.