Eigentlich sollte man meinen, dass jeder in unserer Gesellschaft einigermaßen gut Englisch spricht. Zumindest wird das von der Anzahl an englischen Begriffen nahegelegt, die wir im Alltag verwenden und zu denen immer neue hinzukommen, aber auch von der zunehmenden Menge an englischsprachiger Werbung, sei es auf Plakaten oder im Fernsehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass dem ganz und gar nicht so ist.
Tatsächlich versteht das Zielpublikum die Werbung oft gar nicht, und auch die vielen angeblich englischen Begriffe in unserer modernen deutschen Sprache sind bei näherem Hinsehen oft künstliche Gebilde, die so im Englischen gar nicht existieren – man denke nur an das berühmte Beispiel „Handy", mit dem kein Engländer oder Amerikaner jemals sein tragbares Telefon bezeichnen würde. Vor allem aber sprechen trotz vieljähriger schulischer Ausbildung nur die wenigsten Menschen in Deutschland so gut Englisch, dass sie in der fremden Sprache Texte für geschäftliche Zwecke verfassen könnten oder gar Texte, die juristischen Ansprüchen genügen würden. Literarische Texte sind noch einmal ein Thema für sich.
So ist es kein Wunder, dass viele Geschäftsleute, aber auch Verlage nicht umhin kommen, die oft beachtlichen Kosten für Übersetzungen – oder auf Neudeutsch ausgedrückt die
Kosten für translations – auf sich zu nehmen, wenn sie ein ausländisches Publikum ansprechen wollen. Und das ist öfter der Fall, als man denkt. Man muss sich nur einmal anschauen, wie viele Internetseiten dem Benutzer die Wahl lassen zwischen einer deutschen und einer englischen Version – meist kann man zwischen diesen Versionen über die Darstellung entsprechender Flaggen auf der Startseite wechseln. Natürlich kommt auch, vielleicht sogar noch häufiger, der umgekehrte Fall vor: Firmen aus dem Ausland müssen ihre Texte übersetzen lassen, um auf dem wichtigen deutschen Markt Fuß zu fassen. Dank der Internationalisierung erleben
Übersetzer also goldene Zeiten!
Andreas Mettler